Denkmal & Statue

Jan-Wellem-Reiterstandbild

Jan-Wellem-Reiterstandbild
Marktplatz, 40213 Düsseldorf
Inhalt

Direkt vor dem historischen Rathaus am Marktplatz der Düsseldorfer Altstadt thront eines der bekanntesten Symbole der Stadt: das Jan-Wellem-Reiterstandbild. Die goldfarben schimmernde Bronzefigur zeigt den einstigen Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz hoch zu Pferd, in voller Rüstung und mit allen Insignien seiner Macht. Kaum ein anderes Denkmal ist so eng mit der Identität der Landeshauptstadt verwoben wie dieses barocke Meisterwerk, das seit über 300 Jahren den Marktplatz dominiert. Für die Düsseldorfer ist "Jan Wellem" längst nicht mehr nur ein historischer Herrschername, sondern eine vertraute Figur des Alltags, die auf Postkarten, in Vereinsnamen und in zahllosen Anekdoten weiterlebt. Wer die Altstadt besucht, kommt an diesem imposanten Reiterstandbild praktisch nicht vorbei - es markiert das symbolische Herz der Stadt und erzählt zugleich die Geschichte eines Herrschers, der Düsseldorf zu einer barocken Residenzstadt von europäischem Rang machen wollte.

Geschichte des Jan-Wellem-Reiterstandbildes

Johann Wilhelm von der Pfalz, genannt Jan Wellem, regierte von 1690 bis zu seinem Tod 1716 als Kurfürst von der Pfalz und machte Düsseldorf zu seiner bevorzugten Residenz. Unter seiner Herrschaft erlebte die Stadt eine kulturelle Blütezeit: Er ließ Kunstsammlungen aufbauen, italienische und niederländische Künstler an seinen Hof holen und den Ausbau des Düsseldorfer Schlosses vorantreiben. Noch zu seinen Lebzeiten beauftragte Jan Wellem den aus Flandern stammenden Bildhauer Gabriel de Grupello, der zu dieser Zeit als einer der bedeutendsten Barockbildhauer nördlich der Alpen gilt, mit der Schaffung eines Reiterstandbildes zu seinen eigenen Ehren - ein für die damalige Zeit durchaus ungewöhnlicher Akt der Selbstdarstellung. Die Arbeiten begannen um 1703 in einem eigens errichteten Gießhaus, das sich später zum Standort des Alten Schauspielhauses entwickeln sollte. Der Legende nach soll Jan Wellem bei der Bronzeschmelze eigenhändig goldene und silberne Münzen in den flüssigen Guss geworfen haben, um dem Standbild einen besonderen Glanz und Wert zu verleihen - eine Anekdote, die bis heute gerne in Düsseldorfer Stadtführungen erzählt wird, auch wenn sie sich historisch nicht zweifelsfrei belegen lässt. Die feierliche Aufstellung und Enthüllung des fertigen Standbildes erfolgte 1711 auf dem Marktplatz, noch während der Lebenszeit des Kurfürsten, der sein eigenes Denkmal somit selbst bewundern konnte. Der ursprünglich geplante, deutlich aufwendigere Sockel mit vier flankierenden Löwenfiguren wurde nie vollständig umgesetzt; 1830 ersetzte man die Basis durch einen schlichteren, klassizistischen Sockel aus Granit, der bis heute erhalten ist.

Highlights des Jan-Wellem-Reiterstandbildes

Das Jan-Wellem-Reiterstandbild beeindruckt vor allem durch seine kunstvolle barocke Detailfreude. Gabriel de Grupello stellte den Kurfürsten in voller Rüstung dar, geschmückt mit Kurhut, einer schweren Ordenskette und dem Marschallstab in der Hand - allesamt Symbole weltlicher und militärischer Macht, die den Rang des Dargestellten unmissverständlich unterstreichen sollten. Das Pferd selbst ist in dynamischer Bewegung festgehalten, mit angehobenem Vorderbein, was der gesamten Komposition trotz ihres hohen Alters eine überraschende Lebendigkeit verleiht. Besonders auffällig ist der goldene Schimmer der Bronze, der bei Sonnenlicht einen eindrucksvollen Kontrast zu den historischen Fachwerk- und Barockfassaden rund um den Marktplatz bildet. Viele Besucher bemerken zudem die kunstvoll gearbeiteten Reliefs und Verzierungen am Sockel, die auf die wechselhafte Baugeschichte des Monuments verweisen. Die Lage direkt vor dem Alten Rathaus, dessen Baubeginn bereits ins 16. Jahrhundert zurückreicht, schafft ein stimmiges historisches Ensemble, das zu den meistfotografierten Ecken der gesamten Altstadt zählt. Bei zahlreichen Festen und Umzügen, etwa während des Düsseldorfer Karnevals oder bei Stadtjubiläen, dient der Platz rund um das Standbild traditionell als zentraler Versammlungsort, wodurch Jan Wellem buchstäblich im Zentrum des städtischen Lebens steht. Nicht zuletzt ist das Reiterstandbild ein beliebter Orientierungspunkt: Düsseldorferinnen und Düsseldorfer verabreden sich bis heute gerne "bei Jan Wellem" und machen das barocke Kunstwerk damit zu einem lebendigen Teil des Alltags der Stadt.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Jan-Wellem-Reiterstandbild

