Königsforst
Der Königsforst im Kölner Osten, zwischen den Stadtteilen Rath/Heumar und den Nachbarstädten Bergisch Gladbach und Rösrath gelegen, ist mit rund 2.519 Hektar eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete im gesamten Rheinland und das größte geschlossene Waldareal auf der rechtsrheinischen Mittelterrasse. Für Kölnerinnen und Kölner ist der Königsforst seit Generationen das wichtigste Naherholungsgebiet im Osten der Stadt, in dem sich ausgedehnte Wanderungen, lange Radtouren und ruhige Naturbeobachtung problemlos miteinander verbinden lassen. Anders als die vielen gestalteten Stadtparks Kölns ist der Königsforst ein echter, historisch gewachsener Wald mit jahrtausendealten Spuren menschlicher Nutzung, der zugleich als europäisches Vogelschutzgebiet und FFH-Gebiet unter besonderem Naturschutz steht. Mit der Endstation der Stadtbahnlinie 9 direkt am Waldrand ist der Königsforst zudem eines der am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbaren großen Waldgebiete Deutschlands, was ihn zu einem idealen Ziel für einen naturnahen Tagesausflug ganz ohne Auto macht.
Geschichte des Königsforstes
Die Geschichte des Königsforstes reicht weit in die Vorgeschichte zurück: Grabhügel aus der Hallstattzeit im 6. und 7. Jahrhundert vor Christus belegen, dass das Gebiet bereits vor rund 2.700 Jahren von Menschen genutzt und als Bestattungsort ausgewählt wurde. Seinen Namen erhielt der Wald im 10. Jahrhundert, als Kaiser Otto I. das Gebiet seinem Bruder Bruno, dem Erzbischof von Köln, vermachte und es damit in den Besitz der Kölner Kirche überging. Die erste urkundliche Erwähnung des Königsforstes datiert auf das Jahr 1003, als Erzbischof Heribert ein Viertel des Waldes an das Kloster Deutz verpachtete, ein früher Beleg für die wirtschaftliche Bedeutung des Forstes für die Region. Im 12. Jahrhundert ging die Kontrolle über weite Teile des Gebietes an die Grafen von Berg über, die den Wald vor allem als Jagdrevier nutzten. Im Jahr 1790 wurden rund 4.000 Rotwild-Tiere erlegt, um Schäden an der natürlichen Waldverjüngung durch übermäßigen Wildbestand zu verhindern, ein Hinweis auf die intensive fürstliche Jagdwirtschaft jener Zeit. Mit dem Wiener Kongress fiel das Gebiet 1815 an Preußen, das eine systematische Wiederaufforstung einleitete und den Wald zunehmend forstwirtschaftlich strukturierte. Zur Erinnerung an Kaiser Wilhelm I. wurde 1908 die sogenannte Kaisereiche gepflanzt; der ursprüngliche Baum wurde während der französischen Besatzungszeit zerstört, der heutige Baum ist ein später gepflanzter Ersatz. Während des Zweiten Weltkriegs dienten Teile des Königsforstes als militärisches Übungsgelände, zudem war im Wald eine Munitionsfabrik in Betrieb; bis heute lassen sich im Gelände Reste von Bunkeranlagen aus dieser Zeit finden. Von 1890 bis 1961 durchquerte zudem die sogenannte Sülztalbahn, die Bahnstrecke Köln-Mülheim–Lindlar, den Wald, bevor die Trasse stillgelegt und später zu einem beliebten Rad- und Wanderweg umgebaut wurde.
