Kirche & Kathedrale

St. Andreas Dominikanerkirche

St. Andreas Dominikanerkirche
Andreasstraße 11, 40213 Düsseldorf Webseite
Inhalt

In der Andreasstraße im Herzen der Düsseldorfer Altstadt verbirgt sich hinter einer zurückhaltenden Backsteinfassade eine der prachtvollsten Barockkirchen der Stadt: die St. Andreas Dominikanerkirche. Was im 17. Jahrhundert als Jesuitenkirche nach dem Vorbild der römischen Kirche Il Gesù entstand, entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem der bedeutendsten sakralen Kunstdenkmäler am Niederrhein. Im Inneren erwartet Besucher ein überraschender Kontrast zur schlichten Außenfassade: Üppiger Stuck, lichte Gewölbe und eine fast schon theatralische Raumwirkung prägen den Kirchenraum und erzählen von der künstlerischen Ambition der Gegenreformation. Heute wird die Kirche von Dominikanermönchen betreut und dient zugleich als letzte Ruhestätte mehrerer Mitglieder des Hauses Pfalz-Neuburg, was St. Andreas eine doppelte Bedeutung als Gotteshaus und historische Grabkirche verleiht.

Geschichte der St. Andreas Dominikanerkirche

Die Geschichte der St. Andreas Dominikanerkirche beginnt im Jahr 1620, als der pfalz-neuburgische Kurfürst Wolfgang Wilhelm den Jesuiten ein Grundstück in der Düsseldorfer Altstadt für den Bau einer Ordenskirche überließ. Der Grundstein wurde am 5. Juli 1622 gelegt, und bereits am 29. November 1629 konnte der erste Gottesdienst in der noch nicht vollständig ausgestatteten Kirche gefeiert werden. Während die wesentliche Bausubstanz bis 1629 fertiggestellt war, zogen sich die aufwendigen Innenarbeiten noch bis in das Jahr 1661 hin. Im Jahr 1716 beauftragte Kurfürst Karl Philipp den Architekten Simon Sarto mit dem Bau eines Mausoleums für das Haus Pfalz-Neuburg, das bereits 1717 vollendet wurde und der Kirche ihren Rang als fürstliche Grabkirche verlieh. Der Siebenjährige Krieg brachte der Kirche 1758 erhebliche Schäden durch Bombardierungen, von denen sich das Gebäude nur langsam erholte. Nach der Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773 diente die Kirche fortan als reguläre Pfarrkirche. Eine entscheidende Wende in der jüngeren Geschichte erfolgte am 1. März 1972, als die Dominikaner die seelsorgliche Betreuung der Kirche übernahmen und ihr Kloster in das Gebäude verlegten. Die Pfarrgemeinde fusionierte im Jahr 2005 mit St. Lambertus, während umfassende Wiederaufbauarbeiten zwischen 1960 und 1971 unter anderem einen neuen, vom bedeutenden Bildhauer Ewald Mataré gestalteten Altar hervorbrachten. Diese jahrhundertelange Kontinuität, vom fürstlichen Jesuitenbau über die bürgerliche Pfarrkirche bis hin zum heutigen Dominikanerkloster, verleiht St. Andreas eine ungewöhnlich dichte Schichtung historischer Nutzungen, die sich bis heute im Erscheinungsbild der Kirche ablesen lässt.

