Groß St. Martin
Groß St. Martin gehört zu den markantesten Silhouetten am Kölner Rheinufer und bildet zusammen mit dem Kölner Dom das bekannteste Postkartenmotiv der Stadt. Die romanische Kirche erhebt sich im Herzen der Altstadt-Nord auf einer ehemaligen Rheininsel, der sogenannten Martinsinsel, nur wenige Schritte von den bunten Fachwerkhäusern des Fischmarkts entfernt. Ihr markanter Vierungsturm mit den vier schlanken Ecktürmchen erreicht eine Höhe von rund 75 Metern und ist seit Jahrhunderten ein Orientierungspunkt für Schiffer und Reisende auf dem Rhein. Als eine der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns zählt Groß St. Martin zu den wichtigsten Zeugnissen mittelalterlicher Sakralarchitektur in Deutschland und zeigt bis heute den charakteristischen Dreikonchenchor, der die Kölner Romanik so unverwechselbar macht. Wer die Altstadt besucht, sollte sich einen Abstecher zu dieser Kirche nicht entgehen lassen, denn sie vereint Kölner Stadtgeschichte, römische Spuren im Untergrund und beeindruckende Baukunst auf engstem Raum.
Geschichte von Groß St. Martin
Die Ursprünge von Groß St. Martin liegen auf einer kleinen Insel im Rhein, die in römischer Zeit offenbar mit Lagerhallen und Hafenanlagen bebaut war; Ausgrabungen in der Krypta legten Fundamente eines römischen Speichergebäudes frei, die noch heute besichtigt werden können. Der Überlieferung nach ließen bereits um das Jahr 700 der fränkische Hausmeier Pippin der Mittlere und seine Frau Plektrudis an dieser Stelle eine erste kleine Kirche errichten. Gesichert ist, dass um das Jahr 960 Erzbischof Bruno, ein Bruder Kaiser Ottos des Großen, hier ein Kanonikerstift gründete, das er wenig später den Benediktinern übergab, die ein Kloster mit angeschlossener Klosterkirche aufbauten. Nach dem großen Stadtbrand von 1150, der weite Teile Kölns zerstörte, wurde ab etwa 1150 mit dem Neubau der heutigen Kirche begonnen, die zu den Hauptwerken der staufischen Bauepoche in Köln zählt. Die feierliche Weihe des Chors nahm Erzbischof Philipp I. von Heinsberg im Jahr 1172 vor, während der charakteristische Vierungsturm im 13. Jahrhundert vollendet wurde. Mit der Säkularisation im Zuge der französischen Besatzung wurde das Kloster 1802 aufgehoben und die verbliebenen 21 Mönche mussten das Gebäude verlassen; die Kirche blieb danach als Pfarrkirche erhalten. Zwischen 1843 und 1875 erfolgte unter Mitwirkung des Dombaumeisters Ernst Friedrich Zwirner eine umfassende Restaurierung, bei der auch fehlende Turmaufsätze ergänzt wurden. In der Nacht zum 31. Mai 1942, während des ersten großen alliierten Luftangriffs mit über tausend Bombern auf Köln, wurden Turm und weite Teile des Langhauses durch Brandbomben fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau zog sich von 1948 bis in die 1980er Jahre hin; 1985 weihte der damalige Kölner Erzbischof Joseph Höffner den neuen Altar, in dem Reliquien der Heiligen Birgitta von Schweden, Sebastian und Engelbert von Köln beigesetzt wurden. Seit 2009 wird die Kirche von der Gemeinschaft der Monastischen Fraternitäten von Jerusalem betreut, die dort ein klösterliches Leben mitten in der Großstadt pflegt.
