DITIB Zentralmoschee
Mitten im pulsierenden Kölner Stadtteil Ehrenfeld erhebt sich eines der auffälligsten Sakralbauwerke Deutschlands: die DITIB Zentralmoschee. Mit ihrer gläsernen Kuppel, den beiden schlanken Minaretten und der lichtdurchfluteten Architektur markiert die DITIB Zentralmoschee seit ihrer Fertigstellung einen Wendepunkt im Verhältnis zwischen muslimischem Gemeindeleben und urbaner Stadtlandschaft im Rheinland. Entworfen von dem Kölner Architekten Paul Böhm, Sohn des Pritzker-Preisträgers Gottfried Böhm, verbindet der Bau moderne, transparente Formensprache mit traditionellen Elementen des Moscheebaus und wurde dadurch weit über die türkisch-muslimische Gemeinde hinaus zu einem Gesprächsthema. Die DITIB Zentralmoschee liegt unmittelbar an der belebten Venloer Straße, nur wenige Kilometer vom historischen Stadtzentrum und dem Kölner Dom entfernt, und ist damit sowohl religiöses Zentrum als auch architektonische Landmarke. Besucher, die sich für Sakralarchitektur, interkulturellen Dialog oder die jüngere Stadtgeschichte Kölns interessieren, finden in der DITIB Zentralmoschee einen Ort, an dem Glaube, Gesellschaft und Baukunst auf ungewöhnlich offene Weise zusammenfinden.
Geschichte der DITIB Zentralmoschee
Die Geschichte der DITIB Zentralmoschee beginnt lange vor dem ersten Spatenstich. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion, kurz DITIB, wurde 1984 als Dachorganisation für türkisch-muslimische Gemeinden in Deutschland gegründet und entwickelte sich über die Jahrzehnte zur größten islamischen Religionsgemeinschaft des Landes. Mit wachsender Mitgliederzahl in Köln entstand der Wunsch nach einem repräsentativen Gebetshaus, das über die bislang genutzten Hinterhofmoscheen hinausgeht. Im Jahr 2006 lobte DITIB einen Architekturwettbewerb aus, aus dem der Entwurf von Paul Böhm als Sieger hervorging. Der Entwurf stieß in Köln auf eine lebhafte, teils kontroverse öffentliche Debatte: Eine im Juni 2007 durchgeführte Umfrage ergab, dass 35,6 Prozent der Befragten den Bau uneingeschränkt befürworteten, 27,1 Prozent ihn unter der Bedingung einer Verkleinerung unterstützten und 31,4 Prozent ihn unabhängig von Gestaltungsänderungen ablehnten. Infolge dieser Diskussionen wurde die ursprünglich geplante Kapazität von rund 2.000 auf etwa 1.200 Gläubige reduziert. Am 28. August 2008 erteilte der Kölner Stadtrat die Baugenehmigung, die formale Genehmigung folgte am 7. November desselben Jahres. Der erste Spatenstich fand am 7. November 2009 in Anwesenheit von rund 2.000 Gästen statt, am 2. Februar 2011 wurde das Richtfest gefeiert. Nach Jahren des Innenausbaus wurde der Gebetsraum unter der Kuppel am 9. Juni 2017, während des Ramadan, erstmals für das Gebet genutzt. Die offizielle Eröffnung der DITIB Zentralmoschee erfolgte am 29. September 2018 in Anwesenheit des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan sowie zahlreicher Vertreter aus Politik und Religion, womit der insgesamt rund zwölf Jahre währende Prozess von Wettbewerb bis Einweihung seinen Abschluss fand.
