Tünnes und Schäl Denkmal
An der Fassade des Gürzenich, der historischen Kölner Festhalle nur wenige Schritte von der romanischen Kirche Groß St. Martin entfernt, begegnet man dem Tünnes und Schäl Denkmal - einer der liebenswürdigsten und zugleich volkstümlichsten Bronzeplastiken der Kölner Altstadt. Anders als die großen Herrscherdenkmäler der Stadt widmet sich dieses Werk nicht der hohen Politik, sondern dem rheinischen Humor und der Kölner Mundartkultur: Es zeigt die beiden wohl bekanntesten Figuren des traditionsreichen Kölner Hänneschen-Theaters, der ältesten Puppenbühne der Stadt. Tünnes, der gutmütige, bauernschlaue Typ, und Schäl, der schielende, selbstüberschätzende Besserwisser, verkörpern seit mehr als zwei Jahrhunderten zwei Grundcharaktere des kölschen Volkscharakters und sind längst selbst zu "kölschen Originalen" geworden - fiktiven Figuren, die von den Kölnern wie echte historische Persönlichkeiten verehrt werden. Das Denkmal am Gürzenich ist damit ein Ort, an dem Kölner Theatertradition, Mundartkultur und städtischer Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg auf engstem Raum zusammenkommen.
Geschichte von Tünnes und Schäl Denkmal
Um die Bedeutung des Tünnes und Schäl Denkmal zu verstehen, muss man zunächst die Geschichte seiner beiden Hauptfiguren betrachten. Im Jahr 1802 gründete der aus Bonn stammende Schneider Johann Christoph Winters in Köln das sogenannte Hänneschen-Theater, eine Handpuppenbühne, die bis heute als älteste ihrer Art in der Stadt gilt und seit dem 29. Juli 1938 ihren festen Sitz am Eisenmarkt hat. Die Figur des Tünnes - die kölsche Kurzform des Vornamens Anton - gehörte von Anfang an zum festen Figurenensemble des Theaters und verkörperte den bodenständigen, gutmütigen Landmann mit seiner typischen blauen Kleidung. Die Figur des Schäl kam erst in den 1850er Jahren hinzu, der Überlieferung nach als Reaktion auf eine Rivalität Winters mit einem konkurrierenden Puppenspieler auf der gegenüberliegenden Rheinseite, die im Kölner Volksmund bezeichnenderweise "Schäl Sick" - die schiele, also "falsche" Seite - genannt wird. Der Name Schäl selbst leitet sich vom kölschen Begriff für "schielend" ab und bezeichnet umgangssprachlich auch jemanden, der falsch oder hinterlistig handelt. Beide Figuren entwickelten sich im Laufe der Jahrzehnte zu derart populären Gestalten der Kölner Unterhaltungskultur, dass sie weit über das Theater hinaus Bekanntheit erlangten - etwa im Karneval, in der kölschen Mundartliteratur und sogar als informelle Codenamen im öffentlichen Nahverkehr der Stadt. Um diese einzigartige Popularität dauerhaft zu würdigen, schuf der österreichische Bildhauer Wolfgang Wallner im Jahr 1950 eine vier Meter hohe Bronze-Figurengruppe der beiden Charaktere, ergänzt um typische Fassadenmotive der Kölner Altstadthäuser. Das Werk entstand im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Gürzenich, jener spätgotischen Festhalle, die bereits zwischen 1441 und 1447 erbaut worden war und nach ihrer Zerstörung von 1952 bis 1955 unter der Leitung des Architekten Rudolf Schwarz originalgetreu wiederaufgebaut wurde. Das Denkmal fand so seinen festen Platz am Gürzenich und blieb dort bis heute als sichtbares Zeichen dafür erhalten, dass selbst inmitten des Wiederaufbaus einer repräsentativen Festhalle der kölsche Humor und die Erinnerung an die eigene Theatertradition nicht vergessen wurden.
