Schnütgen Museum
An der Cäcilienstraße, mitten im sogenannten Kulturquartier am Neumarkt, bewahrt das Schnütgen Museum eine der bedeutendsten Sammlungen mittelalterlicher christlicher Kunst in Europa. Herzstück des Hauses ist die romanische Cäcilienkirche aus dem 12. Jahrhundert, eine der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns, in der die Ausstellungsstücke eine außergewöhnliche, fast sakrale Präsenz entfalten. Die Sammlung geht auf den Kölner Domkapitular Alexander Schnütgen (1843-1918) zurück, der sie 1906 der Stadt Köln schenkte, und umfasst heute Skulpturen, Goldschmiedearbeiten, Elfenbeinschnitzereien, liturgische Textilien und Glasmalereien vom frühen Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Nach einer wechselvollen Geschichte mit mehreren Standorten, der fast vollständigen Zerstörung des ursprünglichen Museumsgebäudes im Zweiten Weltkrieg und einem rund achtjährigen Umbau präsentiert sich das Schnütgen Museum heute in einem dreiteiligen Gebäudeensemble aus historischer Kirche, einem Backsteinanbau der 1950er Jahre und einem lichtdurchfluteten Neubau, der es direkt mit dem benachbarten Rautenstrauch-Joest-Museum verbindet.
Geschichte des Schnütgen Museums
Die Geschichte des Schnütgen Museums beginnt mit seinem Namensgeber Alexander Schnütgen, der 1843 in Steele an der Ruhr geboren wurde, Theologie studierte und 1866 zum Priester geweiht wurde. Als Domvikar und spätere Domkapitular der Kölner Erzdiözese entwickelte er eine leidenschaftliche Sammelneigung für mittelalterliche Kirchenkunst, gründete 1888 die „Zeitschrift für Christliche Kunst" und wirkte jahrzehntelang im Vorstand des 1853 gegründeten Diözesanmuseums. Am 14. April 1906 teilte Schnütgen dem Kölner Oberbürgermeister seine Absicht mit, seine umfangreiche Privatsammlung der Stadt Köln zu übereignen; die Stadtverordnetenversammlung nahm die Schenkung an und beschloss den Bau eines Annexes an das bestehende Kunstgewerbemuseum am Hansaring. Dieser nach Plänen des Architekten Franz Brantzky errichtete Anbau in romanischen und gotischen Formen wurde am 26. Oktober 1910 eröffnet, mit Fritz Witte als erstem Kustos und späterem Direktor. 1918 erhielt das Haus den Namen „Schnütgen-Museum", im selben Jahr starb Alexander Schnütgen. 1931 gab das Museum seine 123 Gemälde umfassende Sammlung an das Wallraf-Richartz-Museum ab und erhielt im Gegenzug bedeutende Werke wie Figuren vom Hochaltar des Kölner Doms. 1932 löste sich das Museum vom Kunstgewerbemuseum und zog in das ehemalige Kloster St. Heribert in Köln-Deutz, wurde jedoch nach Kriegsausbruch 1939 evakuiert – ein Glücksfall, denn das Gebäude am Deutzer Rheinufer wurde 1945 vollständig zerstört, während die ausgelagerte Sammlung den Krieg nahezu unbeschadet überstand. Auf Vorschlag des Architekten Karl Band wurde das Museum in der romanischen Cäcilienkirche untergebracht, die 1956 neu eingeweiht wurde; als erstes Kölner Museum nach dem Krieg öffnete das Schnütgen-Museum hier wieder seine Türen, und der Bundespräsident Theodor Heuss bezeichnete es damals als „das schönste deutsche Museum". Nach einer Umbenennung in „Museum Schnütgen" im Jahr 2000, einer Sanierung 2001-2003 und einem erneuten, rund achtjährigen Umbau zur gemeinsamen Eröffnung mit dem benachbarten Rautenstrauch-Joest-Museum am 22. Oktober 2010 erhielt das Haus seine heutige Gestalt; seit 2012 leitet Moritz Woelk als fünfter Direktor die Sammlung.
