St. Josef
St. Josef ist eine der wenigen katholischen Kirchen in Düren, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden hat, und zählt deshalb zu den baugeschichtlich wertvollsten Sakralbauten der Stadt. Die Kirche liegt an der Ecke von Piusstraße und Zülpicher Straße im Süden von Düren und wurde 1937/1938 im Zuge der Umwandlung des damals noch landwirtschaftlich geprägten Gebiets in ein Wohnquartier errichtet. Als dreischiffige Backsteinbasilika im Stil der architektonischen Moderne der 1930er Jahre entworfen, besitzt St. Josef bis heute ihre originalen Kirchenfenster aus der Bauzeit – ein in Düren einzigartiger Umstand, da nahezu alle anderen historischen Fensterverglasungen der Stadt den Luftangriffen von 1944 zum Opfer fielen. Als Teil der Pfarrei St. Lukas ist St. Josef bis heute ein lebendiger Ort des Gemeindelebens im Dürener Süden.
Geschichte von St. Josef
Die Ursprünge der Gemeinde St. Josef reichen bis in das Jahr 1931 zurück, als für die wachsende Wohnbevölkerung im Süden von Düren zunächst eine provisorische Notkirche in der sogenannten Riemann-Kaserne eingerichtet wurde. Mit der fortschreitenden städtebaulichen Entwicklung des Gebiets, das sich von landwirtschaftlich genutzten Flächen zu einem dichter bebauten Wohnviertel wandelte, entstand rasch der Bedarf nach einem eigenständigen Kirchenbau. Zwischen 1937 und 1938 wurde die heutige Kirche nach Plänen des Architekten Peter Salm errichtet und am 25. September 1938 feierlich konsekriert. Die dreischiffige Backsteinbasilika mit siebenachsigem Langhaus, rechteckigem Chor im Südosten und einem an der Gebäudeecke platzierten Glockenturm zählt zu den gelungensten Beispielen der sachlich-modernen Sakralarchitektur der 1930er Jahre im Rheinland. 1952 wurde St. Josef zur eigenständigen Pfarrei erhoben und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil des kirchlichen Lebens im Dürener Süden, das eng mit dem Wachstum der umliegenden Wohnsiedlungen verbunden war. Im Gegensatz zu fast allen anderen Kirchen der Stadt überstand St. Josef die verheerenden Luftangriffe des Jahres 1944 nahezu unbeschadet, was dem Bauwerk bis heute eine besondere Stellung unter den Dürener Sakralbauten verleiht. Im Jahr 2010 ging die eigenständige Pfarrei St. Josef in der neu gegründeten Großpfarre St. Lukas auf, blieb dabei jedoch als eigenständiger Kirchenstandort erhalten und wird bis heute regelmäßig für Gottesdienste, Taufen und Hochzeiten genutzt.
Highlights von St. Josef
Das herausragende Merkmal von St. Josef sind die originalen Kirchenfenster, die 1939 nach Entwürfen des Glaskünstlers Ernst Jansen-Winkeln gefertigt wurden und bis heute nahezu unverändert erhalten sind. Da praktisch alle anderen historischen Fensterverglasungen in Düren bei den Luftangriffen von 1944 zerstört wurden, besitzen die Fenster von St. Josef einen außergewöhnlichen dokumentarischen und künstlerischen Wert als eines der letzten erhaltenen Zeugnisse der kirchlichen Glasmalerei der Vorkriegszeit in der Stadt. Architektonisch beeindruckt zudem die klare, sachliche Formensprache der dreischiffigen Basilika mit ihrer flachen Holzdecke im Mittelschiff und den Betondecken in den Seitenschiffen, die typisch für die funktionale Sakralarchitektur der 1930er Jahre ist. Im Untergeschoss der Kirche befindet sich außerdem ein Pfarrsaal, der das Gebäude über die rein liturgische Nutzung hinaus zu einem aktiven Ort des Gemeindelebens macht. Zu den jüngeren, aber nicht minder bedeutenden Ausstattungsstücken zählt der 1981 vom Bildhauer Bonifatius Stirnberg geschaffene Altar, der die zeitgenössische künstlerische Weiterentwicklung der Kirche über die Jahrzehnte hinweg dokumentiert und einen bewussten Dialog zwischen historischer Bausubstanz und moderner liturgischer Kunst