Rathaus Düren
Am Kaiserplatz im Zentrum Dürens steht ein Gebäude, das auf den ersten Blick nüchtern und streng geometrisch wirkt, bei näherem Hinsehen aber zu einem der aufschlussreichsten Zeugnisse der deutschen Wiederaufbauarchitektur der 1950er Jahre gehört: das Rathaus Düren. Anders als viele historische Rathäuser deutscher Mittelstädte, die oft aus dem Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit stammen, ist das heutige Dürener Rathaus ein Kind der Nachkriegszeit, errichtet an der Stelle mehrerer Vorgängerbauten, die im Luftangriff vom 16. November 1944 vollständig zerstört wurden. Seit 1989 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, nicht trotz, sondern gerade wegen seiner klaren, zeittypischen Formensprache, die als wichtiges Dokument der städtebaulichen Erneuerung Dürens nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs gilt. Für Besucher, die sich für Architekturgeschichte und die Wiederaufbauleistung rheinischer Städte interessieren, ist das Rathaus Düren damit weit mehr als nur ein funktionaler Verwaltungssitz. Schon von weitem fällt der markante Uhrenturm mit dem glitzernden Mosaikwappen auf, der zusammen mit dem schlichten, horizontal gegliederten Baukörper ein charakteristisches Ensemble der westdeutschen Nachkriegsmoderne bildet und das Stadtbild Dürens bis heute prägt.
Geschichte des Rathauses Düren
Die Geschichte der Dürener Rathäuser reicht weit zurück: Bereits im frühen 13. Jahrhundert soll ein erstes, spätromanisches Rathaus bestanden haben, dessen genaue Lage und Gestalt heute nicht mehr sicher zu rekonstruieren sind. Ein zweiter Bau ist bereits vor 1333 urkundlich belegt. Im Jahr 1520 ließ der damalige Bürgermeister Gerhard Harper, in einer wirtschaftlichen Blütezeit der Stadt, ein neues, repräsentatives Rathaus errichten, das wegen einer im Inneren aufgestellten Justitia-Figur im Volksmund auch "Haus Schwert" genannt wurde und unter anderem die Gerichte der Schöffen und des Vogts beherbergte. Dieses Rathaus mit seinem markanten polygonalen Treppenturm und einem hölzernen Glockenturm auf dem Dach wurde jedoch bereits 1543, während der Belagerung Dürens durch die Truppen Kaiser Karls V., schwer zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte unter anderem mit einer offenen, vierbogigen Arkadenvorhalle, und Reparaturen sind für die Jahre 1752 und 1770 dokumentiert. Zwischen 1788 und 1790 entstand nach Plänen des Architekten Franz Klausener aus Burtscheid ein grundlegend neues Rathaus auf den Fundamenten seines Vorgängers, mit drei zweiflügeligen Eingangsportalen zur Marktseite und historischen, in die Fassade eingelassenen Maßeinheiten wie der Brabanter und der preußischen Elle. Dieses klassizistische Rathaus trug das Dürener Stadtwappen mit Reichsadler und dem Löwen aus dem Verpfändungsvertrag von 1242 mit Graf Wilhelm IV. von Jülich, musste das Wappen aber 1798 auf Anordnung der französischen Besatzungsmacht mit Mörtel verdecken lassen. Dieses Gebäude überstand mehr als 150 Jahre Stadtgeschichte, bis es am 16. November 1944 bei dem schweren alliierten Luftangriff, der die gesamte Dürener Altstadt in Schutt und Asche legte, vollständig zerstört wurde.
