Rautenstrauch-Joest-Museum
Direkt am Neumarkt, einem der zentralsten Plätze Kölns, zeigt das Rautenstrauch-Joest-Museum auf rund 3.600 Quadratmetern Themenparcours, wie Menschen auf allen Kontinenten wohnen, glauben, Status zeigen und mit dem Tod umgehen. Das 1901 gegründete und seit 1906 bestehende Museum für Völkerkunde gehört zu den größten ethnologischen Sammlungen Deutschlands und bewahrt heute rund 60.000 Objekte sowie etwa 100.000 historische Fotografien aus Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien. Bereits im Foyer begrüßt Besucher der imposante, 7,50 Meter hohe Reisspeicher der Sa'dan Toraja von der indonesischen Insel Sulawesi, während ein javanisches Gamelanorchester mit über 50 Instrumenten auf den Rundgang einstimmt. Seit seiner Wiedereröffnung am heutigen Standort im Herbst 2010 verbindet das Haus die kulturvergleichende Präsentation außereuropäischer Lebenswelten mit einer kritischen, international beachteten Auseinandersetzung mit seiner eigenen kolonialen Sammlungsgeschichte. Wechselnde Sonderausstellungen, Interventionen zeitgenössischer Künstler*innen und ein aktives Programm der Provenienzforschung machen das Rautenstrauch-Joest-Museum zu einem der lebendigsten Museen der Stadt.
Geschichte des Rautenstrauch-Joest-Museums
Die Geschichte des Rautenstrauch-Joest-Museums beginnt mit dem Weltreisenden Wilhelm Joest, Sohn eines Kölner Zuckerfabrikanten, der auf seinen Reisen eine Privatsammlung von über 3.500 völkerkundlichen Objekten zusammentrug. Nach seinem frühen Tod im Jahr 1897 hinterließ er die Sammlung seiner in Köln lebenden Schwester Adele, die mit Eugen Rautenstrauch verheiratet war. Zum Gedenken an ihren Bruder und ihren wenig später verstorbenen Ehemann stiftete Adele Rautenstrauch 1899 der Stadt Köln die Sammlung sowie die Mittel für ein eigenes Museumsgebäude, das 1901 gegründet und 1906 in der Kölner Südstadt am Ubierring eröffnet wurde. Die Gründungszeit des Museums fiel in die Hochphase der deutschen Kolonialbewegung, und ein bedeutender Teil des historischen Sammlungsbestands stammt aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg; von 1928 bis 1934 leitete Julius Lips das Haus. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Nordflügel des Gebäudes bis zum Erdgeschoss zerstört, und trotz eines Erweiterungsbaus in den frühen 1960er Jahren wurde der Platz für Sammlung und Ausstellungen bald zu knapp. Die Kölner Jahrhunderthochwasser von 1993 und 1995 machten zudem die unterirdischen Depotflächen unbrauchbar, sodass ein kompletter Neubau notwendig wurde. Nach fünfzehnjähriger Planungs- und Bauzeit präsentiert sich das Rautenstrauch-Joest-Museum seit Herbst 2010 am Neumarkt mit einer vollständig neu konzipierten, kulturvergleichenden Dauerausstellung. Für die Neueröffnung erhielt das Haus zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2012 den bedeutenden Museumspreis des Europarates, eine Nominierung für den European Museum of the Year Award im selben Jahr sowie 2013 die Aufnahme in den Excellence Club von Best in Heritage. Seit der ersten Rückgabe eines mumifizierten Toi-Moko-Kopfes nach Aotearoa/Neuseeland im Jahr 2018 arbeitet das Museum aktiv seine koloniale Sammlungsgeschichte auf und kooperiert eng mit Expert*innen aus den Herkunftsländern seiner Objekte.
