Kirche & Kathedrale

Antoniterkirche

Antoniterkirche
Schildergasse 57, 50667 Köln Webseite
Inhalt

Mitten im lebhaften Trubel der Schildergasse, einer der meistbesuchten Einkaufsstraßen Europas, erhebt sich unerwartet ein gotisches Bauwerk aus dem 14. Jahrhundert: die Antoniterkirche. Zwischen Schaufenstern, Passanten und dem Rauschen der Konsumwelt öffnet sich hier ein Raum der Stille, der seit über sechshundert Jahren Geschichte atmet. Ursprünglich als Klosterkirche des Antoniter-Ordens errichtet, zählt das Gotteshaus heute zu den bedeutendsten evangelischen Kirchen Kölns und ist zugleich die nach dem Kölner Dom am zweithäufigsten besuchte Kirche der Stadt. Wer die unauffällige Fassade an der Schildergasse 57 durchschreitet, taucht ein in einen Kontrast, der kaum größer sein könnte: draußen hektischer Großstadtalltag, drinnen gotisches Gewölbe, mittelalterliche Architektur und mit Ernst Barlachs "Der Schwebende" eines der bewegendsten Kunstwerke zum Gedenken an die Opfer der Weltkriege. Die Antoniterkirche ist damit weit mehr als ein Gotteshaus – sie ist Mahnmal, Kunstraum und städtischer Rückzugsort in einem.

Geschichte der Antoniterkirche

Die Wurzeln der Antoniterkirche reichen zurück in die Mitte des 14. Jahrhunderts. Zwischen etwa 1350 und 1378 errichtete der Antoniter-Orden, ein ursprünglich aus Frankreich stammender Hospitalorden, der sich der Pflege Kranker und insbesondere der Behandlung des sogenannten "Antoniusfeuers" verschrieben hatte, an dieser Stelle seine Kölner Klosterkirche. Der Orden ließ eine dreischiffige gotische Hallenkirche mit polygonalem Chorabschluss errichten – ein für Kölner Verhältnisse ungewöhnlicher Bautyp, da der Kirche bewusst kein hoher Turm, sondern lediglich ein schlanker Dachreiter aufgesetzt wurde. Jahrhundertelang diente das Gebäude als Zentrum des Antoniter-Konvents, bis die Wirren der Französischen Revolution und der anschließenden Besatzung Kölns durch französische Truppen 1794 das klösterliche Leben beendeten. Das Kloster wurde säkularisiert, der Besitz verstaatlicht.

Eine entscheidende Wendung nahm die Geschichte der Kirche im Jahr 1802: Die französische Verwaltung bot der bis dahin auf Privathäuser angewiesenen protestantischen Gemeinde Kölns mehrere ehemalige Klosterkirchen zur Auswahl an. Die Gemeinde entschied sich für die Antoniterkirche, die nach Umbauarbeiten an die liturgischen Bedürfnisse des reformierten Gottesdienstes an Pfingsten 1805 feierlich eröffnet wurde. Damit wurde sie zur ersten evangelischen Kirche im überwiegend katholisch geprägten Köln – ein Status, der sie bis heute historisch auszeichnet. Im Zweiten Weltkrieg traf ein Bombenangriff im Jahr 1942 die Kirche schwer und zerstörte weite Teile des Dachwerks und der Innenausstattung. Der Wiederaufbau zog sich von 1946 bis 1952 hin und wurde maßgeblich vom Architekten Georg Eberlein verantwortet, der die gotische Substanz bewahrte und zugleich Raum für ein neues künstlerisches Element schuf, das die Kirche weit über Köln hinaus bekannt machen sollte.

Highlights der Antoniterkirche

Das unbestrittene Herzstück der Antoniterkirche ist die Bronzeskulptur "Der Schwebende" des Bildhauers Ernst Barlach. Barlach schuf die Figur 1927 ursprünglich als Kriegerdenkmal für den Dom von Güstrow in Mecklenburg – ein androgyn wirkender, in einen weiten Mantel gehüllter Engel mit geschlossenen Augen und über der Brust gekreuzten Armen, der scheinbar schwerelos im Raum schwebt. Das Gesicht der Figur trägt die Züge der befreundeten Künstlerin Käthe Kollwitz, mit der Barlach zeitlebens verbunden war. Die Nationalsozialisten diffamierten das Werk als "entartete Kunst", ließen es 1937 aus der Güstrower Kirche entfernen und einschmelzen. Nur weil eine Gipsform erhalten blieb, konnte die Skulptur nach dem Krieg in Bronze neu gegossen werden. Einer dieser Nachgüsse fand 1952 seinen Platz in der wiederaufgebauten Antoniterkirche, wo er seither im Mittelschiff über einer in den Boden eingelassenen Gedenkplatte schwebt. Diese Platte trägt die Jahreszahlen des Ersten Weltkriegs sowie der Jahre 1933 bis 1945 und macht die Figur zu einem der eindrücklichsten Mahnmale gegen Krieg und Gewaltherrschaft in ganz Deutschland.

