Haus der Geschichte
Das Haus der Geschichte in Bonn gehört zu den bedeutendsten Museen für deutsche Zeitgeschichte und ist ein besonders empfehlenswertes Ausflugsziel für alle, die mehr über die politische, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung Deutschlands erfahren möchten. Das Museum befindet sich an der Bonner Museumsmeile in der Willy-Brandt-Allee 14 und widmet sich insbesondere der deutschen Geschichte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945. Besucher können hier nachvollziehen, wie aus dem zerstörten Nachkriegsdeutschland zwei unterschiedliche deutsche Staaten entstanden, wie sich die Bundesrepublik und die DDR entwickelten und welche Ereignisse schließlich zur Wiedervereinigung im Jahr 1990 führten. Auch die Veränderungen der deutschen Gesellschaft bis in die Gegenwart werden anschaulich dargestellt. Besonders attraktiv ist, dass der Eintritt in das Museum und seine Ausstellungen kostenlos ist. Die moderne Ausstellungsgestaltung verbindet historische Originalobjekte, persönliche Erinnerungen, Fotografien, Dokumente und interaktive Medienstationen.
Geschichte von Haus der Geschichte
Die Entstehung des Haus der Geschichte ist eng mit der politischen Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland verbunden. Einen wichtigen Ausgangspunkt bildete die Regierungserklärung von Bundeskanzler Helmut Kohl am 13. Oktober 1982. Darin sprach er sich für den Aufbau einer Sammlung zur deutschen Geschichte seit 1945 aus. Ziel war es, die Entstehung der Bundesrepublik, die deutsche Teilung, die Entwicklung der Demokratie und die gesellschaftlichen Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg in einer öffentlich zugänglichen Einrichtung darzustellen.
Im Jahr 1983 wurde eine wissenschaftliche Sachverständigenkommission eingesetzt, die sich mit dem inhaltlichen Konzept des geplanten Museums beschäftigte. Zu den beteiligten Historikern gehörten Lothar Gall, Klaus Hildebrand, Horst Möller und Ulrich Löber. Ihre Arbeit bildete eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für das spätere Ausstellungskonzept.
1986 begann in Bonn die konkrete Aufbauarbeit. Eine Stiftung wurde vorbereitet, während gleichzeitig historische Gegenstände, Fotografien, Dokumente und weitere Zeugnisse der deutschen Nachkriegsgeschichte gesammelt wurden. Die Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland wurde 1990 als selbstständige Stiftung etabliert.
Die Bauarbeiten für das Museumsgebäude begannen im September 1989. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Deutschland in einer besonders bewegten politischen Phase. Die friedliche Revolution in der DDR, der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und die anschließenden politischen Verhandlungen veränderten die historische Perspektive des geplanten Museums erheblich. Die deutsche Einheit am 3. Oktober 1990 wurde zu einem zentralen Ereignis der Zeitgeschichte.
Am 14. Juni 1994 eröffnete Bundeskanzler Helmut Kohl das Haus der Geschichte in Bonn offiziell. Das Museum entwickelte sich schnell zu einer wichtigen kulturellen Einrichtung und einem bedeutenden Ort der historischen Bildungsarbeit. Bereits 1995 erhielt es den Museumspreis des Europarates.
Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde die Dauerausstellung regelmäßig überarbeitet und um neue Themen ergänzt. Migration, Globalisierung, Digitalisierung, Umweltbewegungen und gesellschaftliche Veränderungen wurden zunehmend berücksichtigt. Die bisherige Dauerausstellung wurde im September 2024 nach rund 30 Jahren geschlossen. Sie hatte seit 1994 mehr als 14 Millionen Besuche verzeichnet.
Mit der neuen Dauerausstellung „Du bist Teil der Geschichte. Deutschland seit 1945“ erhielt das Museum ein zeitgemäßes Ausstellungskonzept. Im Mittelpunkt stehen nicht nur politische Ereignisse, sondern auch die Menschen, deren persönliche Erfahrungen die deutsche Geschichte geprägt haben. Heute gehört das Bonner Museum zu den wichtigsten Adressen für alle, die sich mit der deutschen Nachkriegsgeschichte beschäftigen möchten.
Highlights im Haus der Geschichte
Eine der größten Besonderheiten des Haus der Geschichte ist seine neue Dauerausstellung, die deutsche Geschichte mit individuellen Lebensgeschichten verbindet. Das Ausstellungsmotto „Du bist Teil der Geschichte“ macht deutlich, dass Besucher nicht nur Beobachter historischer Ereignisse sind, sondern selbst in gesellschaftliche Entwicklungen eingebunden sind.
