Historisches Gebäude

Mona-Lisa-Turm

Mona-Lisa-Turm
Schillingsstraße 331, 52355 Düren, Deutschland
Inhalt

Im Schillingspark, einer beliebten Grünanlage im Dürener Stadtteil Gürzenich, steht ein kleiner, auf den ersten Blick unauffälliger Backsteinturm mit einem ungewöhnlichen Namen: der Mona-Lisa-Turm. Anders als der Dicker Turm oder der Grönjansturm im Zentrum Dürens ist dieser Turm kein Rest der mittelalterlichen Stadtbefestigung, sondern ein im 19. Jahrhundert errichtetes kleines Bauwerk, das bewusst mit historischen Steinmetzarbeiten der einst mächtigen Burg Gürzenich ausgestattet wurde. Gerade dieser bewusste Rückgriff auf verlorene Bausubstanz macht den Mona-Lisa-Turm zu einem der eigenwilligsten Baudenkmäler der Stadt: ein Gartenbauwerk der Romantik, das in seiner Mauer buchstäblich einen Stein der Geschichte Gürzenichs trägt. Für Besucher, die neben der Dürener Innenstadt auch die ländlicheren, parkartigen Seiten der Stadtteile entdecken möchten, lohnt sich ein Abstecher in den Schillingspark gleich doppelt. Während die großen Sehenswürdigkeiten der Kernstadt oft von der Zerstörung des Jahres 1944 und ihrem Wiederaufbau erzählen, öffnet der Mona-Lisa-Turm in Gürzenich ein ganz anderes Kapitel der Dürener Geschichte, das weit vor das 20. Jahrhundert zurückreicht und eng mit dem Schicksal einer längst verschwundenen Adelsburg verknüpft ist.

Geschichte des Mona-Lisa-Turms

Um die Geschichte des Mona-Lisa-Turms zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die nahegelegene Burg Gürzenich, deren Spuren im Turm bis heute fortleben. Die Burg Gürzenich wird urkundlich erstmals 1143 im Zusammenhang mit einem Adolfus de Gorcenic erwähnt und war über Jahrhunderte Sitz bedeutender Adelsfamilien: Zunächst gehörte sie dem Dienstadelsgeschlecht der Herren von Gürzenich, das jedoch 1232 bei einem Angriff von Rittern der Burg Bachem ausgelöscht wurde. Im 14. Jahrhundert ging der Besitz an die Familie von Echtz über, 1404 erhielt Johann Schellart, Amtmann des Herzogs Rainald, die eine Hälfte des Anwesens, während die andere Hälfte 1523 durch Heirat an Dietrich von Beusdael fiel, bevor um 1530 beide Hälften durch die Familie Schellart wieder vereinigt und die Burg umfassend neu errichtet wurde. Die Anlage bestand aus einer polygonalen Vorburg mit vier Türmen und einem freistehenden, zweigeschossigen Haupthaus mit Staffelgiebel und rückwärtigem Rundturm mit Kegeldach, wie es noch der Zeichner Renier Roidkin im 18. Jahrhundert festhielt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verfiel die Burg jedoch zusehends, sodass ihre Gebäude bis etwa 1830 so baufällig waren, dass ein Abriss unumgänglich wurde. Teile des Mauerwerks der ehemaligen Vorburg wurden damals in den Schuppen des benachbarten Kreuder-Hofs verbaut, doch ein besonders markantes Element, ein Sturzstein aus Sandstein mit der eingeschlagenen Jahreszahl 1555, fand seinen Weg in den damals neu entstehenden Schillingspark und wurde dort in den Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts errichteten kleinen, rechteckigen Backstein- und Bruchsteinturm eingebaut, der seither den Namen Mona-Lisa-Turm trägt. Der Park selbst liegt im historischen Zentrum von Gürzenich, einem Ort, der bereits um 300 v. Chr. als "Curtiniacum" besiedelt war und erst am 1. Januar 1972 als eigenständige Gemeinde in die Stadt Düren eingegliedert wurde.