herstellt. Musikalisch wird St. Josef durch eine 1991 installierte Orgel mit 26 Registern ergänzt, die regelmäßig für Gottesdienste genutzt wird. Diese Kombination aus unversehrter Vorkriegsarchitektur, einzigartigen historischen Glasfenstern und moderner liturgischer Kunst macht St. Josef zu einem der facettenreichsten Kirchenbauten im gesamten Stadtgebiet von Düren. Gerade weil die Fenster von Ernst Jansen-Winkeln die Zerstörungen von 1944 überstanden haben, gelten sie in der Denkmalpflege des Rheinlands als besonders schützenswertes Zeugnis einer sonst nahezu vollständig verlorenen Epoche der kirchlichen Glasmalerei vor dem Zweiten Weltkrieg.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zu St. Josef
St. Josef befindet sich an der Piusstraße 40 in 52349 Düren, an der Ecke zur Zülpicher Straße im Süden der Stadt. Feste, von Gottesdiensten unabhängige Öffnungszeiten für Besichtigungen sind bei St. Josef nicht einheitlich festgelegt; Besucher orientieren sich am besten an den regelmäßigen Gottesdienstzeiten, die über die Website der Pfarrei St. Lukas oder telefonisch über das Pfarrbüro am Annaplatz 8 erfragt werden können. Der Eintritt in die Kirche ist kostenlos, eine Besichtigung während der Öffnungszeiten ist daher ohne Ticket oder Voranmeldung möglich, was einen spontanen Besuch jederzeit deutlich erleichtert. Die Anreise zu St. Josef gestaltet sich von der Dürener Innenstadt aus unkompliziert: Mit dem Auto erreicht man die Piusstraße über die Zülpicher Straße in wenigen Minuten, wobei in der Umgebung ausreichend Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehen, sowohl entlang der Straße als auch auf einigen angrenzenden Nebenstraßen. Reisende, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen möchten, können mehrere Buslinien des VRS nutzen, die den südlichen Stadtteil mit dem Hauptbahnhof Düren und der Innenstadt verbinden und auch abends sowie am Wochenende in regelmäßigen Abständen verkehren. Da sich St. Josef etwas außerhalb der unmittelbaren Innenstadt befindet, empfiehlt sich der Besuch besonders für Interessierte an der Architektur- und Kirchengeschichte der 1930er Jahre, die über die bekannten Innenstadtkirchen hinausgehen möchten. Da St. Josef im Alltag seltener von auswärtigen Besuchern aufgesucht wird als die zentralen Kirchen am Annaplatz oder Hoeschplatz, lässt sich hier zudem oft eine besonders ruhige Atmosphäre für Besinnung und stille Betrachtung der historischen Fenster finden.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe von St. Josef
Von St. Josef aus lohnt sich ein kurzer Ausflug in die Dürener Innenstadt, die mit dem Auto oder Bus in wenigen Minuten erreichbar ist und mit der Annakirche, der Marienkirche und der Christuskirche gleich drei weitere bedeutende Sakralbauten der Stadt bereithält. Auch das Leopold-Hoesch-Museum & Papiermuseum sowie das Dürener Rathaus mit dem angrenzenden Kaiser-Friedrich-Park liegen innerhalb der historischen Innenstadt und lassen sich gut mit einem Besuch von St. Josef kombinieren. Die umliegenden Wohnviertel im Dürener Süden selbst laden zu einem ruhigen Spaziergang ein und vermitteln einen authentischen Eindruck von der städtebaulichen Entwicklung Dürens im 20. Jahrhundert. Wer sich für weitere Beispiele moderner Sakralarchitektur in der Region interessiert, findet in St. Antonius im Grüngürtel und in St. Joachim im Dürener Norden interessante Vergleichsbeispiele aus unterschiedlichen Jahrzehnten. Für einen Tagesausflug über die Stadtgrenzen hinaus bietet sich zudem die nahegelegene Zitadelle Jülich an, eine der besterhaltenen Renaissance-Festungsanlagen Europas, die mit dem Auto in rund 20 Minuten erreichbar ist.
Wo übernachten in Düren, Deutschland
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