Historisches Rathaus
Mitten in der Kölner Altstadt, nur einen Steinwurf vom Alter Markt und dem Rhein entfernt, erhebt sich das Historische Rathaus - ein Gebäudeensemble, das über mehr als acht Jahrhunderte gewachsen ist und bis heute als Sitz der Stadtverwaltung dient. Aufgrund seiner baulichen Zeugnisse gilt es als das älteste Rathaus Deutschlands. Hier verschmelzen ein spätgotischer Ratsturm, eine prunkvolle Renaissance-Laube, der Spanische Bau im niederländischen Stil und archäologische Reste des römischen Praetoriums zu einem einzigartigen architektonischen Palimpsest. Wer durch die enge Rathausgasse auf den Rathausplatz tritt, blickt auf ein Gebäude, das Hansetage, Kaiserbesuche, Kriegszerstörung und einen aufwendigen Wiederaufbau überstanden hat und dennoch seine ursprüngliche Funktion als politisches Zentrum der Stadt nie verloren hat. Für Besucher Kölns ist das Historische Rathaus damit weit mehr als ein Verwaltungsgebäude: Es ist ein steinernes Geschichtsbuch, das von der mittelalterlichen Blütezeit der Handelsstadt ebenso erzählt wie von ihrer Zerstörung und ihrem Wiederaufbau im 20. Jahrhundert.
Geschichte des Historischen Rathauses
Die dokumentierte Geschichte des Standorts reicht bis in das Jahr 1135/1152 zurück, als eine "domus in qua cives conveniunt" - ein Haus, in dem sich die Bürger versammelten - erstmals urkundlich erwähnt wurde. Um 1149 lag dieses Versammlungshaus im damaligen jüdischen Viertel der Stadt. Der älteste heute noch erhaltene Bauteil, die gotische Ratshalle, entstand um 1330 und ersetzte einen romanischen Vorgängerbau. Bereits 1349 wurde das Gebäude während der Pogrome gegen die jüdische Gemeinde beschädigt, ein dunkles Kapitel, das untrennbar mit der Geschichte des Ortes verbunden bleibt. Ein Jahrzehnte prägendes Ereignis fand am 19. November 1367 im Hansasaal statt: Hier schlossen sich zahlreiche Hansestädte zu einem Bündnis gegen den dänischen König Waldemar IV. zusammen, ein Beleg für die politische Bedeutung Kölns im spätmittelalterlichen Städtebund. Zwischen 1407 und 1414 wurde der mächtige Ratsturm errichtet, verantwortlich zeichnete der Rentmeister und Baumeister Roland von Odendorp. Der 61 Meter hohe Turm mit seinen zwei quadratischen Untergeschossen und zwei aufgesetzten achteckigen Geschossen erinnert in seiner Form an niederländische Belfriede und diente ursprünglich der sicheren Aufbewahrung städtischer Urkunden, Privilegien und Geldbriefe. Zwischen 1569 und 1573 ließ der Rat an der Westfassade eine aufwendige Renaissance-Laube errichten, die rund 110.000 Goldgulden kostete und mit Reliefs und Intarsienarbeiten verziert wurde. Der Löwenhof entstand 1540/41 unter dem Baumeister Laurenz von Kronenberg als offener Arkadenhof und wurde 1548 bei einer Erweiterung in Richtung Alter Markt geschlossen; sein Name verweist auf die Legende eines Kampfes des Bürgermeisters Hermann Gryn gegen einen Löwen, ein Sinnbild für den Machtkampf der Bürgerschaft gegen geistliche und patrizische Rivalen. Zwischen 1608 und 1615 entstand unter dem Maurermeister Matthias von Gleen der Spanische Bau im Stil der niederländischen Spätrenaissance, dessen Name auf die im August 1623 dort abgehaltenen Friedensverhandlungen der Spanischen Liga zurückgeht. Nach der französischen Besatzungszeit (1794-1811) und dem Übergang in preußischen Besitz 1815 blieb das Rathaus politisches Zentrum der Stadt. Der Zweite Weltkrieg traf Köln verheerend: Rund 90 Prozent der Innenstadt wurden zerstört, auch der Hansasaal brannte vollständig aus. Der Wiederaufbau zog sich von den 1950er-Jahren bis in die 1956 fertiggestellte Rekonstruktion des Spanischen Baus unter der Leitung von Oberbaurat Theodor Teichen und Stadtbaudirektor Franz Löwenstein hin, wobei bei den Ausgrabungen auch die Fundamente des antiken römischen Praetoriums freigelegt wurden.