Highlights der DITIB Zentralmoschee
Das architektonische Herzstück der DITIB Zentralmoschee ist die markante Glaskuppel, die mit einem Durchmesser von etwa 25 Metern und einer Höhe von rund 36,5 Metern den zentralen Gebetsraum überspannt. Anders als bei klassischen osmanischen Kuppelmoscheen besteht die Kuppel nicht aus massivem Mauerwerk, sondern aus einer filigranen Stahl-Glas-Konstruktion, die Tageslicht nahezu ungefiltert in den Innenraum fallen lässt und dem Gebetsraum eine außergewöhnliche Leichtigkeit verleiht. Paul Böhm wollte mit dieser Transparenz bewusst ein Gegenbild zu geschlossenen, nach außen abgeschotteten Sakralbauten schaffen und Offenheit als architektonisches Programm sichtbar machen. Flankiert wird die Kuppel von zwei schlanken Minaretten mit einer Höhe von jeweils 55 Metern, die schon von Weitem die Silhouette von Ehrenfeld prägen und zugleich die vertikale Verbindung zwischen den fünf Ebenen des Gebäudekomplexes betonen. Im Erdgeschoss der DITIB Zentralmoschee befindet sich ein lebendiger Basar- und Eingangsbereich mit Geschäften und einem Café, der bewusst für alle Besucherinnen und Besucher zugänglich ist, unabhängig von Religion oder Herkunft. Über ein zentrales Lichtauge, das sämtliche Geschosse optisch verbindet, erreicht man die oberen Ebenen mit Bibliothek, Seminar- und Vortragsräumen sowie dem eigentlichen Gebetsraum. Die Gesamtnutzfläche des Komplexes beträgt rund 16.500 Quadratmeter, verteilt auf fünf Ebenen inklusive einer Tiefgarage. Besonders bemerkenswert ist das Zusammenspiel von Sichtbeton, Glas und Holz, das dem Bau trotz seiner monumentalen Ausmaße eine fast schwebende Erscheinung verleiht. Regelmäßige Wechselausstellungen, etwa zu Fotografie oder interkulturellem Dialog, ergänzen das architektonische Erlebnis und machen die DITIB Zentralmoschee auch kulturell zu einem lebendigen Ort. Für Architekturinteressierte zählt insbesondere der Blick von der Plaza-Ebene nach oben in die Kuppel zu den eindrucksvollsten Momenten eines Besuchs.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zur DITIB Zentralmoschee
Die DITIB Zentralmoschee kann im Rahmen öffentlicher Führungen besichtigt werden, die üblicherweise mittwochs, freitags, samstags und sonntags um 15:15 Uhr angeboten werden und etwa eine Stunde dauern. Treffpunkt ist in der Regel der Infopunkt auf der Plaza-Ebene im Erdgeschoss. Die Führungen widmen sich neben der Architektur auch Grundlagen des Islam und dem interreligiösen Dialog und richten sich sowohl an Einzelpersonen als auch an Schulklassen und Gruppen. Gruppenbesuche sollten vorab über das Online-Anfrageformular auf der Website des Moscheeforums angemeldet werden, da die Kapazitäten begrenzt sind. Der Eintritt zu den Führungen und zu den Ausstellungen im Gebäude ist kostenfrei; es handelt sich um ein Angebot im Rahmen des interkulturellen Dialogs, nicht um ein kommerzielles Ticketsystem. Da es sich bei der DITIB Zentralmoschee um ein aktives Gebetshaus handelt, können Besichtigungszeiten rund um die fünf täglichen Gebetszeiten sowie insbesondere während des Freitagsgebets eingeschränkt sein; Besucherinnen und Besucher sollten daher aktuelle Zeiten vor dem Besuch telefonisch oder über die offizielle Website bestätigen. Wie bei einem Besuch in anderen Sakralbauten üblich, wird respektvolle, zurückhaltende Kleidung empfohlen, und im Gebetsraum selbst ist das Ablegen der Schuhe sowie für Frauen das Tragen eines Kopftuchs üblich; am Eingang stehen in der Regel entsprechende Hinweise sowie Leihtücher zur Verfügung. Die Anreise zur DITIB Zentralmoschee ist dank der zentralen Lage an der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld unkompliziert: Mit der Stadtbahn erreicht man die Umgebung über mehrere Linien, die in Ehrenfeld halten, zudem liegt der Bahnhof Köln-Ehrenfeld mit Anschluss an S-Bahn und Regionalverkehr in fußläufiger Entfernung. Wer mit dem Auto anreist, findet in der Tiefgarage des Gebäudekomplexes Parkmöglichkeiten; vom Kölner Hauptbahnhof und der Innenstadt aus ist die Moschee in rund fünfzehn bis zwanzig Minuten zu erreichen.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe der DITIB Zentralmoschee
Der Stadtteil Ehrenfeld, in dem die DITIB Zentralmoschee liegt, hat sich in den vergangenen Jahren von einem ehemaligen Arbeiter- und Industriequartier zu einem der kreativsten und multikulturellsten Viertel Kölns entwickelt. Direkt vor der Tür erstreckt sich die Venloer Straße mit einer dichten Mischung aus türkischen, arabischen, asiatischen und deutschen Geschäften, Cafés und Restaurants, die einen authentischen Einblick in das multikulturelle Alltagsleben Kölns bietet. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt das Helios-Gelände, ein ehemaliges Klinikareal, das heute Ateliers, Start-ups, Galerien und gastronomische Angebote beherbergt und zu den angesagtesten Ausgehadressen im Kölner Westen zählt. Der Bahnhof Köln-Ehrenfeld, zugleich wichtiger Verkehrsknotenpunkt, liegt ebenfalls in unmittelbarer Nähe und eignet sich als Ausgangspunkt für Erkundungen des Viertels. Wer von der DITIB Zentralmoschee aus weiter ins Zentrum fahren möchte, erreicht die Kölner Altstadt mit ihren bekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Kölner Dom, dem Rheinufer und der Hohenzollernbrücke innerhalb von etwa fünfzehn Minuten mit der Stadtbahn. Auch das lebendige Belgische Viertel mit seinen Boutiquen und Bars sowie der Rudolfplatz mit der markanten Hahnentorburg liegen auf halbem Weg zwischen Ehrenfeld und der Innenstadt und bieten sich für einen Zwischenstopp an. Damit lässt sich ein Besuch der DITIB Zentralmoschee ideal mit einem Streifzug durch eines der dynamischsten Viertel Kölns sowie einem Ausflug in die historische Altstadt kombinieren.
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