Historisches Gebäude

Wilhelm-Marx-Haus

Wilhelm-Marx-Haus
Heinrich-Heine-Allee 1, 40213 Düsseldorf, Deutschland
Inhalt

Mitten in der Düsseldorfer Altstadt, nur wenige Schritte von der Rheinuferpromenade entfernt, erhebt sich das Wilhelm-Marx-Haus als eines der eindrucksvollsten Zeugnisse der deutschen Hochhausarchitektur der 1920er Jahre. Mit seiner markanten Klinkerfassade, dem gestuften Dachabschluss und der für die Zeit ungewöhnlichen Höhe von 57 Metern zählte das Gebäude bei seiner Fertigstellung zu den höchsten Stahlbetonbauten Europas. Heute ist das Wilhelm-Marx-Haus nicht nur ein geschütztes Baudenkmal, sondern auch ein lebendiger Teil der Innenstadt mit Geschäften, Gastronomie und einem Theater im Erdgeschoss. Wer sich für die Geschichte der europäischen Großstadtarchitektur, für Backsteinexpressionismus oder einfach für die Entwicklung Düsseldorfs im 20. Jahrhundert interessiert, findet hier ein Gebäude, das weit mehr erzählt als seine reine Funktion als Büro- und Geschäftshaus vermuten lässt.

Geschichte des Wilhelm-Marx-Hauses

Die Planung des Wilhelm-Marx-Hauses fällt in eine Zeit tiefgreifenden Wandels: Düsseldorf wollte sich in den frühen 1920er Jahren als moderne Großstadt und Wirtschaftszentrum des Rheinlands präsentieren. Treibende Kraft dieser Modernisierung war der damalige Oberbürgermeister Wilhelm Marx, nach dem das Gebäude später benannt wurde. Mit dem Bau des Hochhauses sollte ein Zeichen gesetzt werden, das Düsseldorfs Anspruch auf wirtschaftliche und städtebauliche Bedeutung unterstrich. Die Ausführung übernahm der renommierte Architekt Wilhelm Kreis, der an der Kunstakademie Düsseldorf lehrte und zu den einflussreichsten deutschen Baumeistern seiner Generation gehörte. Zwischen 1922 und 1924 entstand an der heutigen Heinrich-Heine-Allee ein Gebäude, das mit seiner strengen, vertikal gegliederten Backsteinfassade und dem zurückgestuften oberen Baukörper deutlich von den amerikanischen Hochhäusern jener Jahre beeinflusst war, zugleich aber eine eigenständige, dem Backsteinexpressionismus zugeordnete Formensprache entwickelte. Mit seinen zwölf bis dreizehn Geschossen und einer Höhe von 57 Metern galt das Wilhelm-Marx-Haus zeitweise als einer der höchsten Stahlbetonbauten Europas und wurde weit über die Grenzen Düsseldorfs hinaus als Sinnbild der modernen Großstadt wahrgenommen. Im Inneren beeindruckte vor allem die aufwendig gestaltete Eingangshalle mit Natursteinverkleidung, von der eine steinerne Tigerfigur bis heute erhalten ist und als beliebtes Fotomotiv gilt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde Düsseldorf massiv bombardiert, und auch das Wilhelm-Marx-Haus blieb von Zerstörungen nicht verschont: Die oberen Geschosse erlitten erhebliche Schäden, die in den Nachkriegsjahren in vereinfachter Form wiederaufgebaut wurden, wodurch ein Teil der ursprünglichen Dachkrone verloren ging. Trotz dieser Veränderungen blieb die Grundstruktur des Gebäudes erhalten, und 1984 wurde das Wilhelm-Marx-Haus offiziell unter Denkmalschutz gestellt, eine Anerkennung seiner architektur- und stadtgeschichtlichen Bedeutung. In den folgenden Jahrzehnten diente das Haus unter anderem der Rheinisch-Westfälischen Börse zu Düsseldorf als Sitz, bevor es zunehmend zu einem gemischt genutzten Geschäftshaus mit Banken, Büros und Einzelhandel wurde. In den 1990er Jahren erfolgte eine umfassende Sanierung, bei der historische Bauteile restauriert und die Gebäudetechnik modernisiert wurden, ohne den historischen Charakter der Fassade zu beeinträchtigen.

