NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus
Das NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus ist die zentrale Gedenk- und Lernstätte Kölns zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und gilt als eines der bedeutendsten Häuser dieser Art in Deutschland. Das Gebäude an der Appellhofplatz war von 1935 bis 1945 Sitz der Kölner Gestapo und diente in seinem Kellergeschoss als Hausgefängnis, in dem tausende Männer und Frauen verhört, misshandelt und vor der Deportation oder Hinrichtung festgehalten wurden. Heute vermittelt die Dauerausstellung „Köln im Nationalsozialismus" auf mehreren Etagen des historischen Baus die Geschichte von Verfolgung, Widerstand und Alltag unter der NS-Diktatur, während die original erhaltenen Gefängniszellen im Keller mit ihren hunderten Wandinschriften der Gefangenen zu den eindringlichsten Orten der Erinnerungskultur in Nordrhein-Westfalen zählen. Das NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus versteht sich dabei nicht nur als Museum, sondern als aktiver Lern- und Forschungsort mit umfangreichem Bildungsprogramm für Schulen und Erwachsene.
Geschichte des NS-Dokumentationszentrums im EL-DE-Haus
Das Gebäude wurde 1934/35 von dem Kölner Schmuckhändler Leopold Dahmen errichtet, dessen Initialen „El-De" dem Haus bis heute seinen Namen geben. Noch vor der Fertigstellung requirierte die Gestapo das moderne Geschäftshaus und richtete dort ihre Kölner Leitstelle ein, ergänzt um ein improvisiertes Gefängnis im Untergeschoss. Zwischen 1935 und 1945 durchliefen schätzungsweise mehr als zehntausend Menschen die Zellen des Hauses, darunter Widerstandskämpfer, Zwangsarbeiter, Juden, Sinti und Roma sowie sogenannte „Rassenschänder" und Deserteure; im Innenhof wurden zahlreiche Todesurteile der Gestapo vollstreckt, besonders in den letzten Kriegsmonaten an sowjetischen und polnischen Zwangsarbeitern. Nach Kriegsende diente das Gebäude zunächst weiter unterschiedlichen Verwaltungszwecken, bis in den 1970er-Jahren eine Bürgerinitiative die Erhaltung der Gefängniszellen und ihrer Inschriften erkämpfte. 1979 wurde im Keller eine erste Gedenkstätte eingerichtet, 1981 folgte die Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums als städtische Institution mit musealem Auftrag. Seither wurde die Dauerausstellung mehrfach überarbeitet und erweitert, zuletzt mit stärkerem Fokus auf die Lebensgeschichten einzelner Verfolgter und auf digitale Vermittlungsformen; eine schrittweise Modernisierung einzelner Ausstellungsbereiche ist weiterhin im Gange, ohne dass der laufende Museumsbetrieb davon eingeschränkt wird. Das Haus ist seit Jahrzehnten eng mit der Stadtgeschichte Kölns verwoben und arbeitet eng mit der NS-Gedenkstättenarbeit auf Bundesebene zusammen.
Highlights im NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus
Das zentrale Highlight ist das original erhaltene Gefängnis im Kellergeschoss mit seinen 29 Zellen, deren Wände hunderte Inschriften, Zeichnungen und Namen der Inhaftierten tragen - erschütternde, unmittelbare Zeugnisse aus den letzten Lebenstagen vieler Gefangener, die auf Schutzglasscheiben konserviert und für Besucher zugänglich gemacht wurden. Die Dauerausstellung „Köln im Nationalsozialismus" im zweiten und dritten Obergeschoss dokumentiert anhand von Fotografien, Dokumenten und persönlichen Objekten die Machtergreifung, die Verfolgung politischer Gegner, die Deportation der jüdischen Kölner Bevölkerung sowie Alltag und Kriegsende in der Stadt. Ein eigener Themenbereich widmet sich dem zivilen und militärischen Widerstand, etwa der Kölner Edelweißpiraten-Jugendgruppen, deren Mitglieder teils im Hof des EL-DE-Hauses erschossen wurden - eine Gedenktafel im historischen Innenhof erinnert an die Hingerichteten. Das hauseigene Archiv und die Bibliothek stehen Forschenden und Angehörigen von Verfolgten offen und haben in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche biografische Rekonstruktionen ermöglicht. Regelmäßige Sonderausstellungen beleuchten einzelne Aspekte wie Zwangsarbeit in Kölner Industriebetrieben, die Verfolgung homosexueller Menschen oder die Geschichte einzelner Kölner Familien unter dem NS-Regime. Für Schulklassen und Gruppen bietet das Haus geführte Rundgänge und Projekttage an, die gezielt an die originalen Orte im Keller führen und damit einen unmittelbaren, kaum vermittelten Zugang zur Geschichte schaffen, wie er an kaum einem anderen Gedenkort in Deutschland in dieser Form erhalten ist.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus
