Platz & Altstadt

Neumarkt

Neumarkt
Neumarkt, 50667 Köln, Deutschland
Inhalt

Der Neumarkt ist mit rund 27.000 Quadratmetern der größte Platz der Kölner Altstadt und liegt im Herzen des Stadtteils Altstadt-Süd, nur wenige Gehminuten von der Hohe Straße und dem Rudolfplatz entfernt. Trotz seiner zentralen Lage und der Nähe zu den großen Einkaufsstraßen hat sich der Neumarkt seinen Charakter als weitläufiger, grüner Stadtplatz bewahrt, der von historischen Kirchenbauten, Museen und Geschäftshäusern gerahmt wird. Namensgebend war die ursprüngliche Funktion als "neuer Markt", der im Mittelalter den überlasteten Alter Markt entlasten sollte. Heute ist der Neumarkt ein belebter Treffpunkt für Einheimische und Touristen gleichermaßen: Mittags sitzen Büroangestellte auf den Bänken in der Sonne, nachmittags treffen sich Familien an den Brunnen, und mit der markanten Großplastik Dropped Cone ist der Platz längst auch ein fester Bestandteil jedes Streifzugs durch die kölsche Innenstadt.

Geschichte des Neumarkts

Die urkundliche Geschichte des Neumarkts beginnt im Jahr 1076, als Erzbischof Hildolf den Platz als in novo mercato festlegte, um den beengten Alter Markt zu entlasten; ursprünglich diente das Areal als Pferde-, Hühner- und Viehmarkt vor den Toren der mittelalterlichen Stadt. Schon 1197 war der Platz Schauplatz eines ritterlichen Turniers, das auf Wunsch des Grafen Florenz von Hennegau ausgetragen wurde, und unterstreicht damit seine frühe Bedeutung als großer, offener Versammlungsort. Im Jahr 1392 errichtete die Stadt am Neumarkt ihre erste Windmühle, ein knapp 18 Meter hoher Bau mit einem Durchmesser von 10 bis 12 Metern, der das Stadtbild lange Zeit prägte. Rund um den Platz entstanden bedeutende kirchliche Anlagen: Ein Vorgängerbau der heutigen Kirche St. Aposteln geht bereits auf das Jahr 965 zurück, ihr markanter Westturm wurde 1170 begonnen. Das Dominikanerinnenkloster St. Gertrud erhielt 1257 eine dreischiffige Kirche, und 1308/1309 kam das Hospital St. Agnes mit eigener Kapelle hinzu. Auch weltliche Prachtbauten prägten den Neumarkt: Der Hackeneysche Hof an den Hausnummern 8 bis 10 entstand um 1510 bis 1520 als palastartige Residenz, in der Kaiser Karl V. in den Jahren 1520 und 1531 übernachtete, während im 1758 errichteten Blankenheimer Hof später sogar Napoleon Bonaparte zweimal nächtigte, bevor das Gebäude 1912 abgerissen wurde. 1763 eröffnete mit der Deutschen Schaubühne das erste feste Theater der Stadt am Neumarkt, 1830 folgte am 1. Oktober die Kölner Börse. Ein dunkles Kapitel der Platzgeschichte ist eng mit dem 1909 eröffneten Kaufhaus Bing verbunden: 1939 musste die jüdische Familie Bing ihr Geschäft unter dem Druck der nationalsozialistischen Verfolgung weit unter Wert an die Stadt verkaufen, das Gebäude diente später als Gesundheitsamt. 1943 wurde das Polizeipräsidium am Platz bei Luftangriffen vollständig zerstört.

