Weißhaus
Im Kölner Stadtteil Sülz, eingebettet zwischen dem Inneren Grüngürtel und dem beliebten Decksteiner Weiher, liegt das Weißhaus, eines der ungewöhnlichsten Baudenkmäler der Stadt. Was auf den ersten Blick wie ein romantisches Wasserschloss aus einem anderen Jahrhundert wirkt, ist in Wirklichkeit das Ergebnis von mehr als 600 Jahren Umbauten, Zerstörungen und Wiederaufbauten. Das zweigeschossige Herrenhaus mit seinem geschweiften Mansarddach, dem achteckigen Treppenturm und der von Wasser umschlossenen Parkanlage gehört zu den stillen, fast verborgenen Schätzen von Köln. Obwohl das Anwesen heute in Privatbesitz ist und nicht öffentlich betreten werden kann, lässt sich seine Silhouette von den umliegenden Wegen aus bewundern, und seine Geschichte erzählt viel über die Entwicklung der Stadt von der Klosterzeit bis in die Gegenwart.
Geschichte des Weißhauses
Die früheste urkundliche Erwähnung des Anwesens stammt aus dem Jahr 1378, als es sich im Besitz der Benediktinerabtei Sankt Pantaleon befand, die bereits 957 gegründet worden war. In den Aufzeichnungen von 1468 taucht ein Gebäude unter der Bezeichnung "Zu dem Wyssenhuys" auf, von dem sich der bis heute gebräuchliche Name ableitet. Die bewegte Geschichte des Ortes begann schon kurz darauf: 1474, während der Burgundischen Kriege, als das Heer Karls des Kühnen vor Köln zog, wurde das Gut zerstört. Ein weiterer Rückschlag folgte 1584, als ein Brand die Gebäude erneut vernichtete. Erst zwischen 1613 und 1619 ließ Abt Henricus Spichernagel das Weißhaus vollständig neu errichten, und der Turm, der aus dieser Bauphase stammt, ist bis heute erhalten und prägt das Erscheinungsbild der Anlage. Im Jahr 1658 sorgte der Duffesbach, ein kleiner Zufluss, für eine folgenreiche Überschwemmung, die den Wiederaufbau als befestigtes Wasserschloss mit einem umlaufenden Graben nach sich zog. 1669 ließ Abt Aegidius Romanus das Anwesen zu einer repräsentativen Sommerresidenz der Abtei erweitern, und aus dieser Zeit stammt auch das kunstvolle schmiedeeiserne Geländer der nordöstlichen Bogenbrücke, das noch heute zu sehen ist. Mit der Säkularisation infolge der napoleonischen Kriege ging das Klostereigentum in staatlichen Besitz über, und 1843 erhielt das Gebäude einen klassizistischen Umbau. Einen entscheidenden Wendepunkt markierte das Jahr 1849, als der Kölner Kaufmann Johann Adam Jansen das Anwesen erwarb und den renommierten Architekten Vincenz Statz mit einer umfassenden neugotischen Umgestaltung beauftragte. Die zugehörige Schlosskapelle wurde am 10. November 1857 durch Kardinal Johannes von Geissel feierlich geweiht. Im Mai 2019 wechselte das rund 20.800 Quadratmeter große Gesamtareal für etwa sechs Millionen Euro den Besitzer: Der Unternehmer Adam Szpyt, bekannt als Gründer von Bett1.de, erwarb das Weißhaus, das seither weiterhin der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist.