Highlights im Rathaus Düren
Der Wiederaufbau des Rathauses begann in den Jahren 1953 und 1954 mit konkreten Planungen, und Mitte 1954 wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, an dem sich 74 Büros beteiligten. Einstimmig setzte sich der Entwurf des Architekten Denis Boniver aus Mettmann durch, den der Stadtrat am 20. Januar 1955 zur Ausführung freigab. Der erste Spatenstich erfolgte am 17. Oktober 1956, das Richtfest wurde am 8. März 1957 gefeiert, und am 9. Januar 1959 übergaben Oberstadtdirektor Hans Brückmann und Oberbürgermeister Heinrich Spies das fertige Gebäude offiziell seiner Bestimmung. Mit einem umbauten Raum von rund 41.000 Kubikmetern und etwa 200 Büro- und Nebenräumen war das neue Rathaus auf die Bedürfnisse einer wachsenden Stadtverwaltung ausgelegt; es verfügt über eine Kassenhalle, drei Sitzungssäle, einen großen Ratssaal sowie Stadt- und Kreisarchive. Ein optisches Highlight ist bis heute das aus rund 25.000 Steinchen mailändischen Glasmosaiks gestaltete Stadtwappen oberhalb der im September 1958 installierten Rathausuhr, ein beeindruckendes kunsthandwerkliches Detail der Fassadengestaltung. Auf der Ostseite des Gebäudes lädt ein Brunnenbecken zum Verweilen ein und setzt einen ruhigen Kontrapunkt zur klaren Linienführung der Architektur. Die Gesamtbaukosten beliefen sich 1959 auf 4.942.475,25 DM, eine für die damalige Zeit erhebliche Investition der Stadt in ihre eigene Verwaltungsinfrastruktur. Nach einer kommunalen Neugliederung wurde das Rathaus 1972 für rund zwei Millionen DM erweitert und modernisiert, und zwischen 2012 und 2015 erfolgte eine umfassende Kernsanierung, für die die Mitarbeiter von März bis Juli 2012 in Ausweichquartiere umzogen; am 13. Juli 2015 konnte das sanierte Rathaus wiedereröffnet werden.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Rathaus Düren
Das Rathaus Düren am Kaiserplatz 2-4 ist in erster Linie ein aktiver Verwaltungssitz und keine klassische Touristenattraktion mit festen Besucherzeiten; die Außenfassade, der markante Turm mit Uhr und Mosaikwappen sowie der Brunnen auf der Ostseite können jedoch jederzeit frei und kostenlos von außen besichtigt werden. Die allgemeinen Öffnungszeiten der Verwaltung orientieren sich an den üblichen Dienstzeiten der Stadt Düren, in der Regel montags bis freitags vormittags sowie an einzelnen Nachmittagen, wobei für viele Verwaltungsangelegenheiten vorab eine Terminvereinbarung über die städtische Website empfohlen wird. Da es sich um ein denkmalgeschütztes, aber weiterhin genutztes Verwaltungsgebäude handelt, sind Innenbesichtigungen des Ratssaals oder der historischen Räume in der Regel nur im Rahmen von Stadtführungen oder nach vorheriger Absprache mit dem städtischen Besucherdienst möglich. Die Anreise zum Rathaus ist denkbar einfach, da es sich mitten in der Dürener Innenstadt befindet: Vom Bahnhof Düren an der Bahnstrecke Köln-Aachen führt ein kurzer, etwa zehnminütiger Spaziergang direkt zum Kaiserplatz. Mehrere Buslinien der Rurtalbus-Gesellschaft halten in unmittelbarer Nähe, und für Autofahrer stehen im Umkreis mehrere öffentliche Parkhäuser zur Verfügung, von denen aus der Kaiserplatz gut zu Fuß erreichbar ist.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Rathauses Düren
Der Kaiserplatz mit dem Rathaus Düren liegt im unmittelbaren Zentrum der Stadt und eignet sich daher ideal als Ausgangspunkt für einen Innenstadtrundgang. In kurzer Gehdistanz befinden sich das Leopold-Hoesch-Museum und das direkt benachbarte Papiermuseum Düren, die beide einen Besuch wert sind und sich gut mit einer Besichtigung des Rathauses kombinieren lassen. Auch das Stadtmuseum Düren an der Arnoldsweilerstraße, das die Geschichte der Stadt chronologisch von der ersten urkundlichen Erwähnung bis in die Gegenwart erzählt, liegt nur wenige Minuten entfernt. Historisch Interessierte sollten zudem einen Abstecher zu den Resten der mittelalterlichen Stadtmauer einplanen, insbesondere zum Dicken Turm und zum Mona-Lisa-Turm, zwei gut erhaltenen Wehrtürmen, die die wechselhafte Geschichte Dürens zwischen Zerstörung und Wiederaufbau ebenso erzählen wie das Rathaus selbst. Das Komm-Kulturzentrum mit seiner historischen Bausubstanz und die Dürener Stadtbücherei in einem architektonisch bemerkenswerten Gebäude runden einen Spaziergang durch die Dürener Innenstadt ab und zeigen, wie eng Geschichte, Wiederaufbau und modernes Stadtleben in Düren bis heute miteinander verwoben sind.
Wo übernachten in Düren, Deutschland
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