Highlights in der St. Andreas Dominikanerkirche

Architektonisch folgt die St. Andreas Dominikanerkirche dem charakteristischen "Jesuitenstil" nach dem Vorbild der römischen Il-Gesù-Kirche, mit einem fünfjochigen Langhaus und einem zweijochigen Chor mit Fünfachtelschluss. Zwei markante Türme flankieren den Chorbereich, während sich im rückwärtigen Bereich ein polygonales Mausoleum anschließt - ein bauliches Element, das die Kirche von vielen anderen Barockkirchen der Region unterscheidet. Das Innere der als Hallenkirche konzipierten Kirche besticht durch kreuzrippengewölbte Deckenpartien, umlaufende Galerien mit Arkaden und einen überreichen, überwiegend von Johannes Kuhn ab 1632 geschaffenen Stuckschmuck, der zu den eindrucksvollsten Beispielen barocker Dekorationskunst am Niederrhein zählt. In den Seitenschiffen reihen sich zudem lebensgroße Statuen von Aposteln und Heiligen, die den Kirchenraum zusätzlich beleben. Bedeutende Altarbilder stammen von den Künstlern Ernst Deger und Julius Hübner, beide prominente Vertreter der Düsseldorfer Malerschule des 19. Jahrhunderts. Musikalisch verfügt die Kirche über eine zwischen 1971 und 1973 umgebaute Orgel der Werkstatt von Beckerath mit 42 Registern, die regelmäßig für Konzerte genutzt wird. Im Turm hängen sechs Bronzeglocken, von denen die älteste bereits 1643 von den berühmten Gebrüdern Hemony aus Utrecht gegossen wurde. Das von Ewald Mataré 1958 restaurierte Mausoleum mit den Grablegen des Hauses Wittelsbach-Pfalz-Neuburg rundet das außergewöhnliche kunsthistorische Ensemble der Kirche ab und steht heute unter dem Denkmalschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Wer sich die Zeit nimmt, den Kirchenraum in Ruhe zu durchwandern, entdeckt darüber hinaus zahlreiche kleinere Details wie vergoldete Kapitelle, aufwendig gerahmte Seitenaltäre und historische Grabplatten im Boden, die gemeinsam ein dichtes Geflecht aus Frömmigkeit, höfischer Repräsentation und künstlerischem Anspruch bilden. Gerade im Vergleich zur zurückhaltenden Außenfassade wirkt diese Fülle an Dekoration besonders überraschend und macht St. Andreas zu einem der eindrucksvollsten Beispiele barocker Raumkunst im gesamten Rheinland.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zur St. Andreas Dominikanerkirche

Die St. Andreas Dominikanerkirche ist als aktives Dominikanerkloster regelmäßig für Gottesdienste und private Andacht geöffnet, der Zutritt zur Kirche ist dabei kostenfrei. Da die Kirche von einer Ordensgemeinschaft betreut wird, richten sich die genauen Öffnungszeiten nach dem klösterlichen Tagesablauf und den Gebetszeiten der Dominikaner, aktuelle Informationen hierzu finden Besucher auf der Website dominikaner-duesseldorf.de. Für Gruppen, die sich besonders für die kunsthistorischen Highlights der Kirche interessieren, empfiehlt sich eine vorherige Anmeldung für eine Führung über das Kloster. Die Lage in der Andreasstraße mitten in der Altstadt macht die Anreise denkbar einfach: Von der Haltestelle Heinrich-Heine-Allee, die von mehreren Straßenbahn- und U-Bahn-Linien bedient wird, erreicht man die Kirche in nur wenigen Gehminuten. Auch der Burgplatz und der Marktplatz mit dem historischen Rathaus liegen in unmittelbarer Nähe. Da die Altstadt als Fußgängerzone ausgewiesen ist, empfiehlt sich für Autofahrer die Nutzung eines der zahlreichen Parkhäuser am Rand des historischen Zentrums, von wo aus sich die Kirche und die umliegenden Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß erschließen lassen.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe der St. Andreas Dominikanerkirche

Die zentrale Lage der St. Andreas Dominikanerkirche in der Altstadt eröffnet Besuchern zahlreiche Möglichkeiten für weitere Erkundungen. Nur wenige Schritte entfernt liegt die St. Lambertus Basilika mit ihrem markanten schiefen Turm, deren Besuch sich ideal mit der Besichtigung von St. Andreas verbinden lässt. Der nahegelegene Burgplatz mit dem Schlossturm bietet einen schönen Blick auf den Rhein, während die angrenzende Rheinuferpromenade zu einem Spaziergang entlang des Flusses einlädt. Auf dem Marktplatz erwarten Besucher das historische Rathaus und die goldene Reiterstatue des Kurfürsten Jan Wellem. Wer sich für die bewegte Geschichte der Düsseldorfer Malerschule interessiert, der auch Altarbilder in St. Andreas zugeschrieben werden, sollte einen Besuch der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am Grabbeplatz in Betracht ziehen. Nach der Besichtigung laden die traditionsreichen Altbier-Brauhäuser der Altstadt, darunter das Füchschen und Zum Schlüssel, zu einer Rast mit regionaler Küche und frisch gezapftem Altbier ein. Auch das Stadtmuseum Düsseldorf, das sich ausführlich mit der Geschichte der Stadt beschäftigt, liegt in fußläufiger Entfernung von der Kirche. Auch das benachbarte Schauspielhaus am Gustaf-Gründgens-Platz sowie die Einkaufsstraßen der Carlstadt laden im Anschluss an einen Besuch der Kirche zu weiteren Entdeckungen ein. Besonders am frühen Abend, wenn sich die Gassen der Altstadt langsam beleben, lohnt sich ein Verweilen in der Nähe der Kirche, um die besondere Atmosphäre zwischen historischer Bausubstanz und lebendigem Stadtleben bewusst zu genießen.

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