Neben "Der Schwebende" lohnt der Blick auf weitere Werke Barlachs, die im Kirchenraum und im angrenzenden Bereich gezeigt werden und die Kirche zu einem informellen Standort moderner religiöser Kunst machen. Architektonisch beeindruckt die Antoniterkirche durch ihre schlichte, lichtdurchflutete gotische Hallenstruktur: schlanke Bündelpfeiler tragen das Gewölbe, große Fenster lassen selbst an trüben Tagen genügend Tageslicht in den Innenraum, und der polygonale Chor schafft einen ruhigen, meditativen Abschluss des Raumes. Wer die Kirche besucht, sollte sich zudem Zeit für die Atmosphäre selbst nehmen: Mitten im Konsumtrubel der Schildergasse wirkt die Stille im Inneren der Antoniterkirche beinahe meditativ und wird von vielen Besuchern als bewusster Kontrast zur Hektik draußen geschätzt.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zur Antoniterkirche

Die Antoniterkirche liegt im Herzen der Kölner Innenstadt an der Adresse Schildergasse 57, 50667 Köln, nur wenige Gehminuten vom Neumarkt und von der Hohe Straße entfernt. Der Besuch der Kirche ist kostenfrei möglich – eine Eintrittsgebühr wird nicht erhoben, da es sich um ein aktives Gotteshaus und keine museale Einrichtung im klassischen Sinn handelt. Besucher können die Kirche in der Regel dienstags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17:30 Uhr betreten; montags bleibt die Kirche geschlossen. Da es sich um eine aktive Gemeindekirche handelt, können die Öffnungszeiten an Feiertagen, während Gottesdiensten oder bei besonderen Veranstaltungen abweichen – es empfiehlt sich daher, vor einem Besuch die aktuellen Zeiten auf der offiziellen Website der Antoniter City Kirche zu prüfen. Regelmäßige Gottesdienste finden sonntags um 10 Uhr statt, ergänzt durch kurze, rund zehnminütige Mittagsandachten an Werktagen, die auch Berufstätigen und Touristen auf der Durchreise durch die Einkaufsstraße eine stille Pause ermöglichen.

Die Anreise zur Antoniterkirche ist dank der zentralen Lage denkbar einfach: Die Kirche liegt direkt an der Fußgängerzone Schildergasse und ist von der Haltestelle Neumarkt, die von zahlreichen Stadtbahnlinien bedient wird, in weniger als fünf Minuten zu Fuß erreichbar. Auch vom Hauptbahnhof und vom Kölner Dom aus ist die Kirche bequem zu Fuß zu erreichen. Parkmöglichkeiten bestehen in mehreren Parkhäusern rund um Neumarkt und Cäcilienstraße, da die Schildergasse selbst als Fußgängerzone für den motorisierten Verkehr gesperrt ist.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Antoniterkirche

Die Lage der Antoniterkirche mitten auf der Schildergasse macht sie zum idealen Ausgangspunkt für einen Streifzug durch die Kölner Innenstadt. Die Schildergasse selbst zählt zu den umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands und lädt mit zahlreichen Geschäften, Kaufhäusern und Cafés zum Bummeln ein. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Neumarkt, einer der größten Plätze der Stadt, der regelmäßig Märkte, Veranstaltungen und saisonale Attraktionen beherbergt und zugleich ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der Kölner Stadtbahn ist. In Richtung Rhein erreicht man in etwa zehn bis fünfzehn Minuten Fußweg den Kölner Dom mit seinen markanten Türmen, der als UNESCO-Weltkulturerbe das bekannteste Bauwerk der Stadt ist. Auf dem Weg dorthin passiert man das Gebäude des WDR-Rundfunks sowie weitere historische Kirchen der Kölner Innenstadt, etwa St. Aposteln oder die Minoritenkirche. Wer nach dem Besuch der Antoniterkirche noch Zeit hat, kann zudem das Museum Schnütgen oder das Kolumba-Museum ansteuern, beide bekannt für ihre Sammlungen mittelalterlicher und zeitgenössischer Kunst, die thematisch gut an die Atmosphäre der Antoniterkirche anknüpfen.

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