Historisches Gebäude

Overstolzenhaus

Overstolzenhaus
Rheingasse 8, 50676 Köln Webseite
Inhalt

Das Overstolzenhaus in der schmalen Rheingasse der Kölner Altstadt-Süd gilt als eines der ältesten und besterhaltenen Patrizierhäuser Deutschlands und gleichzeitig als einziges vollständig erhaltenes romanisches Wohnhaus seiner Art in Köln. Errichtet um 1230 von Blithildis Overstolz, einer Angehörigen der mächtigen Kölner Patrizierfamilie Overstolz, demonstriert das Gebäude mit seinen markanten Stufengiebeln und reich gegliederten Fenstern den Reichtum und das Selbstbewusstsein der städtischen Oberschicht kurz vor dem Beginn der Gotik in Köln – nur wenige Jahre bevor 1248 der Grundstein für den gotischen Kölner Dom gelegt wurde. Über Jahrhunderte hinweg war das Haus Zeuge des politischen Auf- und Abstiegs der Overstolzen, die zeitweise mit 21 Bürgermeistern die Geschicke der Stadt lenkten. Seit 1990 beherbergt das historische Gebäude eine der renommiertesten Medienkunsthochschulen Europas und verbindet damit mittelalterliche Architektur mit zeitgenössischer Kunst- und Medienausbildung.

Geschichte des Overstolzenhauses

Die Geschichte des Overstolzenhauses beginnt um das Jahr 1230, als Blithildis Overstolz zusammen mit ihrem Ehemann Werner von der Schuren das Anwesen in der Rheingasse errichten ließ – in unmittelbarer Nähe des Rheinufers, wo die Overstolzen als Kaufmannsfamilie ihren Reichtum durch Handel und Geldgeschäfte vermehrten. Die Familie, deren Stammvater Gottschalk Overstolz erstmals 1197 urkundlich erwähnt wird, stieg im 13. und 14. Jahrhundert zu einer der einflussreichsten Patrizierfamilien Kölns auf: Nach der für Zünfte und Patrizier bedeutsamen Schlacht an der Ulrepforte im Jahr 1268 wuchs ihr politischer Einfluss weiter, und mit Daniel Overstolz stellte die Familie 1271 erstmals einen Bürgermeister; insgesamt sollten die Overstolzen im Verlauf des 14. Jahrhunderts 21 Bürgermeister der Stadt stellen. Mit dem sogenannten Verbundbrief von 1396, der die Zunftverfassung Kölns neu ordnete, verlor das Patriziat und damit auch die Overstolzen ihre dominierende politische Stellung. Das Gebäude selbst wechselte im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer und wurde 1838 von der Stadt Köln erworben. Zwischen 1899 und 1900 erfolgten umfassende Renovierungsarbeiten im Inneren. Am 30. Mai 1942 wurde das Overstolzenhaus bei einem der schweren Luftangriffe auf Köln im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt; am 21. April 1955 beschloss der Stadtrat den originalgetreuen Wiederaufbau, der die historische Fassade mit ihren charakteristischen Stufengiebeln bewahrte. Seit Oktober 1990 wird das wiederhergestellte Gebäude von der Kunsthochschule für Medien Köln als einer ihrer Standorte genutzt.

Highlights im Overstolzenhaus

Das Overstolzenhaus beeindruckt vor allem durch seine für Köln einzigartige spätromanische Architektur, die in dieser Vollständigkeit kein zweites Mal in der Stadt erhalten ist. Die Hauptfassade zur Rheingasse misst rund 19,50 Meter in der Breite und ist von zwei markanten, gestuften Giebeln gekrönt, deren klare geometrische Form typisch für die rheinische Baukunst des frühen 13. Jahrhunderts ist. Fünf große, unterschiedlich gestaltete Doppelarkadenfenster gliedern die Fassade und verleihen dem massiven Baukörper trotz seiner wehrhaften Bruchsteinmauern eine überraschende Leichtigkeit und Eleganz. Im Inneren erstreckte sich das Haus ursprünglich über zwei repräsentative Wohngeschosse und vier darüber liegende Speichergeschosse, die auf die Funktion des Gebäudes als Kombination aus Wohnsitz und Handelskontor der Kaufmannsfamilie hinweisen. Besonders eindrucksvoll ist der hohe, weiträumige Saal im Erdgeschoss, dessen Proportionen und Mauerwerk bis heute einen Eindruck von der Wohnkultur des gehobenen Kölner Patriziats im Mittelalter vermitteln. Als eines der wenigen vollständig erhaltenen romanischen Profanbauten Deutschlands wird das Overstolzenhaus von Kunsthistorikern regelmäßig als Vergleichsobjekt für die Entwicklung der rheinischen Profanarchitektur herangezogen und gilt zusammen mit dem Dreikönigenhaus in Trier als eines der bedeutendsten erhaltenen Beispiele seiner Art. Heute nutzt die Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) das Gebäude als einen ihrer Lehr- und Ausstellungsstandorte, wodurch die historischen Räume regelmäßig mit zeitgenössischer Medienkunst, Videoinstallationen und Studierendenprojekten bespielt werden – ein reizvoller Dialog zwischen mittelalterlicher Bausubstanz und experimenteller Gegenwartskunst. Bei den jährlichen Rundgang-Tagen der Hochschule öffnet das Overstolzenhaus seine Türen für die Öffentlichkeit und erlaubt einen seltenen Blick in die sonst nicht frei zugänglichen Innenräume. Zusätzlich verweisen baugeschichtliche Untersuchungen darauf, dass Teile der ursprünglichen Dachkonstruktion sowie des Kellergeschosses noch originale Bausubstanz aus dem 13. Jahrhundert enthalten, was dem Overstolzenhaus im Vergleich zu vielen anderen mittelalterlichen Profanbauten eine außergewöhnliche bauhistorische Authentizität verleiht.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Overstolzenhaus

