Denkmal & Statue

Jan-von-Werth-Brunnen

Jan-von-Werth-Brunnen
Alter Markt, 50667 Köln, Deutschland
Inhalt

Auf dem Alter Markt, einem der ältesten und zugleich lebendigsten Plätze der Kölner Altstadt, steht seit 1884 der Jan-von-Werth-Brunnen - ein Denkmal, das gleich zwei Geschichten in sich vereint: die reale Lebensgeschichte eines kölschen Reitergenerals des Dreißigjährigen Krieges und die bis heute populäre Volkssage von der unerfüllten und schließlich doch versöhnten Liebe zwischen Jan und Griet. Kaum ein anderes Denkmal der Stadt verbindet historische Tatsachen und mündlich überlieferte Legende so eng miteinander wie dieser Brunnen, der zudem zu den wenigen Bauwerken am Alter Markt zählt, die den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstanden haben, während die umgebende Bebauung fast vollständig zerstört wurde. Bis heute ist der Jan-von-Werth-Brunnen fester Bestandteil des Kölner Karnevals, bei dem traditionelle Straßenzüge Jahr für Jahr genau an diesem Brunnen enden - ein Beweis dafür, wie tief die Geschichte von Jan und Griet im kollektiven Gedächtnis der Stadt verwurzelt ist.

Geschichte von Jan-von-Werth-Brunnen

Die Geschichte des Jan-von-Werth-Brunnen beginnt mit einer realen historischen Persönlichkeit: Johann von Werth, besser bekannt als Jan von Werth, wurde 1591 im niederrheinischen Büttgen bei Köln in einfache bäuerliche Verhältnisse geboren und stieg im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges zu einem der berühmtesten Reitergeneräle seiner Zeit auf. Er diente zunächst als einfacher Söldner unter dem spanischen General Ambrosio Spinola, kämpfte später für die Katholische Liga unter Tilly und führte als bayerischer Kavallerieführer jene gefürchteten Reiterangriffe, die ihm den Beinamen "Franzosenschreck" einbrachten. Sein militärischer Höhepunkt war die Schlacht bei Nördlingen im September 1634, bei der sein entscheidender Kavallerieangriff maßgeblich zum Sieg der kaiserlich-spanischen Truppen beitrug. 1638 geriet er in französische Gefangenschaft, aus der er erst nach mehr als vier Jahren gegen den schwedischen General Gustaf Horn ausgetauscht wurde; später stand er im Dienst des Kölner Kurfürst-Erzbischofs und schließlich im kaiserlichen Dienst, bevor er am 12. September 1652 auf Schloss Benatek in Böhmen starb. Noch während seiner Lebenszeit und erst recht danach entstand rund um seinen außergewöhnlichen sozialen Aufstieg - vom einfachen Bauernknecht zum hochdekorierten General - die bis heute populäre Kölner Volkssage von "Jan und Griet". Der Legende nach verliebte sich der arme Knecht Jan in die Magd Griet, die seine Gefühle jedoch zurückwies und auf eine bessere Partie hoffte. Verbittert zog Jan daraufhin als Soldat in den Krieg und erlebte durch Tapferkeit und Glück einen beispiellosen Aufstieg bis zum General. Als er schließlich triumphierend nach Köln zurückkehrte, erblickte er auf dem Markt ausgerechnet Griet, die dort inzwischen als einfache Obstverkäuferin ihr Auskommen fand. Er stieg von seinem Pferd und grüßte sie mit den bis heute im Kölschen geflügelten Worten "Griet, wer et hätt jedonn!" ("Griet, wer hätte das gedacht!"), worauf sie mit "Jan, wer et hätt jewoss!" ("Jan, wer konnte das wissen!") antwortete. Um diese Geschichte dauerhaft im Stadtbild zu verewigen, begann der Kölner Bildhauer und Architekt Wilhelm Albermann im April 1884 mit dem Bau eines monumentalen, rund fünf Tonnen schweren Brunnens auf dem Alter Markt, der bereits im Juni desselben Jahres fertiggestellt und am 14. Juli 1884 durch Oberbürgermeister Hermann Becker feierlich eingeweiht wurde.