Highlights im Rautenstrauch-Joest-Museum
Die Dauerausstellung des Rautenstrauch-Joest-Museums trägt den Titel „Der Mensch in seinen Welten" und ist in zwei große Themenkomplexe gegliedert: „Die Welt erfassen" widmet sich dem europäischen Blick auf andere Kulturen, wie er sich in historischen Reiseberichten, in der Kunst und im Museum selbst spiegelt, während „Die Welt gestalten" unterschiedliche Lebensentwürfe weltweit vorstellt – von der Frage, warum das Leben im Tipi so praktisch war, bis zur Bedeutung von Ahnenfiguren und Maori-Tätowierungen. Zu den herausragenden Einzelobjekten zählt der bereits im Foyer sichtbare Reisspeicher von der Insel Sulawesi, den der renommierte Schnitzer Ne'Kambane in den 1930er Jahren aus Holz, Bambus und Rattan fertigte. Im ersten Obergeschoss erfahren Besucher mehr über Sammlungsgründer Wilhelm Joest und die Schenkung von 1899, während die Kunstabteilung im selben Stockwerk besonders kunstfertige Exponate aus aller Welt versammelt; eine 2020 eingerichtete Installation des Künstlers Nando Nkrumah setzt sich dort kritisch mit strukturellem Rassismus auseinander. Im zweiten Obergeschoss widmen sich weitere Abteilungen den Themen Kleidung und Schmuck, Tod und Jenseits sowie Glauben. Die regionalen Sammlungsschwerpunkte sind beeindruckend: Allein aus Ozeanien stammen rund 18.500 Objekte, mit Schwerpunkt auf Papua-Neuguinea und den Salomonen, während die Afrika-Sammlung etwa 15.000 Objekte vor allem aus der Demokratischen Republik Kongo, Kamerun, Tansania, Togo und Namibia umfasst. Ergänzt wird das Haus durch wechselnde Sonderausstellungen und Interventionen zeitgenössischer Kunst – aktuell etwa die Sonderschau „r e t u r n", die vom 17. September bis zum 6. Dezember 2026 zwischen Vergangenheit und Zukunft einen neuen Ort im Museum entstehen lässt – sowie durch ein eigenes Gamelanensemble, das im Rahmen von Workshops auch von Besuchern selbst gespielt werden kann.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Rautenstrauch-Joest-Museum
Laut den aktuellen Angaben auf der offiziellen Museumswebsite ist das Rautenstrauch-Joest-Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis 20 Uhr und am ersten Donnerstag im Monat sogar bis 22 Uhr; an Feiertagen gelten die regulären Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr. Montags bleibt das Museum geschlossen. Der Eintritt zur Dauerausstellung kostet für Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 4,50 Euro; für Gruppen ab zehn Personen gilt ein Preis von 4,50 Euro pro Person. Besonders beliebt ist das Kombiticket, mit dem für 10 Euro beziehungsweise ermäßigt 7 Euro sowohl das Rautenstrauch-Joest-Museum als auch das benachbarte Museum Schnütgen besucht werden können – ein naheliegendes Angebot, da beide Häuser denselben Gebäudekomplex an der Cäcilienstraße teilen. Das Museum liegt an der Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln, nur wenige Schritte vom Neumarkt entfernt, einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Kölner Innenstadt, an dem zahlreiche Stadtbahnlinien halten. Von dort sind es nur wenige Gehminuten bis zur Fußgängerzone Hohe Straße und zum Dom. Für Rückfragen steht das Museum telefonisch unter 0221 / 221 - 313 56 oder per E-Mail unter [email protected] zur Verfügung; genaue Angaben zu Online-Tickets und eventuellen Sonderöffnungszeiten für Sonderausstellungen sollten vor einem Besuch stets auf der offiziellen Website geprüft werden, da sich diese je nach aktueller Ausstellung ändern können.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Rautenstrauch-Joest-Museums
Die zentrale Lage am Neumarkt macht das Rautenstrauch-Joest-Museum zu einem idealen Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen in der Kölner Innenstadt. Direkt im selben Gebäudekomplex an der Cäcilienstraße befindet sich das Museum Schnütgen mit einer der bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher Sakralkunst Europas, das sich dank des Kombitickets ganz ohne Zeitdruck im Anschluss besuchen lässt. Über die Fußgängerzone Hohe Straße und Schildergasse erreicht man in wenigen Minuten den Kölner Dom sowie das Museum Ludwig und das Wallraf-Richartz-Museum am Rhein, während Richtung Altstadt-Nord auch Kolumba und das Römisch-Germanische Museum fußläufig erreichbar sind. Wer es etwas ruhiger mag, findet in der Nähe des Neumarkts zudem kleine Cafés, Buchhandlungen und die historischen Gassen der südlichen Altstadt. Auch das Rheinufer mit der Hohenzollernbrücke und dem Blick auf die Kölner Seilbahn liegt nur eine kurze Bahnfahrt oder einen längeren Spaziergang entfernt und eignet sich gut, um einen Museumstag in Köln entspannt abzuschließen.
Wo übernachten in Köln, Deutschland
Vergleichen Sie aktuelle Hotelpreise und finden Sie die passende Unterkunft.