St. Maria im Kapitol
St. Maria im Kapitol gilt als die größte und älteste der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns und liegt im Kapitol-Viertel der Kölner Südstadt, nur wenige Schritte vom Rheinufer entfernt. Ihr Name verweist auf die Geschichte des Ortes: Die Basilika steht unmittelbar über den Fundamenten eines römischen Kapitolstempels, der einst der kapitolinischen Trias geweiht war. Mit einer Länge von rund 100 Metern und einer Breite von etwa 40 Metern ist St. Maria im Kapitol nicht nur die größte, sondern mit ihren Ursprüngen im frühen Mittelalter auch eine der geschichtsreichsten Kirchen der Stadt. Berühmt ist das Bauwerk vor allem für seinen eindrucksvollen Dreikonchenchor, der nach dem Vorbild der Geburtskirche in Bethlehem gestaltet wurde, sowie für seine kostbare, tausendjährige Holztür mit biblischen Reliefszenen. Wer Köln jenseits des Doms erleben möchte, findet in St. Maria im Kapitol einen der authentischsten Orte der Stadtgeschichte.
Geschichte von St. Maria im Kapitol
Die Geschichte von St. Maria im Kapitol reicht bis in die römische Antike zurück: An dieser Stelle stand ursprünglich ein kapitolinischer Tempel mit einer Grundfläche von etwa 33 mal 29,5 Metern, umgeben von einem weitläufigen Tempelbezirk von rund 97 mal 69 Metern. Nach dem Ende der römischen Herrschaft ließ Plektrudis, die Witwe des fränkischen Hausmeiers Pippin des Mittleren, auf den Ruinen des antiken Kapitols eine Eigenkirche errichten; sie wurde dort nach ihrem Tod um das Jahr 718 auch beigesetzt, und ihre Grabplatte ist bis heute in der Kirche erhalten. Die noch heute bestehende romanische Kirche entstand maßgeblich zwischen 1040 und 1065 und nutzte dabei Teile der antiken Tempelmauern als Fundament für das Mittelschiff. 1170 wurden die drei charakteristischen Westtürme hinzugefügt, die der Fassade bis heute ihr unverwechselbares Profil verleihen. Über die Jahrhunderte entwickelte sich St. Maria im Kapitol zu einem bedeutenden Damenstift und blieb ein wichtiger geistlicher Mittelpunkt der Kölner Südstadt. Wie fast alle großen Kölner Kirchen erlitt auch St. Maria im Kapitol im Zweiten Weltkrieg schwere Zerstörungen; der weitgehende Wiederaufbau zog sich über Jahrzehnte hin und konnte erst 1984 mit einer umfassenden Restaurierung des Innenraums abgeschlossen werden. Besonders bemerkenswert ist, dass die Baumeister des 11. Jahrhunderts nicht nur die Fundamente, sondern auch einzelne Säulen und Werksteine des antiken Tempels in den Neubau integrierten, wodurch bis heute ein direkter steinerner Bezug zwischen römischer und mittelalterlicher Baukunst besteht. Heute gilt die Basilika als eindrucksvolles Beispiel dafür, wie römische, frühmittelalterliche und hochromanische Bauphasen an einem einzigen Ort übereinanderliegen.
