Kirche & Kathedrale

St. Severin

St. Severin
Im Ferkulum 29, 50678 Köln Webseite
Inhalt

Die Kirche St. Severin im Herzen der Kölner Südstadt zählt zu den ältesten christlichen Kultstätten der Stadt und erhebt sich über einem spätrömischen Gräberfeld, das bereits im 4. Jahrhundert erste christliche Bestattungen und einen kleinen Kultbau aufwies. Benannt ist die romanische Pfarrkirche nach dem heiligen Severin, dem dritten überlieferten Bischof von Köln, der um das Jahr 400 verstarb und dessen Reliquien bis heute in der Kirche verehrt werden. Über mehr als anderthalb Jahrtausende wuchs aus einem schlichten spätantiken Saalbau nach und nach die heutige dreischiffige romanische Basilika mit spätgotischem Turmhelm, deren Baugeschichte sich wie ein Schichtenmodell der Kölner Stadtgeschichte lesen lässt. Als Patron Kölns und der Weberzunft genießt der heilige Severin bis heute hohe Verehrung, die sich jährlich im traditionsreichen Severinusfest mit Reliquienprozession durch die Südstadt ausdrückt.

Geschichte von St. Severin

Die Geschichte von St. Severin beginnt lange vor der eigentlichen Kirchengründung, denn das Gelände diente bereits in römischer Zeit als Begräbnisstätte entlang der Ausfallstraße nach Bonn, südlich der antiken Stadtmauer. Im 4. Jahrhundert entstand hier ein kleiner, rechteckiger Saalbau mit nach Westen gerichteter Apsis, der im 5. und 6. Jahrhundert um Nebenräume erweitert wurde und damit zu den frühesten christlichen Kultbauten im Kölner Stadtgebiet zählt. Der Überlieferung nach besuchte sogar Papst Leo III. im Jahr 799 das Grab des heiligen Severin und bekundete seine Verehrung für den dritten Bischof Kölns, der um das Jahr 400 gestorben war. Noch vor 866 erfolgte eine erste westliche Erweiterung der Kirche, bevor 1043 die bis heute erhaltene Hallenkrypta feierlich geweiht wurde. Im 13. Jahrhundert wurde der östliche Teil der heutigen Basilika vollendet, und um das Jahr 1300 folgte der Abschluss des Südteils, sodass die charakteristische dreischiffige Anlage ihre im Wesentlichen bis heute erhaltene Form erhielt. 1393 wurde der ursprüngliche romanische Westturm abgebrochen, um einem repräsentativeren Neubau Platz zu machen, der erst im 16. Jahrhundert als spätgotischer Turm vollendet wurde; um 1500 entstand zudem das kunstvolle Netzgewölbe im Mittelschiff. Im Zweiten Weltkrieg erlitt St. Severin zwischen 1942 und 1945 schwere Schäden, bei denen vor allem die Gewölbe der Vierung, des Mittelschiffs und des Turms zerstört wurden; der Wiederaufbau zog sich über anderthalb Jahrzehnte hin, mit der Wiederherstellung des Innenraums bis 1950, der statischen Sicherung des Turms bis 1955 und der vollständigen Rekonstruktion des Turmhelms bis 1961.