Highlights in Groß St. Martin
Das architektonische Herzstück der Kirche ist der imposante Dreikonchenchor im Osten, bei dem drei halbrunde Apsiden um die Vierung gruppiert sind – ein Bautyp, der auch bei St. Maria im Kapitol und St. Aposteln zu finden ist und als typisch für die Kölner Romanik gilt. Darüber erhebt sich der markante Vierungsturm mit seinen vier schlanken Flankentürmchen, dessen Silhouette gemeinsam mit den Domtürmen das unverwechselbare Kölner Stadtpanorama vom Rhein aus prägt. Im Inneren beeindruckt das hohe, nüchtern-klare Langhaus, das nach der Kriegszerstörung bewusst mit zurückhaltender moderner Ausstattung versehen wurde, um die romanische Bausubstanz in den Vordergrund zu rücken. Besonders eindrucksvoll ist der Blick in die Vierung, wo das Licht durch die hoch angesetzten romanischen Fenster einfällt und die massiven Rundbogenarkaden betont. In der Krypta unter dem Chor sind Mauerreste eines spätrömischen Lagergebäudes aus der Zeit der Kölner Hafenstadt Colonia zu sehen, die den jahrtausendealten Nutzungszusammenhang des Ortes anschaulich machen. Der 1985 geweihte Hochaltar birgt Reliquien bedeutender Heiliger und bildet den liturgischen Mittelpunkt der heutigen Pfarrkirche. Von außen betrachtet lohnt sich ein Rundgang um das Gebäude, um die unterschiedlichen Baustile zu erkennen: die wehrhaften romanischen Grundmauern, die gotisch anmutenden Fensteröffnungen späterer Umbauten und die im 19. Jahrhundert ergänzten Turmaufsätze, die dem Bauwerk seine heutige, vollständige Silhouette verleihen. Besonders stimmungsvoll zeigt sich Groß St. Martin am frühen Abend, wenn die Fassade vom Licht der untergehenden Sonne über dem Rhein angestrahlt wird und sich das Bauwerk im Fluss spiegelt – ein Motiv, das Fotografen und Maler seit Generationen anzieht.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zu Groß St. Martin
Groß St. Martin ist außerhalb der Gottesdienstzeiten für Besucher frei zugänglich, der Eintritt ist kostenlos. Die üblichen Besuchszeiten liegen dienstags bis donnerstags zwischen 13:00 und 17:25 Uhr, freitags und samstags sowohl vormittags von 10:00 bis 12:30 Uhr als auch nachmittags von 13:00 bis 17:25 Uhr und sonntags von 13:00 bis 18:00 Uhr. Die Krypta mit den römischen Mauerresten kann werktags bis etwa 17:00 Uhr und sonntagnachmittags bis 18:00 Uhr besichtigt werden, jeweils außerhalb der Gebetszeiten; während laufender Gottesdienste sind Besichtigungen grundsätzlich nicht möglich. Gruppenbesuche sollten vorab über das zuständige Pfarrbüro angemeldet werden, aktuelle Termine und etwaige kurzfristige Änderungen der Öffnungszeiten sind über die Website der katholischen Kirchengemeinden der Kölner Innenstadt zu erfahren. Die Adresse lautet An Groß St. Martin 9, 50667 Köln, mitten in der autofreien Altstadt. Die Anreise erfolgt am bequemsten zu Fuß vom nur wenige hundert Meter entfernten Hauptbahnhof beziehungsweise vom Kölner Dom aus, alternativ über die Stadtbahnhaltestelle Heumarkt, die von mehreren Linien angefahren wird. Parkmöglichkeiten in der direkten Umgebung sind rar und kostenpflichtig, sodass sich für Tagesgäste die Anreise mit Bahn oder öffentlichem Nahverkehr deutlich mehr empfiehlt als mit dem eigenen Fahrzeug.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Groß St. Martin
Unmittelbar an die Kirche grenzt der malerische Fischmarkt mit seinen bunten Fachwerkhäusern direkt am Rheinufer, einer der meistfotografierten Plätze der Kölner Altstadt und ein beliebter Ort für ein Kölsch im Freien. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt das Alte Rathaus mit seinem gotischen Rathausturm und dem darunter liegenden Praetorium, den Resten des römischen Statthalterpalasts. In südlicher Richtung erreicht man in kurzer Zeit den Heumarkt und von dort aus das Schokoladenmuseum am Rheinauhafen. Richtung Norden führt der Weg entlang der Rheinpromenade in gut zehn Minuten direkt zum Kölner Dom und dem angrenzenden Römisch-Germanischen Museum. Auch die Hohenzollernbrücke mit ihren tausenden Liebesschlössern sowie Anlegestellen für Rheinschifffahrten liegen in bequemer Gehdistanz. Das gesamte Altstadtviertel rund um Groß St. Martin ist geprägt von engen Gassen, traditionellen Brauhäusern und kleinen Läden, sodass sich ein Besuch der Kirche ideal mit einem gemütlichen Bummel durch die historische Kölner Innenstadt verbinden lässt.
Wo übernachten in Köln, Deutschland
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