Highlights von Jan-von-Werth-Brunnen

Der Jan-von-Werth-Brunnen besticht durch sein reiches figürliches Programm, das die Geschichte des Reitergenerals und der Sage von Jan und Griet auf mehreren Ebenen erzählt. An der Nord- und Südseite des Brunnens finden sich allegorische Figuren, die die Wehrhaftigkeit und Reinheit der Stadt symbolisieren, dargestellt durch den klassischen Typus des Kölner Bauern auf der einen und einer jungen Magd auf der anderen Seite - ein unmittelbarer visueller Bezug auf die beiden Hauptfiguren der Legende. Besonders eindrucksvoll sind die seitlichen Bildtafeln, die die zentralen Szenen der Sage in Stein festhalten: Auf der einen Seite ist Jan als zurückgewiesener, verbitterter Knecht dargestellt, der von Griet verschmäht wird, auf der anderen Seite die freudige Wiederbegegnung der beiden, als Jan als erfolgreicher General nach Köln zurückkehrt und Griet auf dem Markt wiedertrifft. Diese erzählerische Gegenüberstellung von Zurückweisung und Versöhnung macht den Brunnen zu einem der emotional eindrücklichsten Denkmäler der Stadt. Bemerkenswert ist zudem die bauliche Qualität und Beständigkeit des rund fünf Tonnen schweren Brunnens, der die Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs in den Jahren 1942 und 1943 bemerkenswert gut überstand, während die historische Bebauung rund um den Alter Markt nahezu vollständig zerstört wurde - ein eindrucksvoller Kontrast, der dem Brunnen bis heute eine besondere Symbolkraft als Überlebender der Kölner Stadtgeschichte verleiht. Ein weiteres Highlight ist die lebendige kulturelle Rolle, die der Brunnen bis in die Gegenwart spielt: Während des Kölner Karnevals ist der Jan-von-Werth-Brunnen traditioneller Zielpunkt zahlreicher Straßenzüge, die hier Jahr für Jahr ihren feierlichen Abschluss finden, sodass der Brunnen nicht nur ein historisches Denkmal, sondern bis heute ein lebendiger Treffpunkt des kölschen Brauchtums ist.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zu Jan-von-Werth-Brunnen

Der Jan-von-Werth-Brunnen steht frei zugänglich mitten auf dem öffentlichen Alter Markt und kann daher jederzeit, an allen Tagen der Woche und völlig kostenlos besichtigt werden - feste Öffnungszeiten, Eintrittsgebühren oder Reservierungen gibt es nicht. Besonders reizvoll ist ein Besuch am frühen Morgen, wenn der Platz noch ruhig ist und die Details der Reliefs in aller Ruhe betrachtet werden können, oder während der Karnevalszeit im Februar, wenn der Brunnen im Mittelpunkt des traditionellen kölschen Brauchtums steht und zahlreiche festlich gekleidete Besucher den Platz bevölkern. Die Anreise ist unkompliziert, da der Alter Markt im unmittelbaren Zentrum der Kölner Altstadt liegt: Vom Hauptbahnhof aus ist der Platz in etwa zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß erreichbar, vorbei am Kölner Dom und durch die engen Altstadtgassen. Alternativ erreicht man den Alter Markt bequem über die Stadtbahnhaltestelle Heumarkt oder Appellhofplatz, von denen aus der Platz jeweils nur wenige Gehminuten entfernt liegt. Da der Alter Markt selbst als autofreie Fußgängerzone gestaltet ist, empfiehlt sich grundsätzlich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß; Autofahrer finden in der näheren Umgebung mehrere kostenpflichtige Parkhäuser, etwa am Heumarkt oder in der Nähe des Rheinufers. Ein Besuch lässt sich hervorragend mit einem Spaziergang durch die umliegenden Gassen der Altstadt verbinden, in denen sich zahlreiche traditionelle Brauhäuser und Cafés befinden.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Jan-von-Werth-Brunnen

Der Alter Markt mit dem Jan-von-Werth-Brunnen liegt im Zentrum eines der dichtesten Sehenswürdigkeiten-Cluster der Kölner Altstadt. Nur wenige Schritte entfernt erhebt sich das historische Kölner Rathaus mit seinem gotischen Turm, eines der ältesten weltlichen Bauwerke der Stadt und über Jahrhunderte Sitz der städtischen Verwaltung. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe liegt die romanische Kirche Groß St. Martin mit ihrer markanten Vierturmanlage, die zusammen mit dem Kölner Dom die Silhouette der Stadt vom Rhein aus prägt; direkt daneben, am Gürzenich, befindet sich zudem das Tünnes und Schäl Denkmal, eine weitere beliebte Bronzeplastik der Kölner Volkskultur. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Heumarkt mit dem imposanten Reiterstandbild Friedrich Wilhelm III. sowie dem Heinzelmännchenbrunnen in der nahen Gasse Am Hof, der die berühmte Kölner Sage von den Hausgeistern erzählt. Richtung Rhein gelangt man in kurzer Zeit zur Uferpromenade mit Blick auf die Hohenzollernbrücke und den traditionellen Fischmarkt, während der weltberühmte Kölner Dom mit seinen gotischen Türmen in etwa zehn bis fünfzehn Gehminuten erreichbar ist. Diese enge Nachbarschaft macht den Alter Markt zu einem idealen Ausgangspunkt für einen ausführlichen Rundgang durch die Kölner Altstadt mit ihren zahlreichen historischen Denkmälern, Brunnen und Sagenorten.

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