Komm-Kulturzentrum
An der August-Klotz-Straße, nicht weit vom Zentrum Dürens entfernt, verbirgt sich hinter den Mauern eines ehemaligen Mühlengebäudes eines der lebendigsten soziokulturellen Zentren der Stadt: das Komm-Kulturzentrum. Was heute Konzerte, Comedy-Abende, Theater, Ausstellungen und Workshops für Jung und Alt beherbergt, war über Jahrhunderte eine Getreidemühle an der Rur, deren Geschichte sich urkundlich bis in das Jahr 1261 zurückverfolgen lässt. Diese Verbindung von jahrhundertealter Bausubstanz und zeitgenössischem Kulturbetrieb macht das Komm zu einem der ungewöhnlichsten Veranstaltungsorte Dürens, einem Ort, an dem Industriegeschichte und alternative Jugendkultur buchstäblich unter einem Dach zusammenfinden. Für Besucher, die authentisches, nicht-kommerzielles Kulturleben jenseits klassischer Museen erleben möchten, ist das Komm-Kulturzentrum eine der interessantesten Adressen der Stadt. Wer sich für die Geschichte besetzter und später legalisierter Kulturhäuser in Deutschland interessiert, findet in der Pleußmühle zudem ein anschauliches rheinisches Beispiel dafür, wie aus einer Bürgerinitiative der 1980er Jahre eine dauerhafte, von der Stadt mitgetragene Kultureinrichtung entstehen konnte.
Geschichte des Komm-Kulturzentrums
Das Gebäude, in dem das Komm-Kulturzentrum heute untergebracht ist, ist als Pleußmühle bekannt und wird erstmals im August 1261 urkundlich als Mühle erwähnt, was sie zu einem der ältesten gewerblich genutzten Bauwerke der Stadt macht. Über Jahrhunderte diente die Mühle der Getreideverarbeitung, musste jedoch mehrfach schwere Rückschläge verkraften: Am 4. Oktober 1889 vernichtete ein Großbrand weite Teile der Anlage, und am 16. November 1944 wurde das Gebäude während des verheerenden alliierten Luftangriffs auf Düren fast vollständig in Schutt und Asche gelegt, sodass nur Ruinen zurückblieben. Nach Kriegsende nahm der Mühlenbetrieb zunächst provisorisch in einem umgebauten Kirchengebäude ab dem 1. Oktober 1946 seine Arbeit wieder auf, bevor das eigentliche Mühlengebäude wiederaufgebaut und am 1. Dezember 1950 fertiggestellt wurde, sodass die Getreidemahlung in den ursprünglichen Räumlichkeiten erneut aufgenommen werden konnte. Der gewerbliche Mühlenbetrieb wurde schließlich am 31. August 1969 endgültig eingestellt, und das Gebäude stand in den folgenden Jahren zunehmend leer, bis es dem Abriss zu verfallen drohte. Diesen drohenden Abriss verhinderten 1980 Dürener Jugendliche, die die Pleußmühle besetzten und damit erfolgreich öffentlichen Druck erzeugten; die Stadt Düren stoppte daraufhin die Abrissplanung und sanierte das Gebäude zu einem "Kulturtreff Pleußmühle". Im selben Jahr gründete sich der bis heute tragende Trägerverein "Jugend- und Kulturzentrum Düren e.V.", der zunächst von provisorischen Standorten und ab 1987 von der Josef-Schregel-Straße 54 nahe dem Bahnhof aus arbeitete, während die Pleußmühle schrittweise instand gesetzt wurde. Am 5. Dezember 1992 wurde das sanierte Gebäude schließlich als "Komm-Zentrum Düren" offiziell eröffnet und damit zum dauerhaften Sitz des Vereins. In den oberen Etagen war bis 2020 zudem der lokale Radiosender Radio Rur untergebracht, und auf dem Gelände stand einst ein von den Dürener Stadtwerken errichtetes Wasserrad, das vom Mühlenteich gespeist wurde und zeitweise sogar Strom erzeugte, bis es wegen baulicher Schäden außer Betrieb genommen wurde. Diese über sieben Jahrhunderte gewachsene Nutzungsgeschichte, von der mittelalterlichen Mühle über die Industrie- und Kriegszeit bis zur heutigen soziokulturellen Nutzung, macht die Pleußmühle zu einem seltenen Beispiel dafür, wie ein einzelnes Gebäude nahezu die gesamte wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung einer Stadt wie Düren widerspiegeln kann.