Highlights von Tünnes und Schäl Denkmal
Das Herzstück des Denkmals ist die unverkennbare Gegenüberstellung der beiden Charaktere: Tünnes, dargestellt mit rundem, gutmütigem Gesicht, kräftiger Nase und der schlichten, bäuerlichen Kleidung, die ihn als bodenständigen, ehrlichen Typ ausweist, steht im direkten Kontrast zu Schäl, der mit seinem schwarzen, vornehmer wirkenden Gewand und seiner selbstbewussten Haltung den eingebildeten Besserwisser mimt, der sich selbst für gebildeter und klüger hält, als er tatsächlich ist. Gerade dieses Spannungsverhältnis zwischen bäuerlicher Ehrlichkeit und städtischer Angeberei macht die beiden Figuren seit Generationen zu Sympathieträgern der Kölner Bevölkerung. Besonders sehenswert ist die handwerkliche Qualität der Bronzearbeit Wolfgang Wallners, der die beiden Figuren nicht isoliert, sondern eingebettet in eine kleine Kulisse typischer Kölner Altstadthäuser gestaltete - ein Detail, das dem Denkmal zusätzliche erzählerische Tiefe verleiht und die beiden Figuren fest im städtischen Kontext verankert, aus dem sie stammen. Die Platzierung direkt am Gürzenich, nur einen kurzen Spaziergang von der markanten Doppelturmfassade von Groß St. Martin entfernt, sorgt für ein besonders stimmungsvolles Zusammenspiel von spätgotischer Architektur und volkstümlicher Bronzekunst. Wer die Kölner Theaterkultur weiter erkunden möchte, findet zudem interessante Parallelen am nahen Eisenmarkt, wo das Hänneschen-Theater bis heute regelmäßig Vorstellungen mit Tünnes, Schäl und weiteren festen Figuren wie dem pfiffigen Hänneschen selbst, seiner Freundin Bärbelchen und dem Schlitzohr Speimanes gibt - allesamt Figuren, die in der fiktiven Stadt "Knollendorf" typische kölsche Eigenheiten auf die Bühne bringen. Ein weiteres kurioses Detail: Auch am Kölner Dom selbst finden sich bildliche Darstellungen von Tünnes und Schäl, oberhalb eines Seitenportals auf der dem Hauptbahnhof zugewandten Seite - ein Beleg dafür, wie tief die beiden Figuren im kollektiven Gedächtnis der Stadt verwurzelt sind.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zu Tünnes und Schäl Denkmal
Da sich das Tünnes und Schäl Denkmal an der frei zugänglichen Außenfassade des Gürzenich im öffentlichen Straßenraum befindet, kann es jederzeit und kostenlos besichtigt werden - feste Öffnungszeiten gibt es nicht, ein Eintritt wird nicht erhoben und eine Reservierung ist nicht notwendig. Besucher können die Figurengruppe also spontan auf einem Spaziergang durch die Altstadt entdecken, idealerweise kombiniert mit einer Besichtigung von Groß St. Martin oder einem Rundgang entlang der nahen Rheinuferpromenade. Die Anreise gestaltet sich unkompliziert, da sich der Gürzenich mitten im historischen Zentrum Kölns befindet: Vom Hauptbahnhof aus ist der Standort in etwa zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß erreichbar, vorbei am Kölner Dom und durch die engen Gassen der Altstadt. Alternativ bietet sich die Anreise mit der Stadtbahn bis zur Haltestelle Heumarkt oder Appellhofplatz an, von wo aus der Gürzenich in wenigen Gehminuten erreicht wird. Da der gesamte Bereich rund um Groß St. Martin und den Gürzenich weitgehend als Fußgängerzone gestaltet ist, empfiehlt sich grundsätzlich die Anreise ohne eigenes Fahrzeug; Autofahrer finden jedoch in der näheren Umgebung, etwa am Heumarkt oder am Rheinufer, mehrere kostenpflichtige Parkhäuser. Wer Tünnes und Schäl im wahrsten Sinne des Wortes "lebendig" erleben möchte, kann den Besuch des Denkmals zudem mit einer Vorstellung im nahegelegenen Hänneschen-Theater am Eisenmarkt verbinden, wo die beiden Figuren bis heute regelmäßig auf der Puppenbühne agieren.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Tünnes und Schäl Denkmal
Die Lage am Gürzenich macht das Tünnes und Schäl Denkmal zu einem perfekten Zwischenstopp auf einem Rundgang durch die Kölner Altstadt. Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich die romanische Kirche Groß St. Martin mit ihrer unverwechselbaren Vierturmanlage, die zusammen mit dem Kölner Dom die Kölner Skyline vom Rhein aus prägt. Der Gürzenich selbst, in dem sich das Denkmal befindet, ist als spätgotische Festhalle aus dem 15. Jahrhundert ein bedeutendes Baudenkmal und beherbergt bis heute zahlreiche Veranstaltungen, darunter die berühmten Kölner Karnevalssitzungen. Nur kurze Gehminuten entfernt liegt zudem das Hänneschen-Theater am Eisenmarkt, die eigentliche Heimatbühne von Tünnes und Schäl, wo Besucher die beiden Figuren in echten Puppenspiel-Aufführungen erleben können. Auch der Alter Markt mit dem historischen Kölner Rathaus sowie der Heumarkt mit dem imposanten Reiterstandbild Friedrich Wilhelm III. befinden sich in unmittelbarer Nähe und laden zu einem weiteren Abstecher in die Kölner Denkmal- und Stadtgeschichte ein. Richtung Rhein erreicht man in wenigen Minuten die Uferpromenade mit Blick auf die Hohenzollernbrücke, während der weltberühmte Kölner Dom mit seinen gotischen Türmen - an dem sich ebenfalls eine bildliche Darstellung der beiden Figuren findet - in etwa zehn Gehminuten zu erreichen ist. Damit liegt das Denkmal inmitten eines der dichtesten Sehenswürdigkeiten-Cluster der gesamten Stadt.
Wo übernachten in Köln, Deutschland
Vergleichen Sie aktuelle Hotelpreise und finden Sie die passende Unterkunft.