Highlights im Königsforst
Naturinteressierte finden im Königsforst gleich zwei thematische Lehrpfade: den rund vier Kilometer langen Waldlehrpfad mit 31 Informationsstationen zu Baumarten, Waldökologie und Forstwirtschaft sowie den kürzeren Bodenlehrpfad mit sechs Stationen, der die unterschiedlichen Bodenprofile des Gebietes anschaulich erklärt. Ein besonderes Erlebnis für Familien ist das rund 50 Hektar große Wildgehege Brück, das bereits am 10. März 1967 von der Stadt Köln eingerichtet wurde und in dem Rotwild und Wildschweine aus nächster Nähe beobachtet werden können. Die Kettners Weiher, zwei durch eine Aufstauung des Wahlbachs entstandene Teiche, sowie eine Kneipp-Wassertretstelle am Giesbach bieten erfrischende Abwechslung während längerer Wanderungen. Mit dem Tütberg, der mit 212 Metern den höchsten Punkt des gesamten Waldgebietes markiert, und dem Monte Troodelöh mit 118,04 Metern als höchster Erhebung innerhalb der Kölner Stadtgrenze bietet der Königsforst auch topografisch interessante Ziele für ambitioniertere Wanderungen. Der asphaltierte Rennweg durchquert den Wald von Norden nach Süden und ist bei Radfahrern aller Leistungsklassen äußerst beliebt, während ein Teilstück des Jakobswegs durch den Forst führt und dem Gebiet eine zusätzliche spirituelle und historische Dimension verleiht. Naturschützer schätzen den Königsforst zudem als Lebensraum seltener Vogelarten wie Mittelspecht, Eisvogel, Grauspecht, Schwarzspecht, Baumfalke, Rotmilan und Wespenbussard, die hier unter dem Schutz des europäischen Vogelschutzgebietes DE-5008-401 geschützt sind. Die als Naturwaldzelle ausgewiesene Fläche Großer Steinberg zeigt darüber hinaus, wie sich ein mitteleuropäischer Mischwald ganz ohne menschlichen forstwirtschaftlichen Eingriff über lange Zeit entwickelt. Langfristig verfolgt die Forstverwaltung das Ziel, die historisch angepflanzten Nadelholzbestände schrittweise durch naturnahe, standortgerechte Laubmischwälder zu ersetzen, um den Königsforst widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit und Schädlingen zu machen. Allein im Frühjahr 2020 mussten infolge mehrjähriger Dürreperioden und massivem Borkenkäferbefall mehr als 40.000 erkrankte Bäume gefällt werden, was den ökologischen Umbau des Waldes in den kommenden Jahrzehnten zusätzlich beschleunigen dürfte.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Königsforst
Der Königsforst ist als öffentlich zugängliches Waldgebiet ganzjährig und rund um die Uhr kostenlos begehbar, ein Eintritt wird für den Wald selbst nicht erhoben; lediglich für geführte Angebote am Wildgehege Brück können gelegentlich kleine Gebühren anfallen. Die komfortabelste Anreise erfolgt mit der Stadtbahnlinie 9, deren Endstation "Königsforst" direkt am Waldrand liegt und eine unmittelbare Anbindung an die Kölner Innenstadt sowie an die Universität Köln bietet. Für Autofahrer stehen mehrere Park-and-Ride-Parkplätze zur Verfügung, etwa an der Adresse Rösrather Straße 771 sowie am Rather Mauspfad, die rund um die Uhr geöffnet sind und kostenfreies Parken ermöglichen, sofern eine gültige Fahrkarte für den öffentlichen Nahverkehr vorliegt. Wer mit dem Fahrrad anreist, profitiert von den zahlreichen gut ausgeschilderten Radwegen, die den Königsforst mit den östlichen Kölner Stadtteilen und den Nachbarstädten Bergisch Gladbach und Rösrath verbinden. Innerhalb des Waldes ist das Wegenetz überwiegend naturbelassen mit festen Forstwegen, sodass festes Schuhwerk empfehlenswert ist, während der asphaltierte Rennweg auch mit Kinderwagen oder Rennrad problemlos befahrbar ist. Hunde dürfen grundsätzlich frei laufen, sollten jedoch während der Brut- und Setzzeit im Frühjahr sowie in unmittelbarer Nähe des Wildgeheges an die Leine genommen werden, um Wildtiere nicht zu stören.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Königsforstes
Nur wenige Gehminuten von der Endstation der Stadtbahnlinie 9 entfernt liegt Gut Leidenhausen, ein historisches Gutshof-Ensemble mit angeschlossenem Umweltbildungszentrum, das regelmäßig Veranstaltungen und Führungen zum Königsforst und seiner Tierwelt anbietet. Richtung Rösrath erreicht man zudem die historische Sülztalbahn-Trasse, die heute als attraktiver Rad- und Wanderweg bis nach Overath genutzt werden kann und einen reizvollen Ausflug ins Bergische Land ermöglicht. In Bergisch Gladbach, das unmittelbar an den Königsforst grenzt, lohnt sich ein Besuch des historischen Stadtzentrums mit seiner traditionellen Papiermühlen-Geschichte, die eng mit der Wasserkraft der umliegenden Bäche verbunden ist. Wer von hier aus zurück in Richtung Kölner Innenstadt fährt, kann mit der Stadtbahnlinie 9 in etwa 25 bis 30 Minuten den Kölner Dom und die historische Altstadt erreichen und so einen naturnahen Vormittag im Königsforst ideal mit einem kulturellen Nachmittag in der Stadt kombinieren.
Wo übernachten in Köln, Deutschland
Vergleichen Sie aktuelle Hotelpreise und finden Sie die passende Unterkunft.