Historisches Gebäude

Gürzenich Köln

Gürzenich Köln
Martinstraße 29-37, 50667 Köln
Inhalt

Nur einen Steinwurf vom Historischen Rathaus entfernt liegt im Herzen der Kölner Altstadt der Gürzenich Köln, eine der ältesten noch genutzten Festhallen Europas. Seit mehr als 580 Jahren dient der Bau als Ort für Empfänge, Konzerte, Bälle und Feste und hat dabei Kaiserbesuche, Reichstage, Weltkriegszerstörung und einen aufsehenerregenden Wiederaufbau überstanden. Für die Kölnerinnen und Kölner ist der Gürzenich Köln vor allem eines: das Herz des Karnevals, wo seit dem 19. Jahrhundert die großen Bälle gefeiert werden und bis heute jedes Jahr das Dreigestirn proklamiert wird. Gleichzeitig ist der Saal ein Ort von internationalem musikalischem Rang, dem das Gürzenich-Orchester und der Gürzenich-Chor ihren Namen verdanken. Wer die spätgotische Fassade an der Martinstraße entlangschlendert, blickt auf ein Gebäude, das wie kaum ein anderes die Kontinuität des bürgerlichen Selbstbewusstseins Kölns über die Jahrhunderte verkörpert.

Geschichte von Gürzenich Köln

Die Baugeschichte des Gürzenich Köln beginnt 1441, als die Ratsherren Johann von der Arken und Johann von Heimbach den Bau einer repräsentativen städtischen Tanz- und Festhalle initiierten. Unter der Leitung des Werkmeisters Johann von Bueren entstand bis 1447 ein zweischiffiger spätgotischer Saalbau mit markantem Zwillingsdach und charakteristischen Dachhäuschen, dessen Errichtung die beachtliche Summe von 80.000 Gulden verschlang. Für den Bau wurde Trachyt vom Drachenfels im Siebengebirge gebrochen und auf dem Rhein per Schiff nach Köln transportiert, ein logistisches Unternehmen, das die Bedeutung des Projekts für die Stadt unterstreicht. Schon kurz nach der Fertigstellung diente der Saal als Bühne großer Politik: 1474 empfing Kaiser Friedrich III. hier einen prunkvollen Empfang, 1486 folgte Kaiser Maximilian I., und 1505 tagte im Gürzenich sogar ein Reichstag. Zwischen 1645 und 1788 verlor der Bau zeitweise seine Festfunktion und wurde stattdessen als Kaufhaus für Tuche und Waren genutzt, bevor er im 19. Jahrhundert wieder zum zentralen Veranstaltungsort der Stadt wurde. Bereits 1822, ein Jahr vor der offiziellen Gründung des Festkomitees Kölner Karneval, fanden im Gürzenich die ersten großen Maskenbälle statt - der Beginn einer bis heute ungebrochenen Tradition. Zwischen 1855 und 1857 ließ Stadtbaumeister Julius Carl Raschdorff einen neugotischen Treppenhausanbau mit dem sogenannten Isabellensaal errichten, 1885 folgte ein zusätzlicher dreischiffiger historistischer Festsaal. Zwischen 1881 und 1885 entstand ein 53 Meter langer Wandfries, der den historischen Festzug von 1880 zeigt und von den Malern Wilhelm Beckmann, Fritz Roeber, Ernst Roeber und weiteren Künstlern geschaffen wurde. Musikalisch erlangte der Saal Weltruhm: Hier fanden die Uraufführungen von Johannes Brahms' Doppelkonzert (18. Oktober 1887), Richard Strauss' "Till Eulenspiegels lustige Streiche" (5. November 1895) und "Don Quixote" (8. März 1898) sowie Gustav Mahlers 5. Sinfonie (18. Oktober 1904) statt. Von 1857 bis 1986 veranstaltete die Cölner Concert-Gesellschaft hier ihre Konzertreihen, aus denen das bis heute bestehende Gürzenich-Orchester und der Gürzenich-Chor hervorgingen. Zwischen 1875 und 1922 war im Gebäude zudem die Kölner Börse untergebracht. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Gürzenich bei den alliierten Luftangriffen, darunter die "Operation Millennium", nahezu vollständig zerstört. Der Wiederaufbau erfolgte zwischen 1952 und 1955 unter der Leitung des Architekten Rudolf Schwarz, der zusammen mit Karl Band die Innenräume im zeittypischen Stil der 1950er-Jahre gestaltete; die feierliche Wiedereröffnung fand am 2. Oktober 1955 statt. Seit 1959 wird im Gürzenich jedes Jahr das Kölner Dreigestirn proklamiert, und im Juni 1999 war der Saal sogar Tagungsort eines G8-Gipfeltreffens der Staats- und Regierungschefs.

