St. Pantaleon
Nur wenige Gehminuten südlich der Kölner Altstadt, im lebendigen Stadtteil Altstadt-Süd, erhebt sich mit St. Pantaleon eine der ältesten erhaltenen Kirchen der Stadt Köln – ein Bauwerk, dessen Wurzeln bis in das 10. Jahrhundert und die Zeit der ottonischen Kaiser zurückreichen. Schon von Weitem fällt der mächtige Westbau auf, der zu den bedeutendsten Zeugnissen ottonischer Architektur nördlich der Alpen zählt und die Kirche optisch unverkennbar macht. Wer St. Pantaleon betritt, taucht ein in mehr als tausend Jahre Geschichte: von der Gründung als Benediktinerkloster über die Grablege der byzantinischen Kaiserin Theophanu bis hin zum Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs. Als eine der zwölf großen romanischen Basiliken Kölns gehört St. Pantaleon zu einem einzigartigen Ensemble mittelalterlicher Sakralbauten, das in Europa seinesgleichen sucht, und bietet Besuchern eine seltene Verbindung aus Kunstgeschichte, Spiritualität und stadtgeschichtlicher Bedeutung.
Geschichte von St. Pantaleon
Die Geschichte von St. Pantaleon beginnt im Jahr 955, als Erzbischof Bruno von Köln, ein leiblicher Bruder Kaiser Ottos I., auf dem Pantaleonsberg ein Benediktinerkloster stiftete. Durch großzügige Schenkungen konnte ab 957 mit dem eigentlichen Kirchenbau begonnen werden, der zunächst als einschiffige Anlage im Übergang von karolingischer zu ottonischer Bauweise errichtet wurde. Bruno selbst, der 965 starb, fand in der Krypta seine letzte Ruhestätte – ganz seinem ausdrücklichen Wunsch entsprechend.
Entscheidend für den weiteren Ausbau der Kirche wurde die byzantinische Kaiserin Theophanu, Gemahlin Kaiser Ottos II. Sie hielt sich zwischen 985 und 990 nahezu jährlich in Köln auf und förderte den Ausbau des markanten Westwerks, das bis um das Jahr 980 vollendet wurde. Als Theophanu am 15. Juni 991 starb, wurde sie, ihrem eigenen Wunsch folgend, in St. Pantaleon beigesetzt; ihr weißer Marmorsarkophag im Westwerk, 1965 von dem Bildhauer Sepp Hürten gestaltet, erinnert bis heute an die aus Byzanz stammende Herrscherin.
Um 1160 ließ Abt Wolbero die ursprünglich einschiffige ottonische Kirche zu einer dreischiffigen Basilika erweitern und prägte damit maßgeblich die heutige Grundform des Bauwerks. Im Spätmittelalter und in der Barockzeit kamen weitere Ausstattungsstücke hinzu, darunter der spätgotische Lettner und ein barocker Innenausbau im 18. Jahrhundert. Im Zweiten Weltkrieg wurde St. Pantaleon schwer beschädigt; der Wiederaufbau zog sich bis in die 1960er Jahre hin, als unter anderem die charakteristische Kassettendecke mit 94 vom Künstler Dieter Hartmann gestalteten Glasfeldern entstand. Bis heute wird die Kirche von der Katholischen Kirchengemeinde St. Pantaleon getragen und aktiv genutzt.
Highlights von St. Pantaleon
Das eindrucksvollste Merkmal von St. Pantaleon ist zweifellos das monumentale Westwerk, das zu den herausragenden Beispielen ottonischer Architektur in Europa zählt. Ursprünglich schmückten großformatige Heiligenfiguren der Titularheiligen Kosmas, Damian und Pantaleon zusammen mit einer Majestas Domini und flankierenden Engeln die Fassade – ein für das 10. Jahrhundert außergewöhnlich anspruchsvolles Bildprogramm. Im Inneren der Kirche zieht der spätgotische Lettner aus dem frühen 16. Jahrhundert die Blicke auf sich: Die filigrane Schranke trennt den Chorraum vom Kirchenschiff und trägt zugleich die Orgel.
Diese Orgel verdient besondere Aufmerksamkeit: Ihr barocker Prospekt aus dem Jahr 1652 gilt als der älteste erhaltene Orgelprospekt Kölns, ein siebenachsiges Gehäuse mit vergoldeten Voluten und Puttenköpfen. Das heutige Werk, 1963 von der Orgelbaufirma Klais eingebaut, verfügt über drei Manuale, Pedal und 58 Register und erfüllt den Kirchenraum bei Konzerten mit einem reichen Klangspektrum.