Highlights in der St. Severin

Zu den eindrucksvollsten Ausstattungsstücken von St. Severin zählt das Chorgestühl aus dem späten 13. Jahrhundert, dessen kunstvolle Schnitzereien zu den ältesten erhaltenen Chorgestühlen im Rheinland gehören. Direkt davor liegt ein bemerkenswertes Plattenmosaik aus schwarz-weißem Marmor aus dem 12. Jahrhundert, das den Boden zwischen den Sitzreihen schmückt und zu den seltenen erhaltenen romanischen Bodenbelägen Kölns zählt. Im Chorbereich haben sich zudem Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert erhalten, die zusammen mit den Altarflügeln des sogenannten Meisters von St. Severin – benannt nach seinem Hauptwerk in dieser Kirche – eindrucksvolle Heiligendarstellungen zeigen und einen seltenen Einblick in die spätmittelalterliche Tafelmalerei Kölns gewähren. Das spirituelle Zentrum der Kirche bildet jedoch die Krypta mit dem Grab und den Reliquien des heiligen Severin: Als der Severinsschrein im Jahr 1999 im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung geöffnet wurde, bestätigte eine Radiokarbondatierung, dass die darin liegenden, rund 1.600 Jahre alten Gebeine tatsächlich aus der Zeit um 400 stammen können; Kopf und Oberkörper fehlten allerdings, und die erhaltenen Knochen waren in kostbare orientalische Seidenstoffe aus Zentralasien gehüllt, die ursprünglich im 4. oder 5. Jahrhundert über weite Handelswege nach Köln gelangt waren – ein außergewöhnlicher archäologischer Fund, der die enge Verbindung des spätantiken Kölns mit dem Fernhandel belegt. Unterhalb der Kirche lassen sich bei Führungen zudem Reste des frühchristlichen Gräberfelds und Fundamente der Vorgängerbauten besichtigen, die gemeinsam mit dem Kölner Domforum regelmäßig im Rahmen öffentlicher Führungen zugänglich gemacht werden. Der kunstvolle spätgotische Turmhelm sowie das filigrane Netzgewölbe im Mittelschiff aus der Zeit um 1500 ergänzen das architektonische Gesamtbild und machen St. Severin zu einem der eindrucksvollsten romanischen Kirchenbauten der Kölner Südstadt.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise nach St. Severin

St. Severin ist eine lebendige katholische Pfarrkirche, in der regelmäßig Gottesdienste gefeiert werden; die genauen Messzeiten variieren je nach Woche und werden im aktuellen "Wochenzettel" der Pfarrgemeinde veröffentlicht, der über die Pfarrwebsite eingesehen werden kann. Das Pfarrbüro in der Kirche, erreichbar unter der Adresse Im Ferkulum 29, ist montags von 9 bis 12 Uhr, dienstags von 10 bis 12 Uhr und von 14:30 bis 16:45 Uhr, mittwochs von 9 bis 12 Uhr, donnerstags von 9 bis 12 Uhr und von 14:30 bis 16:45 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr für Besucher und Gläubige geöffnet. Außerhalb der Gottesdienstzeiten ist die Kirche in der Regel tagsüber für stille Besichtigungen zugänglich, wobei sich interessierte Besucher für vertiefende Einblicke in die Krypta und die archäologischen Fundstellen den öffentlichen Führungen in Zusammenarbeit mit dem Kölner Domforum anschließen können. Der Eintritt zur Kirche selbst ist grundsätzlich kostenfrei; für geführte Touren kann eine geringe Gebühr anfallen. Die Anreise zur Severinstraße in der Kölner Südstadt gelingt bequem mit den KVB-Stadtbahnlinien 15, 16 und 17, die an mehreren Haltestellen entlang der Severinstraße und der Chlodwigplatz-Linie halten, sowie mit zahlreichen Buslinien. Vom Kölner Hauptbahnhof aus ist die Kirche in rund 20 Minuten mit der Bahn oder in etwa 25 Minuten zu Fuß entlang der Altstadt erreichbar. Autofahrer finden in den Parkhäusern rund um den Chlodwigplatz Parkmöglichkeiten, sollten jedoch die begrenzten Stellplätze im dicht bebauten Severinsviertel einkalkulieren.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe von St. Severin

Die Severinstraße, die ihren Namen direkt von der Kirche ableitet, zählt zu den lebendigsten und traditionsreichsten Einkaufs- und Ausgehstraßen der Kölner Südstadt und lädt mit kleinen Boutiquen, Cafés und typisch kölschen Kneipen zu einem Bummel ein. Nur wenige Gehminuten südlich liegt der Chlodwigplatz mit seiner historischen Severinstorburg, einem weiteren erhaltenen Stadttor der mittelalterlichen Kölner Stadtmauer, das architektonisch eng mit St. Severin verbunden ist. Nördlich erreicht man in etwa zehn bis fünfzehn Minuten die Kölner Altstadt mit dem Rathaus, dem Gürzenich und dem historischen Rheinufer, während westlich der Vorgebirgspark mit seinen weitläufigen Grünflächen einen ruhigen Kontrast zum städtischen Trubel bietet. Auch das Rheinufer selbst mit seinen Promenaden und Blick auf die Deutzer Rheinseite liegt in bequemer Gehdistanz. Das lebendige Severinsviertel rund um die Kirche gilt zudem als eines der beliebtesten Wohn- und Ausgehviertel Kölns und bietet zahlreiche Restaurants, Weinstuben und kleine Galerien für einen entspannten Ausklang des Besuchs.

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