Neuer Zollhof
Mitten im Düsseldorfer Medienhafen erhebt sich eines der ungewöhnlichsten Gebäudeensembles Deutschlands: der Neuer Zollhof. Die drei skulpturalen Bürobauten des amerikanischen Stararchitekten Frank Gehry zählen zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten der Stadt und markieren den Beginn des Wandels des früheren Handelshafens zu einem international beachteten Architekturquartier. Wo einst Frachtschiffe anlegten und Waren umgeschlagen wurden, prägen heute geschwungene Fassaden aus Edelstahl, roten Ziegeln und weißem Putz das Bild am Rheinufer. Der Name Neuer Zollhof erinnert an die historische Zollfunktion des Hafens, doch die Architektur selbst bricht bewusst mit jeder Konvention. Für Architekturfans, Fotografen und Spaziergänger entlang der Hafenpromenade gehört ein Besuch der drei Gebäude zum festen Programm bei jedem Düsseldorf-Aufenthalt.
Geschichte des Neuer Zollhof
Der Düsseldorfer Medienhafen entstand in den 1990er-Jahren auf dem Gelände des alten Rheinhafens, der nach dem Rückgang des klassischen Güterumschlags brachlag. Die Stadt Düsseldorf entschied sich, das Areal nicht einfach neu zu bebauen, sondern gezielt namhafte internationale Architekten einzuladen, um einen unverwechselbaren Stadtteil zu schaffen. Frank Gehry, der durch spektakuläre Bauten wie das Guggenheim Museum Bilbao bereits Weltruf besaß, wurde beauftragt, drei Bürogebäude auf einem vergleichsweise kleinen Grundstück am Rheinufer zu entwerfen. Gemeinsam mit dem Düsseldorfer Büro Beucker, Maschlanka und Partner plante Gehry zwischen 1996 und 1998 die Bauausführung, nachdem die Entwurfsarbeiten bereits Anfang der 1990er-Jahre begonnen hatten. Am 19. Oktober 1999 wurden die Gebäude feierlich eingeweiht. Die Baukosten beliefen sich auf rund 120 Millionen Deutsche Mark. Für die komplexen, unregelmäßig gekrümmten Fassaden setzte Gehrys Büro bereits damals auf computergestützte 3D-Modellierung, eine Methode, die der Architekt zuvor bei seinen amerikanischen Projekten entwickelt hatte und die den Bau derart organischer Formen erst wirtschaftlich umsetzbar machte. Von Beginn an sorgte der Neuer Zollhof für Aufsehen: Kritiker und Fachpresse diskutierten intensiv über die ungewöhnliche Formensprache, während die Bauten rasch zum Symbol für den Strukturwandel Düsseldorfs vom Handelshafen zur Medien- und Kommunikationsbranche wurden. Im Volksmund erhielten die drei Häuser schnell inoffizielle Spitznamen nach ihrer Fassadenfarbe - das "silberne", das "rote" und das "weiße" Haus. Heute gilt der Neuer Zollhof neben dem Rheinturm als das bekannteste Bauwerk des Medienhafens und wird regelmäßig in internationalen Architekturführern als Beispiel für dekonstruktivistische Architektur in Deutschland genannt.
