Historisches Gebäude

Bayenturm

Bayenturm
Am Bayenturm 2, 50678 Köln, Deutschland Webseite
Inhalt

Am südlichen Rand des Rheinauhafens, dort wo die alte Kölner Stadtmauer einst auf den Rhein traf, erhebt sich bis heute ein mächtiger Steinturm, der über Jahrhunderte Zeuge von Machtkämpfen, Stadtgeschichte und gesellschaftlichem Wandel wurde: der Bayenturm. Mit seinem wuchtigen quadratischen Unterbau und den charakteristischen achteckigen Obergeschossen gehört er zu den markantesten erhaltenen Wehrbauten Kölns und ist vom gegenüberliegenden Rheinufer ebenso wie von den modernen Kranhäusern des Rheinauhafens gut sichtbar. Während viele andere Teile der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer im Laufe der Jahrhunderte verschwunden sind, hat der Bayenturm nicht nur überlebt, sondern auch eine bemerkenswerte zweite Existenz als kulturelle Institution gefunden - eine seltene Kombination aus jahrhundertealter Wehrarchitektur und sehr gegenwärtiger gesellschaftspolitischer Nutzung.

Geschichte des Bayenturms

Der Bayenturm entstand um das Jahr 1220 als südlicher Eckturm der gewaltigen mittelalterlichen Stadtbefestigung Kölns, die zu ihrer Zeit mit einer Länge von rund acht Kilometern die größte Stadtmauer nördlich der Alpen bildete. Urkundlich erstmals erwähnt wurde der Turm im Jahr 1250, doch seine strategische Bedeutung als Kontrollpunkt am südlichen Rheinufer war von Anfang an zentral: Von hier aus ließ sich der Schiffsverkehr auf dem Rhein überwachen und im Bedarfsfall auch kontrollieren, was den Bayenturm zu einem Schlüsselbauwerk der städtischen Verteidigungsstrategie machte.

Zu einem der denkwürdigsten Momente der Kölner Stadtgeschichte wurde der Bayenturm am 8. Juni 1262, als aufständische Kölner Bürger den Turm eroberten und damit die jahrhundertelange weltliche Herrschaft des Erzbischofs über die Stadt brachen. Dieses Ereignis gilt als einer der entscheidenden Schritte auf dem Weg Kölns zur freien Reichsstadt und wird bis heute mit der lokalen Redewendung "Wer den Turm hat, hat die Macht" in Verbindung gebracht - ein Satz, der die symbolische Bedeutung des Bauwerks für die städtische Selbstbestimmung treffend zusammenfasst. Architektonisch wurde der Bayenturm im Laufe der Zeit mehrfach erweitert: Der ursprüngliche quadratische Unterbau mit drei Geschossen und bis zu 2,50 Meter dicken Mauern wurde um das Jahr 1325 durch zwei achteckige Obergeschosse ergänzt, wodurch der Turm seine bis heute charakteristische, leicht asymmetrische Silhouette erhielt, die ihn deutlich von anderen Wehrtürmen der Stadt unterscheidet.

Mit dem Verlust der militärischen Funktion der Stadtmauer im Zuge der modernen Stadtentwicklung im 19. und frühen 20. Jahrhundert verlor auch der Bayenturm zunächst seine ursprüngliche Aufgabe. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs beschädigten weite Teile der Kölner Altstadt, doch der robuste Turm überstand die Zerstörungen in seiner Grundstruktur und konnte in der Nachkriegszeit erhalten und restauriert werden. In den folgenden Jahrzehnten diente der Bayenturm zeitweise unterschiedlichen Zwecken, bevor er im August 1994 eine neue, prägende Bestimmung erhielt, die bis heute anhält und das Bauwerk weit über Köln hinaus bekannt gemacht hat.

Highlights im Bayenturm

Das herausragendste Highlight des Bayenturms ist zweifellos seine beeindruckende Architektur: Mit einer Gesamthöhe von etwa 35 Metern einschließlich der Zinnen zählt er zu den höchsten erhaltenen Wehrtürmen der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer. Besonders markant ist der Übergang vom massiven quadratischen Unterbau zu den filigraneren achteckigen Obergeschossen, der die bauliche Entwicklung über mehr als ein Jahrhundert anschaulich vor Augen führt. Die bis zu 2,50 Meter dicken Mauern im unteren Bereich vermitteln noch heute einen unmittelbaren Eindruck von der Wehrhaftigkeit mittelalterlicher Stadtbefestigungen und davon, welchen Aufwand die Kölner Bürgerschaft in den Schutz ihrer Stadt investierte.