Highlights am Neumarkt

Das heute bekannteste Kunstwerk am Neumarkt ist die Dropped Cone, eine über zehn Meter hohe, auf der Spitze stehende Eistüte aus der Hand der Künstler Claes Oldenburg und Coosje van Bruggen, die seit 2001 auf dem Dach der Neumarkt-Galerie thront und zu einem inoffiziellen Landmark Kölns geworden ist. Nicht weniger sehenswert ist der Richmodisturm an der Hausnummer 6, ein Erinnerungsturm mit zwei steinernen Pferdeköpfen, der 1928 errichtet und nach Kriegszerstörung 1958 originalgetreu wiederaufgebaut wurde; er erinnert an die mittelalterliche Richmodis-Sage einer Kölnerin, die für tot gehalten wurde und sich nach ihrem angeblichen Tod lebend aus ihrem Grab befreite. Architektonisch beeindruckend ist zudem das 2010 eröffnete Kulturzentrum am Neumarkt mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum für Weltkulturen, ein 88,5 Meter langer und 24 Meter hoher Neubau, der sich dennoch harmonisch in das historische Umfeld einfügt. Direkt gegenüber liegt das Käthe-Kollwitz-Museum, das bereits seit 1985 Werke der bekannten Künstlerin zeigt, während das 1999 gegründete Lew-Kopelew-Forum dem deutsch-russischen Dialog gewidmet ist. Kunstfreunde finden zudem im traditionsreichen Auktionshaus Kunsthaus Lempertz einen der ältesten Kunsthandelsplätze Europas. Die wuchtige romanische Kirche St. Aposteln mit ihrem imposanten Westturm bildet den südwestlichen Abschluss des Platzes und zählt zu den zwölf großen romanischen Kirchen Kölns. Für Erholung sorgt die weitläufige Grünfläche in der Platzmitte, auf der 1956 ein Springbrunnen mit drei Fontänen errichtet wurde; nach seiner Stilllegung 1997 ging 2025 ein komplett erneuerter Brunnen in Betrieb und lädt seither wieder zum Verweilen ein. Die 1998 eröffnete Neumarkt-Galerie mit rund 37.000 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie zahlreiche Cafés entlang der Platzkanten machen den Neumarkt zugleich zu einem der wichtigsten Einkaufs- und Pausenorte der gesamten Innenstadt.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Neumarkt

Der Neumarkt ist als öffentlicher Platz jederzeit frei zugänglich, ein Eintritt wird nicht erhoben; lediglich die angrenzenden Museen wie das Rautenstrauch-Joest-Museum und das Käthe-Kollwitz-Museum haben eigene, meist von Dienstag bis Sonntag reichende Öffnungszeiten mit regulären Eintrittspreisen. Der Platz ist dank seiner zentralen Lage in der Altstadt-Süd hervorragend zu Fuß erreichbar, etwa von der Hohe Straße oder der Schildergasse in wenigen Minuten. Die beste Anbindung bietet jedoch die unterirdische Stadtbahnhaltestelle Neumarkt, die bereits seit dem 6. Oktober 1969 in Betrieb ist und von mehreren Linien angefahren wird, sodass der Platz direkt aus allen Teilen Kölns ohne Umstieg erreichbar ist. Auch zahlreiche Buslinien halten in unmittelbarer Nähe. Mit dem Auto empfiehlt sich die Anfahrt über den Kölner Ring mit Ausfahrt Richtung Innenstadt, wobei direkt unter dem Platz und in der angeschlossenen Neumarkt-Galerie ein großes öffentliches Parkhaus zur Verfügung steht. Besucher, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, finden rund um den Platz zahlreiche Abstellmöglichkeiten. Die beste Besuchszeit ist der späte Vormittag oder früher Nachmittag, wenn sowohl die Grünflächen als auch die umliegenden Cafés am belebtesten sind, während es an verkaufsoffenen Samstagen rund um die Hohe Straße deutlich voller werden kann. Wer die Dropped Cone und den Richmodisturm in Ruhe fotografieren möchte, kommt am besten an einem Werktagvormittag.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Neumarkts

Nur wenige Schritte vom Neumarkt entfernt beginnt die Hohe Straße, eine der ältesten und meistbesuchten Einkaufsstraßen Kölns, die direkt zum Kölner Dom führt. In südlicher Richtung erreicht man in kurzer Zeit den Rudolfplatz mit der mittelalterlichen Hahnentorburg und dem pulsierenden Nachtleben entlang der Ringe. Auch die Cäcilienkirche mit dem Museum Schnütgen für mittelalterliche Kunst liegt in fußläufiger Entfernung und lässt sich gut mit einem Besuch des Rautenstrauch-Joest-Museums verbinden. Richtung Norden führt die Schildergasse, eine weitere zentrale Einkaufsmeile, bis zum Alter Markt und zum Rathaus. Wer kulturelle Vielfalt sucht, findet in der Kirche St. Aposteln unmittelbar am Platz eines der schönsten romanischen Bauwerke Kölns, während das nahegelegene Belgische Viertel mit seinen unabhängigen Boutiquen, Cafés und Bars einen deutlichen Kontrast zur Shopping-Atmosphäre des Neumarkts bietet. Für einen Ausflug ins Grüne eignet sich der nahegelegene Hiroshima-Nagasaki-Park, der ebenfalls fußläufig vom Neumarkt aus erreichbar ist.

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