Highlights im Neuer Zollhof
Das Besondere am Neuer Zollhof ist die radikale Auflösung der klassischen Fassadengeometrie. Keines der drei Gebäude besitzt rechte Winkel, Gesimse oder einen klar erkennbaren Sockel - die Außenhaut scheint sich wie Stoff zu wellen und zu falten. Jedes der drei Häuser erhielt eine eigene Materialität und Farbgebung: Ein Gebäude ist mit glänzendem Edelstahlblech verkleidet, das je nach Lichteinfall silbrig oder bläulich schimmert, ein zweites zeigt eine Fassade aus rotem Ziegel mit unregelmäßig versetzten Fensteröffnungen, und das dritte ist in strahlendem Weiß verputzt und wirkt durch seine organische Wölbung besonders plastisch. Zwischen den Gebäuden verlaufen schmale, leicht geschwungene Gassen, die bewusst so angelegt wurden, dass Fußgänger weiterhin ungehindert zum Hafenbecken gelangen können - eine Rücksichtnahme auf die angrenzenden Wohnquartiere, die Gehry von Anfang an in seine Planung einbezog. Besonders augenfällig ist, dass keine zwei Fenster in gleicher Höhe oder Ausrichtung sitzen; selbst die Dachlinien verlaufen in unterschiedlichen Winkeln, sodass die Silhouette der drei Gebäude je nach Standpunkt des Betrachters immer wieder neu und überraschend wirkt. Im Inneren der Gebäude befinden sich klassische Büroflächen, die von verschiedenen Unternehmen aus den Bereichen Medien, Recht und Beratung genutzt werden; ein öffentlicher Zugang zu den Innenräumen besteht nicht. Der eigentliche Reiz liegt daher im Außenraum: Von der gegenüberliegenden Kaimauer oder von der Fußgängerbrücke aus ergeben sich die fotogensten Perspektiven, insbesondere in den Abendstunden, wenn die Fassaden angestrahlt werden und sich im Wasser des Hafenbeckens spiegeln. Viele Besucher empfinden die Gebäude je nach Blickwinkel und Tageslicht völlig unterschiedlich - ein gewollter Effekt der dekonstruktivistischen Formensprache Gehrys.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Neuer Zollhof
Da es sich beim Neuer Zollhof um private Bürogebäude handelt, ist eine Innenbesichtigung nicht möglich. Der Außenbereich, also die Uferpromenade und die Gassen zwischen den drei Gebäuden, ist dagegen jederzeit frei und kostenlos zugänglich - es gibt keine festen Öffnungszeiten und keinen Eintritt. Am eindrucksvollsten wirkt die Architektur bei Tageslicht zur goldenen Stunde sowie nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die Fassadenbeleuchtung des gesamten Medienhafens aktiviert wird. Die Anreise ist unkompliziert: Vom Hauptbahnhof Düsseldorf erreicht man den Medienhafen in rund 20 Minuten mit der Straßenbahn oder dem Bus, etwa mit den Linien 709 und 732 bis zur Haltestelle Lorettostraße oder Stadttor, von wo aus der Neuer Zollhof in wenigen Gehminuten erreichbar ist. Auch zu Fuß ist der Weg von der Altstadt entlang des Rheinufers reizvoll und dauert rund 25 bis 30 Minuten. Parkmöglichkeiten gibt es in mehreren Parkhäusern im Medienhafen, etwa am Stadttor oder am Kaistudios-Komplex. Für Fotografen empfiehlt sich ein Besuch an Wochentagen am frühen Morgen, wenn die Promenade noch ruhig ist, während an schönen Wochenendabenden der gesamte Hafen zum beliebten Ausgehviertel mit zahlreichen Restaurants und Bars wird. Wer einen vollständigen Überblick über alle Gehry-Gebäude gewinnen möchte, sollte den Rundgang über beide Seiten des Hafenbeckens einplanen, da sich viele Details erst aus der Distanz erschließen.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Neuer Zollhof
Der Medienhafen bietet auf engem Raum eine beeindruckende Dichte an moderner Architektur. Nur wenige Gehminuten vom Neuer Zollhof entfernt ragt der 240,5 Meter hohe Rheinturm empor, dessen Aussichtsplattform einen Panoramablick über die gesamte Stadt bietet. Ebenfalls fußläufig erreichbar ist der kreisrunde Bau des Landtags Nordrhein-Westfalen am Rheinknie, der die politische Bedeutung des Standorts unterstreicht. Entlang der Kaimauern reihen sich weitere architektonisch bemerkenswerte Bürogebäude internationaler Architekten sowie das markante Hotel am Kai, die gemeinsam mit dem Neuer Zollhof das Bild des Medienhafens prägen. Wer von dort weiter in die Altstadt spaziert, erreicht nach einem kurzen Uferweg die historische Düsseldorfer Rheinuferpromenade mit Blick auf die Kirche St. Lambertus und das Schlossturm-Museum. Auch das Rathaus Düsseldorf am Marktplatz liegt nur gut 15 Gehminuten entfernt und lässt sich gut mit einem Spaziergang durch die Altstadt verbinden. Abends laden die zahlreichen Restaurants, Bars und Clubs entlang der Hafenkante dazu ein, den Tag mit Blick auf die beleuchteten Fassaden ausklingen zu lassen.
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