Highlights im Historischen Rathaus
Der Ratsturm ist das unverwechselbare Erkennungszeichen des Gebäudes: Seine Fassaden tragen heute wieder historische Figurenprogramme. Ursprünglich schmückten rund 80 Steinfiguren den Turm, von denen bis 1800 die meisten stark verwittert waren. Zwischen 1988 und 1995 wurden 124 Ersatzfiguren angebracht, die jedoch 2006 wegen Konservierungsproblemen wieder entfernt werden mussten; seit Juli 2008 zieren neue, aus Savonnières-Kalkstein gefertigte Figuren den Turm. Besonders beliebt bei Besuchern ist der "Platzjabbeck", ein grotesker Kopf mit Schlapphut, der zu jeder vollen Stunde an der Ostseite des Turms die Zunge herausstreckt - eine Figur aus dem 15. Jahrhundert, die seit 1913 mechanisch bewegt wird. Seit 1958 besitzt der Turm außerdem ein Glockenspiel aus 48 Bronzeglocken mit einem Gesamtgewicht von 14 Tonnen, gestiftet von Kölner Zünften und prominenten Bürgern, darunter Konrad Adenauer. Täglich um 9, 12, 15 und 18 Uhr erklingen Melodien aus einem Repertoire von 24 Stücken; um 12 Uhr spielt das Glockenspiel Karlheinz Stockhausens "Tierkreis - 12 Melodien der Sternzeichen", eine weltweit einzigartige Kombination aus mittelalterlichem Bauwerk und zeitgenössischer Komposition. Im Innern beeindruckt der Hansasaal mit seiner wiederhergestellten hochgotischen Form: Die Südwand zeigt die "Neun guten Helden" nach der Lehre Augustinus' - drei Heiden (Alexander der Große, Hektor, Julius Caesar), drei Juden (Judas Makkabäus, David, Joshua) und drei Christen (Gottfried von Bouillon, König Arthur, Karl der Große) -, während die Nordwand acht Prophetenfiguren nach Vorlagen von etwa 1440 zeigt. Das kunstvolle Intarsienportal schuf um 1600 Melchior von Reidt. Der Löwenhof mit seinem gotischen Rippengewölbe-Umgang und dem barocken Petersbrunnen aus Alabaster lädt zum Verweilen ein, während im Spanischen Bau die freigelegten römischen Fundamentreste des Praetoriums einen seltenen Blick in die Antike der Stadt erlauben. Die Piazzetta vor dem Rathaus, eine rund 900 Quadratmeter große Platzfläche, ist ein beliebter Treffpunkt und zugleich die beste Stelle, um die Fassadenvielfalt des Gebäudes auf einen Blick zu erfassen.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Historischen Rathaus
Der Rathausvorplatz, die Piazzetta sowie die Außenfassaden mit Ratsturm, Renaissance-Laube und Löwenhof können jederzeit kostenlos besichtigt werden, da es sich um öffentlich zugängliche Platzflächen in der Fußgängerzone der Altstadt handelt. Da das Rathaus weiterhin als aktiver Sitz der Kölner Stadtverwaltung dient, ist der Zugang zu den historischen Innenräumen wie dem Hansasaal in der Regel auf die üblichen Geschäftszeiten der Verwaltung von Montag bis Freitag beschränkt und kann je nach Ratssitzungen, Trauungen oder Veranstaltungen eingeschränkt sein; an Wochenenden und Feiertagen ist mit geschlossenen Innenräumen zu rechnen. Für eine Besichtigung des Turminneren und der historischen Säle empfiehlt es sich, aktuelle Führungstermine direkt bei KölnTourismus oder auf den offiziellen Seiten der Stadt Köln zu erfragen, da Innenbesichtigungen meist nur im Rahmen geführter Touren möglich sind und Termine sowie etwaige Gebühren variieren können. Das Historische Rathaus liegt zentral im Herzen der Altstadt an der Adresse Rathausplatz 2, 50667 Köln, nur rund 600 Meter beziehungsweise zehn Gehminuten vom Kölner Dom entfernt. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man das Rathaus am besten über die Stadtbahnhaltestellen Appellhofplatz oder Heumarkt, die mehrere KVB-Linien bedienen; von dort sind es nur wenige Gehminuten durch die engen Gassen der Altstadt. Da der historische Kern komplett als Fußgängerzone ausgewiesen ist, empfiehlt sich die Anreise ohnehin mit Bus, Bahn oder zu Fuß statt mit dem eigenen Pkw.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Historischen Rathauses
Die Lage des Historischen Rathauses mitten in der Altstadt macht es zum idealen Ausgangspunkt für einen Rundgang durch das historische Köln. Nur etwa 300 Meter entfernt liegt der Gürzenich, die spätgotische Festhalle, deren wechselvolle Geschichte eng mit der des Rathauses verbunden ist. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet sich die romanische Kirche Groß St. Martin mit ihrem markanten Vierturm, die zusammen mit dem Rathausturm die Skyline der Altstadt prägt. Wenige Gehminuten weiter erreicht man den Alter Markt und den Fischmarkt am Rheinufer, zwei der ältesten Platzanlagen der Stadt mit zahlreichen Brauhäusern und Restaurants. Auch das Overstolzenhaus in der Rheingasse, eines der besterhaltenen romanischen Patrizierhäuser Deutschlands, liegt nur rund 500 Meter entfernt und lohnt einen Abstecher. Für kulturell Interessierte bietet sich ein kurzer Spaziergang zum Kölner Dom an, der nur etwa zehn Gehminuten nordwestlich liegt und zusammen mit dem Rathaus das historische Machtzentrum der Stadt - weltliche und geistliche Herrschaft in unmittelbarer Nachbarschaft - veranschaulicht. Die Rheinpromenade mit Blick auf die Hohenzollernbrücke und die Kranhäuser im Rheinauhafen liegt ebenfalls in bequemer Gehdistanz und eignet sich gut für einen entspannten Abschluss des Altstadtrundgangs.
Wo übernachten in Köln, Deutschland
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