Highlights im Gürzenich Köln

Das architektonische Kernstück ist bis heute der spätgotische Hauptsaal mit seinem charakteristischen Zwillingsdach, dessen massive Trachytquader von den Hängen des Siebengebirges stammen. Der Große Saal misst heute rund 1.113 Quadratmeter und bietet je nach Bestuhlung Platz für 780 bis 1.338 Personen, während der benachbarte Kleine Saal mit 575 Quadratmetern zwischen 400 und 490 Gästen fasst. Historisch besonders wertvoll ist der 1885 angefügte Isabellensaal mit 211 Quadratmetern sowie der Marsiliussaal, der auf 303 Quadratmetern bis zu 266 Personen Platz bietet. Der 53 Meter lange Festzugsfries aus den 1880er-Jahren zählt zu den bedeutendsten historistischen Wandmalereien Kölns und dokumentiert anschaulich das bürgerliche Festleben des 19. Jahrhunderts. Musikliebhaber schätzen den Gürzenich bis heute als Konzertsaal mit außergewöhnlicher Akustik, in dem das Gürzenich-Orchester Köln regelmäßig auftritt und an die große Tradition der Uraufführungen von Brahms, Strauss und Mahler anknüpft. Ein besonderer Höhepunkt im kölschen Jahreskalender ist die alljährliche Proklamation des Dreigestirns, die seit 1959 im Gürzenich zelebriert wird und den Auftakt der intensiven Karnevalssession markiert. Mit durchschnittlich rund 250 Veranstaltungen und etwa 170.000 Besuchern pro Jahr - von Konzerten über Firmenveranstaltungen bis zu Bällen - zählt der Gürzenich zu den meistgenutzten historischen Veranstaltungsgebäuden Deutschlands; seine internationale Bedeutung unterstrich zuletzt die Nutzung als Tagungsort des G8-Gipfels im Juni 1999. Der weitläufige Weinkeller mit rund 390 Quadratmetern Fläche rundet das räumliche Angebot ab und erinnert an die jahrhundertealte Tradition des Kölner Weinhandels.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Gürzenich Köln

Da der Gürzenich Köln in erster Linie ein aktiv genutztes Veranstaltungs- und Konzerthaus und kein klassisches Museum ist, lässt sich der Zugang zum Innenraum nicht mit festen Öffnungszeiten oder einem einheitlichen Eintrittspreis angeben. Die spätgotische Fassade an der Martinstraße sowie der Außenbereich rund um die benachbarte Kirchenruine Alt St. Alban können jederzeit kostenlos besichtigt werden. Das Innere des Saals ist der Öffentlichkeit vor allem bei Konzerten des Gürzenich-Orchesters, bei der jährlichen Proklamation des Dreigestirns, im Rahmen von Ausstellungen oder gelegentlichen Stadtführungen zugänglich; Termine und Ticketpreise variieren je nach Veranstaltung und sind über die Website des Betreibers Koelncongress beziehungsweise über KölnTourismus einzusehen. Wer den Saal besichtigen möchte, sollte sich daher vorab über den aktuellen Veranstaltungskalender informieren, da reguläre Besichtigungstermine ohne Veranstaltung die Ausnahme sind. Der Gürzenich Köln liegt zentral in der Altstadt an der Adresse Martinstraße 29-37, 50667 Köln, nur rund 300 Meter vom Historischen Rathaus und etwa 700 Meter vom Kölner Dom entfernt. Die nächstgelegenen Stadtbahnhaltestellen sind Appellhofplatz und Heumarkt, von denen aus der Gürzenich in wenigen Gehminuten durch die autofreie Altstadt erreichbar ist.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Gürzenich Köln

Die zentrale Lage des Gürzenich Köln in der Altstadt macht ihn zum perfekten Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch das historische Köln. Direkt angrenzend liegt die Kirchenruine Alt St. Alban, ein stiller Gedenkort inmitten des geschäftigen Altstadtlebens. Nur rund 300 Meter entfernt befindet sich das Historische Rathaus mit seinem markanten Ratsturm und dem Glockenspiel, während die romanische Kirche Groß St. Martin mit ihrem markanten Vierturm ebenfalls in wenigen Gehminuten erreichbar ist. Auch das Overstolzenhaus in der Rheingasse, eines der ältesten und besterhaltenen romanischen Patrizierhäuser Deutschlands, liegt nur etwa 400 Meter entfernt und ist einen Abstecher wert. Richtung Rhein erreicht man in knapp zehn Minuten zu Fuß den Alter Markt und den Fischmarkt mit ihren traditionellen Brauhäusern sowie die Rheinpromenade mit Blick auf die Hohenzollernbrücke. Wer noch weiter südlich schlendert, gelangt in rund 15 bis 20 Minuten zum Schokoladenmuseum und den modernen Kranhäusern im Rheinauhafen - ein reizvoller Kontrast zwischen mittelalterlicher und zeitgenössischer Architektur. Auch der Kölner Dom, das geistliche Gegenstück zum weltlichen Machtzentrum rund um Rathaus und Gürzenich, ist in etwa zehn Gehminuten zu erreichen.

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