Highlights im Wilhelm-Marx-Haus

Das auffälligste Merkmal des Wilhelm-Marx-Hauses ist zweifellos seine Fassade: Die kräftig rotbraunen Klinker, kombiniert mit vertikalen Fensterbändern und einem leicht zurückgestuften oberen Teil, erzeugen eine fast kathedralenhafte Wirkung, die typisch für den Backsteinexpressionismus der Weimarer Republik ist. Besonders im späten Nachmittagslicht entfaltet die Fassade eine warme, fast changierende Farbwirkung, die Fotografen und Architekturliebhaber gleichermaßen anzieht. Wer das Gebäude betritt, sollte sich Zeit für die historische Eingangshalle nehmen: Hier vermitteln Natursteinverkleidungen, dekorative Deckenelemente und die erwähnte steinerne Tigerfigur einen Eindruck vom ursprünglichen Repräsentationsanspruch des Hauses. Diese Tigerfigur, ein ungewöhnliches Detail für ein Geschäftshaus der 1920er Jahre, ist im Laufe der Jahrzehnte zu einem kleinen Symbol des Gebäudes geworden und wird von vielen Düsseldorfern als charmantes Kuriosum geschätzt. Ein weiteres Highlight ist der Innenhof des Wilhelm-Marx-Hauses, der als überdachte Passage zwischen mehreren Eingängen fungiert und heute Cafés, kleine Geschäfte und wechselnde saisonale Marktstände beherbergt. Diese Passage verbindet die Heinrich-Heine-Allee mit den umliegenden Altstadtgassen und wird von vielen Besuchern als angenehme, überdachte Abkürzung durch die Innenstadt genutzt, ganz unabhängig von ihrem architektonischen Wert. Im Erdgeschoss des Gebäudes hat außerdem das Junges Theater in der Altstadt, kurz JuTA, seine Bühne gefunden, ein Ort für zeitgenössisches Sprechtheater, der dem historischen Gebäude eine lebendige kulturelle Nutzung verleiht. Architekturinteressierte sollten zudem auf die Dachsilhouette achten: Trotz der Kriegsschäden und des vereinfachten Wiederaufbaus ist die ursprüngliche, treppenartig gestufte Kronenform des Hochhauses in Ansätzen noch zu erkennen und erlaubt einen Vergleich mit zeitgenössischen Darstellungen und historischen Fotografien aus den 1920er Jahren. Auch die Lage direkt über und neben der U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee ist technisch bemerkenswert: Das gesamte Gebäude ruht auf einem aufwendigen Fundament aus mehreren hundert Betonpfählen, eine für die damalige Zeit außergewöhnliche ingenieurtechnische Leistung, die den Bau eines derart hohen Gebäudes auf dem wenig tragfähigen Rheinuferboden überhaupt erst ermöglichte. Zusammen ergeben diese Elemente ein Gebäude, das sowohl als Architekturdenkmal als auch als funktionierender Teil des modernen Stadtlebens überzeugt.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Wilhelm-Marx-Haus

Das Wilhelm-Marx-Haus ist in erster Linie ein privat genutztes Büro- und Geschäftshaus und kein klassisches Museum, weshalb es keine festen Öffnungszeiten und keinen Eintritt für das Gebäude als Ganzes gibt. Die Fassade und der Außenbereich an der Heinrich-Heine-Allee können jederzeit frei und kostenlos besichtigt werden, was das Gebäude zu einem unkomplizierten Zwischenstopp bei einem Altstadtrundgang macht. Die Ladenpassage im Innenhof mit ihren Cafés und Geschäften orientiert sich an den üblichen Düsseldorfer Geschäftszeiten und ist in der Regel von Montag bis Samstag tagsüber zugänglich, wobei einzelne Betriebe individuell variieren können. Das im Erdgeschoss untergebrachte Theater JuTA veröffentlicht eigene Vorstellungstermine und Ticketpreise für seine Produktionen, die unabhängig von den allgemeinen Besuchszeiten des Gebäudes gebucht werden sollten. Für die Anreise ist das Wilhelm-Marx-Haus denkbar günstig gelegen: Direkt unter dem Gebäude befindet sich die U-Bahn-Station Heinrich-Heine-Allee, die von mehreren Düsseldorfer Stadtbahnlinien bedient wird und eine der zentralsten Haltestellen der Altstadt darstellt. Wer mit dem Auto anreist, findet in der näheren Umgebung mehrere kostenpflichtige Parkhäuser, etwa am Schadowplatz oder in der Nähe des Carlsplatzes, da die Altstadt selbst größtenteils verkehrsberuhigt ist. Von der Rheinuferpromenade und dem Burgplatz aus ist das Gebäude in wenigen Gehminuten zu erreichen, sodass es sich problemlos in einen Spaziergang durch die Altstadt einbauen lässt. Da es sich um ein aktiv genutztes Geschäftshaus handelt, empfiehlt es sich, Besuche auf die Tagesstunden zu legen, wenn die Passage und die umliegenden Geschäfte geöffnet sind, während die beleuchtete Fassade am Abend einen zusätzlichen, eher architektonischen Reiz bietet.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Wilhelm-Marx-Hauses

Die Lage des Wilhelm-Marx-Hauses mitten in der Düsseldorfer Altstadt macht es zu einem idealen Ausgangspunkt für die Erkundung weiterer historischer und kultureller Sehenswürdigkeiten. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt die Rheinuferpromenade, von der aus sich ein weiter Blick über den Rhein sowie auf den markanten Rheinturm und die moderne Bebauung des Medienhafens eröffnet. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet sich das Rathaus Düsseldorf am Marktplatz, dessen Renaissance-Architektur einen reizvollen Kontrast zur modernistischen Formensprache des Wilhelm-Marx-Hauses bildet. Wer sich für Kirchenbaukunst interessiert, findet mit der Basilika St. Lambertus eine der ältesten Kirchen der Stadt in Gehweite, erkennbar an ihrem charakteristisch verdrehten Turmhelm. Die Altstadt selbst, oft als „längste Theke der Welt" bezeichnet, bietet rund um das Wilhelm-Marx-Haus zahlreiche enge Gassen mit traditionellen Brauhäusern, in denen das lokale Altbier ausgeschenkt wird. Wenige Schritte weiter lädt der Carlsplatz mit seinem Wochenmarkt zum Bummeln ein, während die elegante Königsallee, kurz „Kö" genannt, mit ihren Geschäften und dem begleitenden Stadtgraben ebenfalls fußläufig erreichbar ist. Auch das Schauspielhaus Düsseldorf sowie mehrere kleinere Galerien und Museen der Innenstadt liegen in bequemer Reichweite, sodass sich ein Besuch des Wilhelm-Marx-Hauses hervorragend mit einem ausführlicheren Rundgang durch die historische Mitte Düsseldorfs verbinden lässt.

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