Highlights im Schnütgen Museum
Das größte Highlight des Schnütgen Museums ist zugleich sein Gebäude: die romanische Cäcilienkirche, deren Ursprünge ins 8. Jahrhundert zurückreichen und die in ihrer heutigen, dreischiffigen Form weitgehend aus dem 12. Jahrhundert stammt. Das originale Cäcilientympanon vom Nordportal, eines der Hauptwerke romanischer Steinskulptur im Rheinland, ist heute im Inneren des Museums zu sehen, während am Portal selbst eine Kopie angebracht wurde. Zusammen mit der benachbarten Pfarrkirche St. Peter bildet St. Cäcilien die einzige noch erhaltene Doppelkirchenanlage Kölns. Zu den herausragenden Sammlungsstücken zählt der Kruzifixtorso aus St. Georg aus dem letzten Drittel des 11. Jahrhunderts, der seit 1921 zu den Hauptwerken des Hauses gehört, ebenso wie Figuren vom Hochaltar des Kölner Doms, die sogenannte Parlerbüste und der Heribertkamm, die 1931 in die Sammlung kamen. Der moderne, 2010 eröffnete Erweiterungsbau der Architekten Schneider + Sendelbach bietet zusätzliche Ausstellungsfläche vor allem für Steinskulptur und mittelalterliche Glasmalerei, während der sogenannte Bandbau aus den 1950er Jahren heute der schonenden Präsentation lichtempfindlicher Textilien dient und Zugang zum ruhigen Cäciliengarten bietet. Die Sammlung umfasst darüber hinaus kostbare Elfenbeinschnitzereien, liturgische Goldschmiedearbeiten und Reliquiare vom frühen Mittelalter bis in die frühe Neuzeit. Wechselnde Sonderausstellungen vertiefen einzelne Aspekte der Sammlung, aktuell etwa die Schau „Licht in dunklen Zeiten", während künftige Präsentationen wie „Drachen. Mythos und Wirklichkeit" bereits angekündigt sind. Ein kostenfreier Audioguide, der über QR-Codes direkt mit dem eigenen Smartphone genutzt werden kann, begleitet Besucher durch die Dauerausstellung.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Schnütgen Museum
Laut der offiziellen Museumswebsite ist das Schnütgen Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, donnerstags bis 20 Uhr, und am sogenannten KölnTag, dem ersten Donnerstag im Monat außer an Feiertagen wie dem 1. Mai, sogar bis 22 Uhr. An gesetzlichen Feiertagen wie Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag oder Fronleichnam gelten die regulären Öffnungszeiten von 10 bis 18 Uhr, während das Museum am 11.11., an Heiligabend, dem ersten Weihnachtsfeiertag, Silvester, Neujahr sowie an Weiberfastnacht und Rosenmontag komplett geschlossen bleibt; montags ist grundsätzlich geschlossen. Der Eintritt zur Sammlung kostet 6 Euro, ermäßigt 3,50 Euro; besonders empfiehlt sich das Kombiticket mit dem benachbarten Rautenstrauch-Joest-Museum für 10 Euro beziehungsweise ermäßigt 7 Euro, da beide Häuser denselben Gebäudekomplex teilen. Gruppen ab zehn Personen zahlen 3,50 Euro pro Person. Freien Eintritt erhalten unter anderem Kinder unter sechs Jahren in Begleitung, Schüler*innen, Auszubildende, Kölner*innen unter 18 Jahren sowie Inhaber*innen des Köln-Passes oder der ICOM-Card. Für wiederholte Museumsbesuche in Köln bietet sich zudem die städtische MuseumsCard an, die Eintritt in alle neun städtischen Museen sowie die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglicht. Das Museum liegt an der Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln; der Haupteingang befindet sich im Foyer des gemeinsamen Erweiterungsbaus mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum. Die nächstgelegene Haltestelle ist Neumarkt, nur zwei Stationen vom Hauptbahnhof beziehungsweise Dom entfernt und bedient von den Stadtbahnlinien 1, 3, 4, 9, 16 und 18 sowie den Buslinien 136 und 146. Autofahrer nutzen am besten die Tiefgarage Q-Park Stadtmitte direkt unter dem Museum an der Cäcilienstraße 29.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Schnütgen Museums
Die Lage des Schnütgen Museums im Kulturquartier am Neumarkt bringt es in unmittelbare Nachbarschaft zahlreicher weiterer Sehenswürdigkeiten. Direkt im selben Gebäudekomplex befindet sich das Rautenstrauch-Joest-Museum mit seiner bedeutenden völkerkundlichen Sammlung, das sich dank des Kombitickets ideal mit einem Besuch verbinden lässt. Über die Fußgängerzonen Hohe Straße und Schildergasse erreicht man in wenigen Minuten den Kölner Dom sowie das Museum für Angewandte Kunst Köln - MAKK, Kolumba und das Römisch-Germanische Museum in der Altstadt-Nord. Auch das Museum Ludwig und das Wallraf-Richartz-Museum am Rheinufer, mit dem das Schnütgen Museum durch den gemeinsamen Austausch von Kunstwerken im Jahr 1931 eng verbunden ist, liegen innerhalb eines kurzen Spaziergangs. Wer die Umgebung des Neumarkts weiter erkunden möchte, findet dort zahlreiche Cafés und Geschäfte sowie einen angenehmen Ausgangspunkt für einen Spaziergang zur Rheinpromenade mit Blick auf die Hohenzollernbrücke.
Wo übernachten in Köln, Deutschland
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