Highlights des Mona-Lisa-Turms

Der besondere Reiz des Mona-Lisa-Turms liegt weniger in seiner Größe als in seiner Geschichte als steinernes Bindeglied zwischen der verschwundenen Burg Gürzenich und dem heutigen Schillingspark. Der gut sichtbar in die Fassade eingelassene Sturzstein von 1555 ist das älteste erhaltene datierte Bauelement der einstigen Burganlage und erlaubt es Besuchern, mit eigenen Augen ein Stück jener Steinmetzarbeit zu betrachten, die einst Teil eines der bedeutendsten Herrensitze der Region war. Der kleine Turm fügt sich zudem harmonisch in die romantische, parkartige Gestaltung des Schillingsparks ein, der im Gürzenicher Alltag als zentraler Ort der Erholung und Entspannung dient und neben dem Turm auch das sogenannte Fischerhäuschen beherbergt, ein weiteres kleines, für die Parkanlagen der damaligen Zeit typisches Gartenbauwerk. Namensgebend für Park und angrenzende Schillingsstraße dürfte die Familie Schillings gewesen sein, zu der auch der 1865 in Gürzenich geborene Afrikaforscher, Fotopionier und frühe Naturschützer Carl Georg Schillings zählte, dessen Familie seit 1871 auf dem nahegelegenen Weiherhof lebte und dessen umfangreicher Nachlass heute größtenteils im Leopold-Hoesch-Museum und im Stadtmuseum Düren aufbewahrt wird. Der Spaziergang zum Mona-Lisa-Turm lässt sich damit ideal mit einem Besuch des Weiherhofs und seiner historischen Fischteiche verbinden, die einst zum 1340 gegründeten Kreuzherrenkloster Schwarzenbroich gehörten, sodass der Turm zum Ausgangspunkt eines kleinen, geschichtlich dichten Rundgangs durch Gürzenich wird. Für Fotografen und Geschichtsinteressierte bietet gerade der Kontrast zwischen dem schlichten, fast unscheinbaren Turmbau und dem altehrwürdigen, Jahrhunderte alten Sturzstein in seiner Fassade einen reizvollen Anlass, länger vor Ort zu verweilen und sich die wechselhafte Geschichte Gürzenichs vor Augen zu führen.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Mona-Lisa-Turm

Der Mona-Lisa-Turm befindet sich an der Schillingsstraße 331 im Dürener Stadtteil Gürzenich, Postleitzahl 52355, und steht als frei zugängliches Außenbauwerk mitten im öffentlichen Schillingspark. Da es sich um ein Parkdenkmal und nicht um ein Museum handelt, gibt es keine festen Öffnungszeiten und auch keinen Eintrittspreis; der Park und damit auch der Turm können ganzjährig und kostenlos zu den üblichen Tageslichtzeiten besichtigt werden. Die Anreise von der Dürener Innenstadt aus dauert mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln rund zehn bis fünfzehn Minuten, da Gürzenich etwas außerhalb des Stadtzentrums liegt; die Buslinien 213, 296 und 297 verbinden den Stadtteil mit der Dürener Innenstadt und halten in der Nähe des Schillingsparks. Autofahrer finden entlang der Schillingsstraße und in der näheren Umgebung ausreichend Parkmöglichkeiten. Wer den Ausflug mit einer größeren Freizeitaktivität verbinden möchte, kann den Besuch gut mit dem nahegelegenen Dürener Badesee kombinieren, einem beliebten Naherholungsgebiet in einer ehemaligen, zwischen 1941 und 1956 betriebenen Braunkohlegrube.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Mona-Lisa-Turms

In unmittelbarer Nähe des Mona-Lisa-Turms, noch innerhalb des Schillingsparks, lohnt ein Blick auf das historische Fischerhäuschen sowie auf die Reste des Kreuder-Hofs, in dessen Scheunenmauern noch heute Mauerwerk der ehemaligen Vorburg von Burg Gürzenich verbaut ist. Nur wenige Minuten entfernt liegt der Weiherhof mit seinen historischen Fischteichen, die einst zum Kreuzherrenkloster Schwarzenbroich gehörten und bis heute das ländliche Flair des Stadtteils prägen. Die katholische Kirche St. Johannes Evangelist an der Schillingsstraße ist ebenfalls einen kurzen Spaziergang wert. Für einen größeren Ausflug bietet sich der Dürener Badesee an, der auf dem Gelände einer früheren Tagebaugrube entstanden ist und heute zum Schwimmen und Entspannen einlädt. Wer von Gürzenich aus zurück in die Dürener Innenstadt fährt, kann den Ausflug außerdem mit einem Besuch der dort gelegenen historischen Sehenswürdigkeiten verbinden, etwa dem Rathaus Düren, dem Dicker Turm und dem Leopold-Hoesch-Museum, die gemeinsam mit dem Mona-Lisa-Turm ein facettenreiches Bild der wechselvollen Dürener Stadtgeschichte ergeben.

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