Highlights im Komm-Kulturzentrum
Das Komm-Kulturzentrum versteht sich explizit als soziokulturelles Zentrum und bietet entsprechend ein breites, bewusst niedrigschwelliges Programm: Von Konzerten verschiedenster Musikrichtungen über Comedy-Abende, Quizabende und akustische Jam-Sessions bis hin zu Tanzpartys, Sprach- und Reisecafés sowie Kursen und Workshops für Menschen jeden Alters reicht das Angebot, das regelmäßig aktualisiert wird und sowohl etablierten als auch jungen, lokalen Künstlern eine Bühne bietet. Seit 2020 ergänzt das Sommerprogramm "Komm in den Garten" das Hausangebot, bei dem der rückwärtige Garten des Gebäudes in einen Open-Air-Veranstaltungsort verwandelt wird, ideal für Konzerte und Lesungen an lauen Abenden. Besonders reizvoll für Besucher ist der bewusste Erhalt der industriellen Mühlenarchitektur, die den Veranstaltungsräumen einen unverwechselbaren, rauen Charme verleiht und sich deutlich von sterilen, modernen Veranstaltungshallen abhebt. Seit 2023 leiten Marion Kaeseler und Rebekka Paas das Haus als neues Führungsteam und haben seither sowohl das kulturelle Programm als auch die gastronomische Seite des Komm weiterentwickelt, etwa durch die hauseigene Kneipe, die donnerstags, freitags und samstags abends zum geselligen Beisammensein mit oder ohne Veranstaltungsbesuch einlädt. Die enge Verbindung zur Geschichte der Pleußmühle wird dabei bewusst sichtbar gehalten, etwa durch erhaltene bauliche Details, die an die frühere Nutzung als Getreidemühle erinnern. So verbindet ein Konzertbesuch im Komm fast immer auch einen kleinen, unaufdringlichen Einblick in die Industriegeschichte Dürens, ohne dass dies den eigentlichen, oft sehr lebendigen und zeitgenössischen Charakter der Veranstaltungen schmälern würde.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Komm-Kulturzentrum
Das Komm-Kulturzentrum an der August-Klotz-Straße 21 betreibt eine Theaterkasse, die montags von 14 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 10 bis 15 Uhr geöffnet ist; an Veranstaltungsabenden öffnet die Kasse zudem jeweils eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung. Die hauseigene Kneipe hat donnerstags und freitags ab 19 Uhr sowie samstags ab 20 Uhr geöffnet, ebenfalls ergänzt um die Öffnungszeit eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn an anderen Tagen. Eintrittspreise richten sich nach der jeweiligen Veranstaltung und werden individuell auf der Website sowie an der Abendkasse ausgewiesen; viele der niedrigschwelligen Programmpunkte wie Sprachcafés sind kostenfrei oder auf Spendenbasis zugänglich. Die Anreise zum Komm ist unkompliziert, da die August-Klotz-Straße nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Düren entfernt liegt, der an der Bahnstrecke Köln-Aachen von Regionalexpress- und Regionalbahn-Zügen im Halbstundentakt bedient wird. Auch mehrere Buslinien der Rurtalbus-Gesellschaft halten in der Nähe, und für Autofahrer stehen in der Umgebung öffentliche Parkmöglichkeiten zur Verfügung.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Komm-Kulturzentrums
Von der August-Klotz-Straße aus ist die Dürener Innenstadt mit ihren wichtigsten Sehenswürdigkeiten in wenigen Gehminuten zu erreichen. Nur unweit entfernt liegen Reste der historischen Dürener Stadtmauer, die an derselben Straße dokumentiert sind, sowie der Dicker Turm und der Grönjansturm auf dem Gelände des Stiftischen Gymnasiums. Das Rathaus Düren am Kaiserplatz, ein Beispiel für die Wiederaufbauarchitektur der 1950er Jahre, liegt ebenfalls innerhalb kurzer Gehdistanz. Kulturell Interessierte können ihren Besuch gut mit dem Leopold-Hoesch-Museum und dem direkt benachbarten Papiermuseum Düren verbinden, die beide einen Einblick in Kunst und Industriegeschichte der Stadt bieten. Auch das Stadtmuseum Düren an der Arnoldsweilerstraße mit seiner chronologischen Ausstellung zur Stadtgeschichte sowie die Dürener Stadtbücherei in einem architektonisch bemerkenswerten Gebäude sind von hier aus bequem zu Fuß erreichbar und lassen sich ideal in einen Rundgang durch die geschichtsreiche Dürener Innenstadt einbinden.
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