Highlights von St. Maria im Kapitol
Das herausragende architektonische Merkmal von St. Maria im Kapitol ist der monumentale Dreikonchenchor im Osten der Kirche, dessen Grundform bewusst dem Vorbild der Geburtskirche in Bethlehem folgt und damit eine enge Verbindung zur Pilgertradition des Heiligen Landes herstellt. Mit ihren rund 100 Metern Länge und etwa 40 Metern Breite ist die Basilika die größte der zwölf romanischen Kirchen Kölns, was besonders im weiten, lichten Mittelschiff spürbar wird. Zu den kostbarsten Kunstwerken im Inneren zählt die berühmte Holztür aus der Zeit zwischen 1049 und 1065, die auf 26 Bildfeldern Szenen aus dem Leben Jesu zeigt und zu den bedeutendsten erhaltenen Beispielen mittelalterlicher Holzschnitzkunst in Europa gehört. Nicht weniger eindrucksvoll ist das sogenannte Gabelkreuz, ein expressives Kruzifix aus der Zeit vor dem 14. Jahrhundert, das mit ungewöhnlich drastischer Darstellung das Leiden Christi zeigt und zu den frühesten Beispielen dieses Kreuzestyps nördlich der Alpen zählt. Die Grabplatte der Stiftsgründerin Plektrudis erinnert bis heute an die fränkische Ursprungsgeschichte der Kirche und verbindet den Ort unmittelbar mit der Frühgeschichte Kölns im 8. Jahrhundert. Unter dem heutigen Kirchenboden sind außerdem noch Mauerreste des antiken römischen Kapitolstempels erkennbar, die bei archäologischen Untersuchungen freigelegt wurden und den Besuchern einen seltenen direkten Einblick in die römische Stadtgeschichte Kölns bieten. Die drei markanten Westtürme aus dem Jahr 1170 prägen das Stadtbild der Südstadt bis heute und machen die Silhouette von St. Maria im Kapitol schon von Weitem erkennbar. Zusammen ergeben diese Elemente ein Bauwerk, das römische, frühmittelalterliche und hochromanische Schichten auf einzigartige Weise miteinander verbindet.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zu St. Maria im Kapitol
St. Maria im Kapitol liegt an der Kasinostraße 6, 50676 Köln, mitten im Kapitol-Viertel der Südstadt und nur wenige Gehminuten vom Rheinufer entfernt. Die Kirche ist regulär an mehreren Tagen pro Woche für Besucher geöffnet: Montag bis Donnerstag in der Regel von 9 bis 18 Uhr, Freitag und Samstag von 9 bis 17:30 Uhr sowie sonntags von 13 bis 18 Uhr. Während größerer Kölner Veranstaltungen wie dem 11. November, der Karnevalssaison oder dem Christopher Street Day sowie während laufender Gottesdienste kann die Kirche zeitweise geschlossen sein. Der Besuch der Kirche ist kostenfrei, ein Eintrittsticket wird nicht benötigt; Spenden für den Erhalt des historischen Bauwerks sind willkommen. Gruppenbesuche und Führungen sollten vorab beim Pfarrbüro angemeldet werden. Zu beachten ist außerdem, dass die Basilika aufgrund ihrer historischen Bausubstanz nicht barrierefrei zugänglich ist. Die Anreise ist unkompliziert, da sich St. Maria im Kapitol in fußläufiger Entfernung zur Kölner Altstadt und zum Rheinufer befindet; mehrere Stadtbahn- und Buslinien halten in der Nähe, etwa an den Haltestellen Heumarkt oder Severinstraße, von wo aus die Kirche in wenigen Minuten zu Fuß erreichbar ist. Autofahrer finden in der Umgebung einige öffentliche Parkmöglichkeiten, sollten jedoch die Umweltzonenregelung der Kölner Innenstadt beachten.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe von St. Maria im Kapitol
Die Lage im Kapitol-Viertel macht St. Maria im Kapitol zu einem idealen Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch die Kölner Südstadt und Altstadt. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Heumarkt mit seinen historischen Bürgerhäusern, von wo aus auch das Rathaus und das jüdische Museum MiQua erreichbar sind. Direkt am Rheinufer, ebenfalls fußläufig, befindet sich die Hohenzollernbrücke mit Blick auf den Kölner Dom, der in rund 15 bis 20 Minuten zu Fuß erreichbar ist. Auch die romanische Kirche Groß St. Martin mit ihrem markanten Vierturm liegt nur wenige Minuten entfernt und lässt sich ideal mit einem Besuch von St. Maria im Kapitol verbinden, da beide Kirchen einen ähnlichen Dreikonchenchor besitzen. In Richtung Süden erreicht man zudem St. Georg und St. Severin, zwei weitere der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns, sodass sich ein ganzer Nachmittag der romanischen Baukunst widmen lässt. Wer anschließend eine Pause einlegen möchte, findet in den umliegenden Gassen der Südstadt zahlreiche kleine Cafés und traditionelle Brauhäuser. Auch das Rheinufer selbst lädt mit seinen Spazierwegen und Blick auf die Schiffe auf dem Rhein zu einem entspannten Ausklang des Stadtspaziergangs ein.
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