Seit August 1994 beherbergt der Bayenturm den FrauenMediaTurm, eine von der Journalistin Alice Schwarzer gegründete und als Vorstandsvorsitzende geleitete Stiftung, die als bedeutendes feministisches Medien- und Dokumentationsarchiv im deutschsprachigen Raum gilt. Im Inneren des Turms lagern mehr als 15.000 Bücher und rund 60.000 Dokumente zur Geschichte der Frauenbewegung, ergänzt durch eine umfangreiche Online-Datenbank mit etwa 42.000 Einträgen, die Forschenden, Journalisten und interessierten Besuchern weltweit zugänglich ist. Diese Kombination aus mittelalterlicher Bausubstanz und moderner feministischer Wissenskultur macht den Bayenturm zu einem der ungewöhnlichsten und inhaltlich dichtesten Besichtigungsziele Kölns.

Ein weiteres Highlight ist die Lage des Bayenturms unmittelbar am Rheinauhafen, wo historische Bausubstanz und die spektakuläre moderne Architektur der Kranhäuser in unmittelbarer Nachbarschaft aufeinandertreffen. Der Kontrast zwischen dem fast 800 Jahre alten Wehrturm und den gläsernen Hochhausstrukturen des 21. Jahrhunderts macht diesen Ort zu einem besonders eindrucksvollen Fotomotiv und zu einem Sinnbild für den baulichen Wandel Kölns über die Jahrhunderte. Auch die historische Bedeutung als Schauplatz der Erhebung von 1262 wird vor Ort durch Informationstafeln und die Architektur selbst spürbar, sodass Besucher nicht nur ein Gebäude, sondern einen konkreten historischen Schauplatz erleben.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Bayenturm

Der Bayenturm befindet sich an der Adresse Am Bayenturm 2, 50678 Köln, am südlichen Rand des Rheinauhafens, nur wenige Schritte vom Rheinufer entfernt. Das Äußere des Turms kann jederzeit kostenlos besichtigt werden, da es sich um einen frei zugänglichen Teil des Stadtbilds handelt. Die Bibliothek und das Archiv des FrauenMediaTurm im Inneren sind von Montag bis Freitag zwischen 10 und 17 Uhr zugänglich, allerdings grundsätzlich nur mit vorheriger Anmeldung, da es sich um ein Forschungsarchiv und keine klassische Touristenattraktion handelt. Für die breite Öffentlichkeit werden zudem regelmäßig öffentliche Führungen angeboten, die in der Regel am vierten Mittwoch jedes Monats um 17 Uhr stattfinden und mit rund 5 Euro pro Person ein sehr erschwingliches Eintrittsangebot darstellen; eine vorherige Anmeldung per E-Mail wird empfohlen, da die Plätze begrenzt sind.

Die Anreise zum Bayenturm gestaltet sich von der Kölner Innenstadt aus unkompliziert. Vom Hauptbahnhof oder vom Dom aus erreicht man den Rheinauhafen und den Bayenturm in einem angenehmen Spaziergang von etwa 20 bis 25 Minuten entlang des Rheinufers, vorbei an der historischen Altstadt und dem Fischmarkt. Alternativ bieten sich die Buslinien und Stadtbahnhaltestellen rund um den Chlodwigplatz und die Severinstraße an, von denen aus der Bayenturm ebenfalls in kurzer Gehzeit zu erreichen ist. Parkmöglichkeiten gibt es in den Parkhäusern des Rheinauhafens, eine Anreise zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist jedoch aufgrund der zentralen Lage meist die angenehmere Option.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Bayenturms

Die Lage des Bayenturms direkt am Rheinauhafen macht ihn zum idealen Ausgangspunkt für die Erkundung eines der modernsten und zugleich geschichtsreichsten Viertel Kölns. In unmittelbarer Nachbarschaft erheben sich die weltbekannten Kranhäuser, drei markante moderne Büro- und Wohngebäude in Form historischer Hafenkräne, die zum Symbol des wiederbelebten Rheinauhafens geworden sind und einen reizvollen architektonischen Gegensatz zum mittelalterlichen Turm bilden. Nur wenige Gehminuten entfernt lädt das Schokoladenmuseum zu einem Besuch ein, das die Geschichte der Schokolade von der Kakaobohne bis zur fertigen Praline anschaulich und familienfreundlich präsentiert.

Spaziert man vom Bayenturm aus weiter entlang des Rheins Richtung Norden, erreicht man rasch die historische Altstadt mit ihren bunten Giebelhäusern, den Fischmarkt und die markante Kirche Groß St. Martin mit ihrem charakteristischen Vierturm. Auch das Severinsviertel mit seiner lebendigen Severinstraße, zahlreichen inhabergeführten Geschäften und traditionellen Brauhäusern liegt in bequemer Gehdistanz und eignet sich ideal für einen entspannten Ausklang des Besuchs. Wer sich für die mittelalterliche Stadtmauer interessiert, kann von hier aus zudem weitere erhaltene Mauerreste und Torburgen in der Altstadt-Süd aufsuchen und so ein umfassenderes Bild von Kölns einstiger Stadtbefestigung gewinnen.

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