Da das Overstolzenhaus seit 1990 als Institutsgebäude der Kunsthochschule für Medien Köln genutzt wird, steht das Innere nicht dauerhaft für Touristen offen, sondern dient dem laufenden Lehrbetrieb der Hochschule. Die markante Außenfassade mit ihren Stufengiebeln und Arkadenfenstern lässt sich dagegen jederzeit kostenfrei und ohne Einschränkung von der öffentlichen Rheingasse aus bewundern, was den Besuch grundsätzlich unkompliziert und zu jeder Tageszeit möglich macht. Einen Blick in die historischen Innenräume erhalten Interessierte vor allem während der jährlichen Rundgang-Veranstaltung der KHM, bei der die Hochschule ihre Räume samt Studierendenarbeiten öffnet, sowie bei gelegentlichen öffentlichen Ausstellungen und Vorträgen, deren Termine über die Hochschule bekanntgegeben werden. Für solche Veranstaltungen fällt in der Regel kein Eintritt an. Die Anreise zum Overstolzenhaus in der Rheingasse ist dank der zentralen Lage in der Kölner Altstadt-Süd unkompliziert: Die KVB-Stadtbahnlinien 1, 7 und 9 sowie die Linien zur Haltestelle Heumarkt bringen Besucher in wenigen Gehminuten zum Gebäude, ebenso die Bushaltestellen rund um den Gürzenich. Der Kölner Hauptbahnhof ist zu Fuß in etwa 15 Minuten oder mit der Stadtbahn in wenigen Stationen erreichbar, und auch der Rheinufertunnel sowie die nahe gelegenen Rheinbrücken machen die Anreise mit dem Auto möglich, wobei das enge Gassennetz der Altstadt nur begrenzte Parkmöglichkeiten bietet. Wer zu Fuß vom Dom oder vom Alter Markt kommt, erreicht die Rheingasse in weniger als zehn Minuten.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Overstolzenhauses

Die Rheingasse liegt im historischen Herzen der Kölner Altstadt-Süd und damit in unmittelbarer Nachbarschaft zahlreicher weiterer Sehenswürdigkeiten. Nur wenige Schritte entfernt liegt der Gürzenich, Kölns spätgotisches Festhaus aus dem 15. Jahrhundert, während der Alter Markt und der Heumarkt mit ihren historischen Giebelhäusern und Brunnen zum Verweilen einladen. Der Rhein mit seiner belebten Uferpromenade ist nur wenige Gehminuten entfernt und bietet herrliche Blicke auf die Hohenzollernbrücke und das gegenüberliegende Rheinufer von Deutz. Auch das romanische Kirchenensemble St. Maria im Kapitol mit seiner kleeblattförmigen Chorform zählt zu den nahegelegenen Highlights und veranschaulicht eindrucksvoll die romanische Baukunst, aus der auch das Overstolzenhaus hervorging. Richtung Norden erreicht man in rund zehn Minuten den weltberühmten Kölner Dom sowie das jüdische Museum MiQua, während südlich die Severinstraße mit ihrem lebendigen Szeneviertel und zahlreichen Cafés und Geschäften zu einem entspannten Spaziergang einlädt. Auch das verwinkelte Gürzenich-Viertel mit seinen engen mittelalterlichen Gassen lohnt einen Abstecher und vermittelt einen lebendigen Eindruck davon, wie dicht bebaut das Köln der Patrizierzeit einst gewesen ist.

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