Kirche & Kathedrale

St. Kunibert

St. Kunibert
Kunibertsklostergasse 2, 50668 Köln Webseite
Inhalt

St. Kunibert zählt zu den zwölf großen romanischen Kirchen Kölns und nimmt unter ihnen eine Sonderstellung ein: Als jüngste dieser Bauten entstand sie in einer Zeit, in der sich die Romanik bereits dem Stilwandel zur Gotik öffnete. Direkt am Rheinufer im Stadtteil Altstadt-Nord gelegen, markiert die Kirche den nördlichen Abschluss der mittelalterlichen Stadtbefestigung und erinnert zugleich an den heiligen Bischof Kunibert von Köln, der hier im 7. Jahrhundert bestattet wurde. Wer die dreischiffige Basilika betritt, erlebt einen Innenraum, der trotz seiner romanischen Grundform bereits von lichter Weite und vertikaler Schlankheit geprägt ist – ein Vorbote des wenig später begonnenen Kölner Doms. Besonders die Chorfenster aus den 1220er-Jahren, die älteste an ihrem ursprünglichen Ort erhaltene Glasmalerei Kölns, und die sagenumwobene Krypta mit dem Kunibertspütz machen St. Kunibert zu einem der eindrucksvollsten, zugleich aber am wenigsten überlaufenen Sakralbauten der Stadt.

Geschichte von St. Kunibert

Die Baugeschichte von St. Kunibert beginnt bereits vor 1210, als Propst Theoderich von Wied den Neubau einer älteren Stiftskirche in Angriff nahm, die der Überlieferung nach auf eine Gründung des heiligen Kunibert selbst zurückgeht. Kunibert, Bischof von Köln im 7. Jahrhundert und enger Berater der merowingischen Könige, soll an dieser Stelle eine Kirche zu Ehren des heiligen Clemens errichtet haben und wurde nach seinem Tod um 663 hier beigesetzt. Der heutige Bau entstand in mehreren Etappen: 1226 wurden zunächst zwei Seitenaltäre geweiht, bevor am 1. Oktober 1247 die feierliche Hauptweihe durch den Weihbischof Arnold von Semgallen erfolgte – nur ein Jahr, bevor im benachbarten Kölner Dom der Grundstein für den gotischen Neubau gelegt wurde. Diese zeitliche Nähe ist kein Zufall: St. Kunibert gilt als Schwellenbau, der die Errungenschaften der rheinischen Spätromanik mit ersten frühgotischen Formideen verbindet, etwa in der Lichtführung des Chores und der schlanken Vertikalgliederung des Chorhauptes. Jahrhundertelang diente die Kirche als Stiftskirche eines Kanonikerstifts, bevor sie im Zuge der Säkularisation zur Pfarrkirche wurde. Im Zweiten Weltkrieg erlitt St. Kunibert schwere Schäden: Am 29. Juni 1944 setzten Bombentreffer die Dächer in Brand, der Westturm stürzte ein. Der Wiederaufbau von Chor und Langhaus zog sich von 1946 bis 1955 unter der Leitung des Architekten Karl Band hin, während der Westbau erst 1993 unter Leo Hugot mit der Wiederherstellung der charakteristischen Pyramidendächer der Osttürme vollendet wurde.

Highlights von St. Kunibert

Im Zentrum der künstlerischen Bedeutung von St. Kunibert stehen die Chorfenster aus der Zeit um 1220 bis 1230. Sie zeigen Szenen aus dem Leben des heiligen Kunibert, des heiligen Clemens und der heiligen Ursula und gelten als die älteste an ihrem originalen Standort bewahrte Glasmalerei der Stadt Köln – ein Rang, der ihnen trotz der Kriegsschäden an anderen Ausstattungsstücken erhalten blieb, weil die Scheiben rechtzeitig ausgelagert worden waren. Das kräftige, noch stark von romanischen Farbkontrasten geprägte Rot und Blau der Fenster taucht den hochgelegenen Chor in ein Licht, das die Kölner Dombauhütte wenig später in monumentalerem Maßstab weiterentwickeln sollte. Baulich besticht die dreischiffige Pfeilerbasilika durch ihr Querhaus mit zwei Apsiden und den markanten Vierungsturm, dessen Silhouette gemeinsam mit den beiden quadratischen Westtürmen das Stadtbild von Köln-Altstadt-Nord prägt. Unter dem leicht erhöhten Chor liegt die Krypta, deren zentrale Säule den namensgebenden Kunibertspütz umschließt – einen Brunnen, der der Legende nach schon vorchristlichen Ursprungs war und an dem sich bis in die Neuzeit der Volksglaube rankte, der Klapperstorch hole von hier die neugeborenen Kölner Kinder. An den Chorpfeilern hat sich zudem eine spätgotische Verkündigungsgruppe aus dem Jahr 1439 erhalten, die der Werkstatt um Konrad Kuene van der Hallen zugeschrieben wird und einen reizvollen stilistischen Kontrast zur frühgotisch-romanischen Bausubstanz bildet. Wer genauer hinsieht, entdeckt überdies Ausstattungsstücke aus mehreren Jahrhunderten – von mittelalterlichen Weihekreuzen bis zu barocken Altaraufbauten –, die von der ununterbrochenen liturgischen Nutzung der Kirche seit dem 13. Jahrhundert zeugen. Gerade weil St. Kunibert touristisch weit weniger frequentiert ist als der nahe Dom, lässt sich die besondere Atmosphäre aus Stille, einfallendem Farblicht und jahrhundertealter Bausubstanz hier besonders intensiv erleben.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zu St. Kunibert