Im Chorbereich und in den Seitenkapellen finden sich zahlreiche mittelalterliche Kunstwerke: eine Pietà aus dem 15. Jahrhundert, eine gekrönte Madonna mit dem Christuskind, das einen Reichsapfel trägt – möglicherweise eine Darstellung, die auf Kaiserin Theophanu Bezug nimmt –, sowie die aus dem 12. Jahrhundert stammenden Schreine der Heiligen Maurinus und Albinus, deren Gestaltung Einflüsse des berühmten Goldschmieds Nikolaus von Verdun zeigt. Ergänzt wird das Ensemble durch ein Kreuzigungsbild des Korbacher Franziskanermalers um 1520 sowie ein Triptychon aus dem Umkreis Barthel Bryns des Älteren von 1550.
Nicht zuletzt beeindruckt das vierstimmige Bronzegeläut aus den Jahren 1956/57 mit der mächtigen Pantaleon-Glocke, die allein 3000 Kilogramm wiegt und in der Tradition der mittelalterlichen Christinaglocke steht. Die Krypta, Grabstätte Erzbischof Brunos, sowie die moderne, dem Opus-Dei-Gründer Josemaría Escrivá gewidmete Kapelle von 2006 runden den Rundgang durch St. Pantaleon ab und zeigen, wie lebendig die über tausendjährige Geschichte des Ortes bis heute fortgeschrieben wird.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zu St. Pantaleon
St. Pantaleon liegt an der Adresse Am Pantaleonsberg 8, 50676 Köln, an der Ecke zur Straße Am Weidenbach, über die sich auch der Besuchereingang befindet. Ein ehrenamtliches Empfangsteam öffnet die Kirche für Einzelbesucher in der Regel werktags über Mittag und am Nachmittag; Besichtigungen sind während dieser Zeiten ohne Voranmeldung möglich, solange keine Gottesdienste, der Rosenkranz oder die stille Anbetung stattfinden. Für den Erhalt und die Pflege des historischen Gebäudes wird von Einzelbesuchern ein Pauschalbetrag von 1 Euro pro Person erbeten. Gruppen ab acht Personen sollten sich vorab beim Pfarrbüro anmelden; dort lassen sich auch sachkundige Führungen zur Geschichte des ehemaligen Benediktinerklosters sowie thematische Führungen zu Kaiserin Theophanu, Erzbischof Bruno oder den barocken Umbauten der Kirche buchen. Aktuelle Termine, Kontaktdaten und weitere Informationen bietet die Website der Pfarrei unter sankt-pantaleon.de; das Pfarrbüro ist zudem telefonisch unter 0221 3166655 oder per E-Mail erreichbar.
Die Anreise nach St. Pantaleon gelingt am einfachsten mit den Kölner Verkehrsbetrieben: Die Stadtbahnlinien 15 und 16 halten in wenigen Gehminuten entfernt an den Stationen Chlodwigplatz beziehungsweise Ulrepforte. Vom Hauptbahnhof und vom Kölner Dom aus ist die Kirche zu Fuß in rund 20 bis 25 Minuten erreichbar, alternativ empfiehlt sich eine kurze Fahrt mit der Stadtbahn. Parkmöglichkeiten bestehen in den umliegenden Straßen der Altstadt-Süd, allerdings gilt in weiten Teilen des Viertels eine Bewohnerparkregelung, sodass Besucher mit dem Auto etwas Zeit für die Parkplatzsuche einplanen sollten.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe von St. Pantaleon
Rund um St. Pantaleon lässt sich die Vielfalt der Kölner Altstadt-Süd hervorragend erkunden. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt das Severinsviertel, eines der traditionsreichsten Kölner Veedel mit der mittelalterlichen Severinstorburg, zahlreichen Brauhäusern und einer lebhaften lokalen Kneipenkultur. Der Chlodwigplatz, benannt nach dem Frankenkönig Chlodwig, bildet seit jeher einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt und ist zugleich ein beliebter Treffpunkt mit Cafés und Restaurants. Wer die moderne Seite Kölns entdecken möchte, findet im nahegelegenen Rheinauhafen mit seinen markanten Kranhäusern ein spannendes Kontrastprogramm zur mittelalterlichen Bausubstanz von St. Pantaleon. Die mittelalterliche Stadtbefestigung ist an der Ulrepforte, einem gut erhaltenen Wehrturm der Kölner Stadtmauer, noch heute erlebbar. Für einen Spaziergang entlang des Rheins bietet sich die nahe Severinsbrücke an, von der aus sich ein weiter Blick über den Fluss und die Deutzer Rheinseite eröffnet. Der weltberühmte Kölner Dom mit seinen beiden gotischen Türmen liegt rund 1,5 bis 2 Kilometer nördlich von St. Pantaleon und ist zu Fuß oder mit der Stadtbahn bequem zu erreichen, sodass sich ein Besuch beider Kirchen gut an einem Tag kombinieren lässt.
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