Da sich das Jan-Wellem-Reiterstandbild frei zugänglich mitten auf dem öffentlichen Marktplatz befindet, gibt es weder feste Öffnungszeiten noch einen Eintrittspreis - das Denkmal kann jederzeit, an jedem Wochentag und rund um die Uhr kostenlos besichtigt werden. Besonders stimmungsvoll wirkt die Bronzefigur in den Abendstunden, wenn die historische Straßenbeleuchtung der Altstadt den Marktplatz in warmes Licht taucht und die goldenen Akzente der Statue besonders zur Geltung kommen. Der Marktplatz liegt im Herzen der Altstadt, nur einen kurzen Spaziergang vom Rhein und vom Burgplatz entfernt, und ist von praktisch jedem zentralen Punkt der Innenstadt aus fußläufig erreichbar. Reisende mit öffentlichen Verkehrsmitteln steigen am besten an der Haltestelle Heinrich-Heine-Allee aus, die von mehreren U-Bahn-Linien angefahren wird, von dort führt ein kurzer Spaziergang von wenigen Minuten durch die Altstadtgassen direkt zum Marktplatz. Vom Hauptbahnhof aus ist das Standbild sowohl mit der U-Bahn in wenigen Minuten als auch zu Fuß in etwa 20 bis 25 Minuten erreichbar. Autofahrende sollten beachten, dass die gesamte Altstadt weitgehend verkehrsberuhigt ist; mehrere kostenpflichtige Parkhäuser am Rand der Altstadt und entlang des Rheinufers bieten jedoch bequeme Alternativen. Auch mit dem Fahrrad ist der Marktplatz über die Rheinuferpromenade und die angrenzenden Altstadtstraßen gut zu erreichen.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Jan-Wellem-Reiterstandbildes

Direkt hinter dem Reiterstandbild erhebt sich das historische Alte Rathaus, dessen älteste Bauteile bis in die Renaissance zurückreichen und das bis heute Sitz der Stadtverwaltung ist. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Burgplatz mit dem Schlossturm, dem letzten erhaltenen Rest der einstigen Kurfürstenburg, sowie dem modernen Stadterhebungsmonument, das die Geschichte der Stadtgründung von 1288 in Bronze erzählt. Ebenfalls in unmittelbarer Nähe befindet sich der Radschlägerbrunnen, der den berühmten Düsseldorfer Radschlägern gewidmet ist. Richtung Rhein führt die Rheinuferpromenade zu einem der schönsten Spazierwege der Stadt, mit Blick auf den Fluss, den Rheinturm und die Oberkasseler Brücke. Auch die Basilika St. Lambertus mit ihrem markanten schiefen Turm liegt nur wenige Schritte entfernt und lässt sich gut mit einem Besuch des Marktplatzes verbinden. Wer nach dem Rundgang eine Stärkung sucht, findet in den engen Altstadtgassen zahlreiche traditionelle Brauhäuser, in denen das obergärige Düsseldorfer Altbier serviert wird - ein Erlebnis, das für viele Besucher ebenso zum Pflichtprogramm gehört wie der Anblick von Jan Wellem selbst.

Interessant ist auch der Blick auf die kulturhistorische Bedeutung, die Jan Wellem für das kollektive Gedächtnis der Stadt besitzt. Während seiner Regierungszeit holte er nicht nur Künstler und Handwerker aus ganz Europa nach Düsseldorf, sondern legte auch den Grundstein für die später weltberühmte Düsseldorfer Gemäldegalerie, deren Bestände heute in verschiedenen Museen der Stadt zu bewundern sind. Diese enge Verbindung zwischen dem Herrscher und dem kulturellen Aufstieg Düsseldorfs erklärt, warum sein Reiterstandbild bis heute mit so viel Zuneigung betrachtet wird und weit über ein reines Herrscherdenkmal hinausgeht. Auch sprachlich hat Jan Wellem Spuren hinterlassen: Der rheinische Kosename für den Kurfürsten wird bis heute liebevoll verwendet, etwa in Vereinsnamen, bei Karnevalsorden oder in volkstümlichen Erzählungen, die sich um seine Persönlichkeit und seine angeblichen Vorlieben ranken. Für Besucher, die sich für Barockgeschichte und die höfische Kultur des Rheinlands interessieren, bietet das Standbild somit einen idealen Ausgangspunkt, um tiefer in die Geschichte der Stadt einzutauchen.

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