Das NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus ist dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr sowie samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet; am ersten Donnerstag jedes Monats bleiben die Türen bis 22 Uhr offen, und Kölner Bürgerinnen und Bürger erhalten an diesem Abend freien Eintritt. Geschlossen ist das Haus an Weiberfastnacht (Karnevalsdonnerstag), Heiligabend, dem ersten und zweiten Weihnachtstag, Silvester und Neujahr. Der regulöse Eintritt liegt bei 4,50 Euro, ermäßigt 2,00 Euro für Studierende, Auszubildende, Menschen mit einem Grad der Behinderung ab 50 Prozent samt Begleitperson, Freiwilligendienstleistende sowie Empfänger von Arbeitslosengeld oder Bürgergeld; Kinder und Jugendliche mit Wohnsitz in Köln, Köln-Pass-Inhaber sowie Mitglieder des ICOM und des Deutschen Museumsbundes haben freien Eintritt. Das Gebäude liegt in der Altstadt-Nord direkt am Appellhofplatz, nur wenige Gehminuten vom Kölner Rathaus und vom Hauptbahnhof entfernt. Mit der Stadtbahn erreicht man die Haltestelle Appellhofplatz mit den Linien 3, 4, 5 und 16, alternativ die Haltestelle Rathaus. Da die Altstadt weitgehend autofrei gestaltet ist, empfiehlt sich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln; öffentliche Parkhäuser befinden sich in zumutbarer Gehdistanz am Rand der Altstadt.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des NS-Dokumentationszentrums im EL-DE-Haus
Der Appellhofplatz liegt zentral in der Kölner Altstadt-Nord und damit in unmittelbarer Nähe zahlreicher weiterer historischer Orte. Nur einen kurzen Spaziergang entfernt erhebt sich das Kölner Rathaus mit dem gotischen Rathausturm, unter dem heute das archäologische Museum MiQua zur jüdischen Geschichte Kölns entsteht. Der Kölner Dom mit dem Schrein der Heiligen Drei Könige und das direkt benachbarte Römisch-Germanische Museum sind in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar, ebenso das Museum Ludwig mit seiner Sammlung moderner Kunst. Auch das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud liegt nur wenige Gehminuten entfernt, wenngleich es derzeit wegen umfassender Bauarbeiten geschlossen ist. Wer sich nach dem bewegenden Besuch im EL-DE-Haus eine Pause wünscht, findet in den umliegenden Gassen der Altstadt zahlreiche traditionelle Brauhäuser und Cafés. Auch der Rhein mit seiner Uferpromenade und den Blick auf die Hohenzollernbrücke ist über die Altstadt in rund zehn Minuten zu Fuß erreichbar. Auch außerhalb des historischen Kerngebäudes engagiert sich das NS-Dokumentationszentrum im EL-DE-Haus intensiv in der Stadtgesellschaft: Gemeinsam mit Schulen, Universitäten und zivilgesellschaftlichen Initiativen organisiert es Zeitzeugengespräche, Fortbildungen für Lehrkräfte und Stadtrundgänge zu Orten der NS-Verfolgung im gesamten Kölner Stadtgebiet, etwa zu den Stolpersteinen vor früheren Wohnhäusern deportierter jüdischer Familien. Die digitale Vermittlungsarbeit wurde in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut, unter anderem durch eine Online-Datenbank mit biografischen Informationen zu tausenden Verfolgten, die kontinuierlich durch neue Forschungsergebnisse und Angaben von Angehörigen ergänzt wird. Besucherinnen und Besucher, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten, können zudem die museumspädagogische Mediathek im Haus nutzen, die Filme, Interviews und Unterrichtsmaterialien für den Schulgebrauch bereitstellt. Für internationale Gäste stehen zudem Audioguides und gedruckte Begleittexte in mehreren Sprachen zur Verfügung, sodass der Besuch auch ohne Deutschkenntnisse nachvollziehbar bleibt.
Wo übernachten in Köln, Deutschland
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