Besonders eindrucksvoll ist die mediale Installation am Eingang. Hier werden live aufgenommene Silhouetten der Besucher mit historischen Filmaufnahmen kombiniert. Dazu gehören Bilder von Menschen, die im November 1989 auf der Berliner Mauer tanzten. Auf diese Weise entsteht eine Verbindung zwischen der persönlichen Gegenwart der Besucher und einem der bedeutendsten Momente der deutschen Nachkriegsgeschichte.
Zu den wichtigsten Ausstellungsstücken gehören mehr als 3.800 historische Objekte. Die Sammlung umfasst Gegenstände aus Politik, Wirtschaft, Kultur und dem alltäglichen Leben. Ein besonders ungewöhnliches Exponat ist ein selbst gebautes Fluchtflugzeug. Es verdeutlicht, welche Risiken Menschen während der deutschen Teilung eingingen, um aus der DDR in den Westen zu gelangen.
Ein weiteres interessantes Objekt ist ein Ford Transit, der die Lebensgeschichte einer Einwandererfamilie veranschaulicht. Das Fahrzeug steht stellvertretend für die Bedeutung von Migration und gesellschaftlicher Vielfalt in der Bundesrepublik.
Die deutsche Teilung und die Wiedervereinigung bilden einen weiteren wichtigen Schwerpunkt. Besucher begegnen Originalzeugnissen aus der Zeit des Kalten Krieges, der Existenz zweier deutscher Staaten und der friedlichen Revolution von 1989. Auch Gegenstände und Mauersteine aus der Zeit der Berliner Mauer helfen dabei, die Bedeutung der innerdeutschen Grenze zu verstehen.
Besonders sehenswert ist außerdem ein Baumhaus, das als Symbol für Umweltproteste und gesellschaftliches Engagement dient. Es veranschaulicht, wie sich Umwelt- und Klimaschutz zu wichtigen politischen und gesellschaftlichen Themen entwickelt haben.
Ein weiteres Highlight ist die Darstellung des Alltagslebens verschiedener Jahrzehnte. Persönliche Gegenstände, Möbel, Spielsachen und Erinnerungsstücke vermitteln einen Eindruck davon, wie Menschen in den 1950er-, 1960er-, 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren gelebt haben. Auch ein Kinderzimmer aus den 1990er-Jahren gehört zu den anschaulichen Beispielen.
Neben der Dauerausstellung lohnt sich ein Blick auf die wechselnden Sonderausstellungen. Im Jahr 2026 gehört beispielsweise die Ausstellung „NACH HITLER. Die deutsche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus“ zum Programm. Sie beschäftigt sich mit dem Umgang der deutschen Gesellschaft mit der nationalsozialistischen Vergangenheit und ist bis Januar 2027 vorgesehen. Da Sonderausstellungen zeitlich begrenzt sind, empfiehlt sich vor dem Besuch ein Blick auf das aktuelle Ausstellungsprogramm.
Auch der historische Römerkeller im Untergeschoss ist interessant. Er erinnert daran, dass Bonn bereits lange vor der Gründung der Bundesrepublik eine bedeutende Vergangenheit hatte.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Haus der Geschichte
Das Haus der Geschichte befindet sich in der Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn, direkt an der Museumsmeile. Das Museum ist von Dienstag bis Freitag zwischen 09:00 und 18:00 Uhr geöffnet. Samstags, sonntags und an Feiertagen gelten üblicherweise Öffnungszeiten von 10:00 bis 18:00 Uhr. Montags bleibt das Museum geschlossen. An besonderen Feiertagen können abweichende Regelungen gelten.
Ein großer Vorteil für Besucher ist der kostenlose Eintritt. Sowohl die Dauerausstellung als auch die regulären Sonderausstellungen können grundsätzlich ohne Eintrittsgebühr besucht werden. Für besondere Veranstaltungen, Gruppenangebote oder Führungen können gesonderte organisatorische Bedingungen gelten.
Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist besonders unkompliziert. Die Stadtbahnlinien 16, 63 und 66 halten an der Station „Heussallee/Museumsmeile“. Von dort ist das Museum bequem erreichbar. Auch die Buslinien 610 und 611 bedienen den Bereich Heussallee/Museumsmeile.