St. Kunibert ist als aktive Pfarrkirche grundsätzlich von Montag bis Samstag zwischen 10:00 und 18:00 Uhr für Besucherinnen und Besucher zugänglich, wobei Besichtigungen außerhalb der Gottesdienstzeiten stattfinden sollten, da die Kirche weiterhin für reguläre Messen und kirchliche Feiern genutzt wird. An Sonn- und Feiertagen empfiehlt es sich, die aktuellen Gottesdienstzeiten vorab zu prüfen, da der Innenraum während der Liturgie nicht für Besichtigungen offensteht. Der Eintritt in die Kirche ist frei; es wird kein Ticket benötigt, wie es bei den großen romanischen Kirchen Kölns üblich ist, die von der Kirchengemeinde und dem Förderverein Romanische Kirchen Köln e.V. betreut werden. Freiwillige Spenden für den Erhalt des historischen Baus sind willkommen und werden meist über Opferstöcke im Eingangsbereich gesammelt. Die Adresse lautet Kunibertsklostergasse 2, 50668 Köln, unmittelbar am Rheinufer gelegen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist St. Kunibert gut erreichbar: Von Kölns Hauptbahnhof führt ein etwa fünfzehnminütiger Spaziergang entlang der Altstadt zur Kirche, alternativ verkehren mehrere Stadtbahnlinien zur Haltestelle Ebertplatz oder in die nähere Umgebung des Rheinufers, von wo aus die Kirche in wenigen Gehminuten erreicht wird. Autofahrende finden in der Umgebung des Konrad-Adenauer-Ufers sowie in Parkhäusern der angrenzenden Altstadt Parkmöglichkeiten, wobei das Gebiet rund um die historische Altstadt insgesamt eher für Fußgänger und Radfahrer ausgelegt ist. Wer Köln mit dem Fahrrad erkundet, kann St. Kunibert bequem in die Route entlang des linksrheinischen Rheinufers einbinden.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe von St. Kunibert

St. Kunibert liegt an einem der reizvollsten Abschnitte des Kölner Rheinufers und eignet sich daher ideal als Ausgangspunkt für einen Spaziergang entlang des Konrad-Adenauer-Ufers mit Blick auf die Rheinschifffahrt und die gegenüberliegende Rheinseite. In südlicher Richtung erreicht man nach rund fünfzehn Gehminuten durch die Altstadt-Nord den Kölner Dom, dessen gotischer Nachfolgebau nur ein Jahr nach der Weihe von St. Kunibert begonnen wurde – ein Spaziergang, der die stilistische Entwicklung vom romanischen zum gotischen Köln unmittelbar erlebbar macht. Auf dem Weg dorthin liegen zudem mehrere der zwölf romanischen Kirchen Kölns, etwa St. Andreas und St. Gereon mit seinem einzigartigen zehneckigen Kuppelbau, sodass sich eine Route zu den bedeutendsten mittelalterlichen Sakralbauten der Stadt zusammenstellen lässt. Auch der Kölner Hauptbahnhof mit seiner direkten Nähe zum Dom ist fußläufig in rund zwanzig Minuten erreichbar und eignet sich als Ausgangspunkt für die Weiterreise. Nördlich der Kirche erstreckt sich das lebendige Agnesviertel mit zahlreichen Cafés, kleinen Geschäften und einer für Köln typischen Mischung aus historischer Bausubstanz und urbanem Alltag, während das Rheinufer selbst bei gutem Wetter zum Verweilen auf den Rheinwiesen einlädt.

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