Highlights im Weißhaus
Auch wenn das Innere des Weißhauses heute privaten Eigentümern vorbehalten ist, bietet die Architektur von außen genug, um einen Spaziergang entlang der Grundstücksgrenze lohnend zu machen. Das Herrenhaus selbst präsentiert sich als zweigeschossiger Bau mit einem markanten, geschweiften Mansarddach, das typisch für die repräsentativen Umbauten des 17. und 19. Jahrhunderts ist. Besonders auffällig ist der achteckige Treppenturm mit seiner barocken Haube, der sich elegant über die Dachlandschaft erhebt und als eines der ältesten erhaltenen Bauteile auf die Wiederaufbauphase zwischen 1613 und 1619 zurückgeht. Das gesamte Anwesen wird von einem rund 5.600 Quadratmeter großen, wassergefüllten Graben umschlossen, der dem Weißhaus seinen Charakter als echtes Wasserschloss verleiht, eine Seltenheit im Kölner Stadtbild. Zwei gemauerte Bogenbrücken überspannen diesen Graben und verbinden das Innere mit der umgebenden Parklandschaft; die nordöstliche Brücke besticht durch ein kunstvolles schmiedeeisernes Geländer aus der Zeit um 1669, ein Relikt aus der Erweiterung durch Abt Aegidius Romanus. Im Inneren, das nur bei seltenen Gelegenheiten zugänglich war, besticht vor allem die neugotische Schlosskapelle, deren Kreuzrippengewölbe mit Temperamalereien religiöser Szenen verziert sind, darunter Darstellungen der Verkündigung, der Geburt Christi und der Darstellung im Tempel. Die Glasfenster der Kapelle zeigen Szenen aus dem Magnificat und wurden in der Kölner Werkstatt von Johann Anton Friedrich Baudri gefertigt, einem der bedeutendsten Glasmaler des 19. Jahrhunderts im Rheinland. Die umgebende Parklandschaft mit altem Baumbestand, die sich harmonisch in den Inneren Grüngürtel einfügt, macht den Außenbereich des Weißhauses zu einem der malerischsten Plätze in Köln-Sülz, selbst wenn die eigentlichen Gebäude nicht besichtigt werden können.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Weißhaus
Das Weißhaus befindet sich seit 2019 in privatem Besitz und ist weder im Innenbereich noch im Garten öffentlich zugänglich. Es gibt keine festen Öffnungszeiten, keinen Eintrittspreis und keine Möglichkeit, Tickets zu erwerben, da das Anwesen ausschließlich privat genutzt wird. Besucher können die markante Fassade, den Turm und die Wassergräben dennoch von den öffentlichen Wegen entlang der Weißhausstraße und aus dem angrenzenden Grüngürtel aus betrachten und fotografieren, was besonders in den Morgen- und Abendstunden bei besonderem Licht reizvoll ist. Die Anreise gestaltet sich unkompliziert: Mit der Kölner Stadtbahn erreicht man die Umgebung bequem über die Linien 9 oder 18 bis zur Haltestelle Sülzburgstraße oder Weißhausstraße, von wo aus das Gelände in wenigen Gehminuten zu erreichen ist. Auch mit dem Fahrrad ist das Weißhaus über die Wege des Inneren Grüngürtels, die quer durch mehrere Kölner Stadtteile führen, gut angebunden. Für Autofahrer gibt es begrenzte Parkmöglichkeiten entlang der angrenzenden Wohnstraßen in Sülz, ein Besuch mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird jedoch empfohlen, da das Gebiet verkehrsberuhigt ist. Wer die Gegend besuchen möchte, sollte dies als Teil eines größeren Spaziergangs durch den Grüngürtel planen, da das Weißhaus selbst nur wenige Minuten Aufenthalt erfordert, die umliegende Parklandschaft aber zu einem längeren Aufenthalt einlädt.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Weißhauses
Nur wenige Gehminuten vom Weißhaus entfernt liegt der Decksteiner Weiher, einer der beliebtesten Freizeitorte im Kölner Westen, an dessen Ufern sich Cafés, Liegewiesen und Spazierwege aneinanderreihen. Der Innere Grüngürtel, auf dessen Fläche sich das Weißhaus befindet, verbindet zahlreiche weitere Grünanlagen und ehemalige Festungsbereiche miteinander und eignet sich hervorragend für längere Spaziergänge oder Fahrradtouren quer durch die Stadt. In unmittelbarer Nähe liegt zudem der Kölner Stadtwald mit seinem großen Freigelände, seinem Wildgehege und dem Aussichtsturm, der einen weiten Blick über die westlichen Stadtteile bietet. Der Stadtteil Sülz selbst, bekannt für seine lebendige Kneipen- und Restaurantszene rund um die Berrenrather Straße, lädt nach einem Spaziergang zu einer Einkehr ein. Wer sich für Universitätsarchitektur interessiert, findet in wenigen Minuten Entfernung die Sportanlagen und Institute der Universität zu Köln, deren Campus sich bis an den Grüngürtel erstreckt. Auch der Botanische Garten der Stadt Köln sowie der Vorgebirgspark sind mit dem Fahrrad in angemessener Zeit erreichbar und bilden zusammen mit dem Weißhaus eine grüne Route durch die südwestlichen und westlichen Viertel der Stadt.
Wo übernachten in Köln, Deutschland
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