Wer vom Bonner Hauptbahnhof kommt, kann eine Stadtbahn in Richtung des südlichen Stadtgebiets nehmen und an der Haltestelle Heussallee/Museumsmeile aussteigen. Die Fahrt dauert ungefähr sieben Minuten. Alternativ ist ein Spaziergang durch das Regierungsviertel möglich.
Auch mit dem Auto ist die Anreise möglich. In der Umgebung befinden sich Parkmöglichkeiten an der Museumsmeile sowie Parkhäuser im Bereich des World Conference Center Bonn. Besucher sollten die aktuellen Zufahrtsinformationen beachten und ausreichend Zeit für die Parkplatzsuche einplanen.
Das Museum ist weitgehend barrierefrei gestaltet. Aufzüge verbinden die verschiedenen Ebenen, und die Ausstellungsbereiche sind größtenteils für Rollstuhlfahrer zugänglich. Kinderwagen dürfen ebenfalls mitgenommen werden. Familien profitieren zusätzlich von Wickelmöglichkeiten und speziellen Angeboten für Kinder.
Für einen entspannten Besuch sollte man ungefähr zwei bis drei Stunden einplanen. Wer sämtliche Ausstellungsbereiche ausführlich erkunden, historische Dokumente lesen und die interaktiven Stationen nutzen möchte, kann auch deutlich länger bleiben. Ein Audioguide für das Smartphone bietet eine zusätzliche Möglichkeit, die Ausstellung eigenständig zu entdecken.
Besucher sollten außerdem beachten, dass die Ausstellung „Verlassen, Verfallen, Vergessen. Lost Places in Deutschland“ in der U-Bahn-Galerie aufgrund von Bauarbeiten an der Haltestelle vom 8. Oktober bis zum 19. November 2026 geschlossen ist. Für die konkrete Tagesplanung ist die offizielle Besucherinformation unter hdg.de die zuverlässigste Informationsquelle.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Haus der Geschichte
Die Lage an der Bonner Museumsmeile macht das Haus der Geschichte zu einem idealen Ausgangspunkt für einen ganzen Kulturtag. Direkt in der näheren Umgebung befinden sich mehrere bedeutende Museen. Besonders empfehlenswert ist die Bundeskunsthalle in der Helmut-Kohl-Allee 4. Sie präsentiert wechselnde Ausstellungen aus Kunst, Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft.
Ebenfalls in unmittelbarer Nachbarschaft liegt das Kunstmuseum Bonn. Seine Sammlung konzentriert sich unter anderem auf deutsche Kunst nach 1945 sowie auf August Macke und den Rheinischen Expressionismus. Wer nach dem geschichtlichen Rundgang einen Einblick in die moderne und zeitgenössische Kunst erhalten möchte, findet hier eine passende Ergänzung.
Ein weiteres interessantes Ausflugsziel ist das Museum Koenig Bonn in der Adenauerallee 160. Das zoologische Forschungsmuseum vermittelt Wissen über Tiere, Lebensräume und ökologische Zusammenhänge. Besonders für Familien mit Kindern ist es eine attraktive Ergänzung zum historischen Museum.
Auch das Bundesviertel selbst ist sehenswert. Die Umgebung des ehemaligen Regierungsviertels erinnert an die Zeit, in der Bonn Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland war. Historische Regierungsgebäude und politische Institutionen vermitteln einen Eindruck davon, welche Bedeutung die Stadt während der deutschen Teilung hatte.
Wer nach dem Museumsbesuch eine Pause im Freien einlegen möchte, kann in Richtung Rhein spazieren oder die weitläufigen Grünflächen der Bonner Rheinaue besuchen. Der Park bietet Spazierwege, Wasserflächen und zahlreiche Möglichkeiten zur Erholung.
Die Bonner Innenstadt ist ebenfalls einen Ausflug wert. Dort befinden sich das Beethoven-Haus, historische Plätze, das Alte Rathaus und zahlreiche Cafés und Restaurants. Wer mehrere Sehenswürdigkeiten miteinander verbinden möchte, kann zunächst das Haus der Geschichte besuchen, anschließend die Bundeskunsthalle und das Kunstmuseum erkunden und den Tag mit einem Spaziergang am Rhein oder in der Innenstadt ausklingen lassen.
Wo übernachten in Bonn, Deutschland
Vergleichen Sie aktuelle Hotelpreise und finden Sie die passende Unterkunft.