Michaelskirche
Die Michaelskirche an der belebten Neuhauser Straße gehört zu den bedeutendsten Renaissancebauten nördlich der Alpen und ist zugleich eine der wichtigsten Jesuitenkirchen im deutschsprachigen Raum. Mit ihrer monumentalen Fassade, dem riesigen stützenfreien Tonnengewölbe und der Fürstengruft, in der unter anderem König Ludwig II. ruht, zählt sie zu den eindrucksvollsten Sakralbauten Münchens.
Geschichte der Michaelskirche
Die Michaelskirche wurde zwischen 1583 und 1597 unter Herzog Wilhelm V. von Bayern für den Jesuitenorden errichtet, der zu dieser Zeit als geistige Speerspitze der Gegenreformation in Bayern wirkte. Die Architekten Friedrich Sustris und Wolfgang Miller orientierten sich an italienischen Vorbildern, insbesondere an der Jesuitenkirche Il Gesù in Rom, und schufen damit einen der ersten bedeutenden Renaissancebauten nördlich der Alpen. Herzog Wilhelm V. verstand den Bau explizit als Demonstration seiner katholischen Frömmigkeit und als Bollwerk gegen die Reformation, die zu dieser Zeit in weiten Teilen Deutschlands bereits Fuß gefasst hatte. Finanziell überforderte das ambitionierte Bauprojekt sogar die herzogliche Kasse erheblich und trug mit zum vorzeitigen Rückzug Wilhelms V. aus der Regierungsgeschäfte bei. Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche in den folgenden Jahrzehnten originalgetreu restauriert und zählt heute wieder zu den meistbesuchten Kirchen der Stadt.
Architektur & Fürstengruft
Das weite, stützenfreie Tonnengewölbe der Michaelskirche war zur Bauzeit das zweitgrößte seiner Art nach dem Petersdom in Rom und demonstriert eindrucksvoll die bautechnischen Ambitionen der Zeit. Die monumentale Fassade schmücken Statuen der Wittelsbacher Herrscher sowie eine große Bronzestatue des Erzengels Michael im Kampf mit dem Drachen, geschaffen 1588 vom Bildhauer Hubert Gerhard - eines der frühesten großformatigen Bronzewerke nördlich der Alpen. In der Fürstengruft unterhalb der Kirche liegen zahlreiche Mitglieder des Hauses Wittelsbach begraben, darunter prominent König Ludwig II., der "Märchenkönig" und Bauherr von Schloss Neuschwanstein, sowie Eugène de Beauharnais, Stiefsohn Napoleons und Herzog von Leuchtenberg, der durch seine Heirat mit einer bayerischen Prinzessin eng mit dem Königshaus verbunden war.
Tipps für den Besuch & Anreise
Die Michaelskirche liegt mitten in der Fußgängerzone Neuhauser Straße, nur wenige Gehminuten vom Marienplatz und vom Karlsplatz (Stachus) entfernt, und ist damit eines der am leichtesten zugänglichen Bauwerke der Münchner Altstadt. Die nächstgelegenen U- und S-Bahn-Stationen sind Marienplatz und Karlsplatz, beide nur wenige hundert Meter entfernt. Als aktive Pfarrkirche gelten für Besichtigungen bestimmte Zeiten außerhalb der Gottesdienste, die auf der Website der Gemeinde aktuell einsehbar sind.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe der Michaelskirche
Nur wenige Schritte entfernt liegt die Bürgersaalkirche mit ihrer stillen Unterkirche, während der Marienplatz mit dem Neuen Rathaus und seinem berühmten Glockenspiel in wenigen Gehminuten erreichbar ist. Richtung Westen führt die Neuhauser Straße zum Karlsplatz mit dem historischen Karlstor, und auch die Frauenkirche mit ihren charakteristischen Zwiebeltürmen liegt in unmittelbarer Nähe mitten in der Altstadt.
Die Fassadenfiguren & Fuggerkapelle
Die monumentale Fassade der Michaelskirche ist mit einer durchdachten Statuenreihe der Wittelsbacher Herrscher geschmückt, beginnend bei den frühesten Herzögen bis hin zu Herzog Wilhelm V. selbst, der damit die dynastische Legitimität und Kontinuität seines Hauses demonstrativ zur Schau stellte. Diese Statuengalerie an einer Kirchenfassade war für ihre Zeit ungewöhnlich und unterstreicht den politischen Charakter des Bauwerks, das weit mehr war als ein reiner Sakralbau - es sollte zugleich ein steinernes Manifest der Gegenreformation und des Herrschaftsanspruchs der Wittelsbacher sein. Im Inneren der Kirche setzt sich dieser Anspruch mit zahlreichen Seitenkapellen und Altären fort, die von bedeutenden Münchner Patrizierfamilien gestiftet wurden und die enge Verflechtung von Adel, Bürgertum und Kirche im barocken München dokumentieren.
Der Jesuitenorden in Bayern
Die Michaelskirche steht exemplarisch für die enge Verbindung zwischen dem Jesuitenorden und dem bayerischen Herzogtum im 16. und 17. Jahrhundert: Die Jesuiten übernahmen in dieser Zeit maßgeblich das bayerische Bildungswesen, gründeten Schulen und Universitäten und wurden zu engen Beratern der Wittelsbacher Herrscher in Fragen der Gegenreformation. Diese enge Partnerschaft machte München zu einem der wichtigsten Zentren jesuitischer Aktivität nördlich der Alpen. Bis heute ist die Michaelskirche eine aktive Jesuitenkirche mit eigener Gemeinde und einem vielfältigen seelsorgerischen und kulturellen Programm, das die über 400-jährige Tradition des Ordens an diesem Ort fortführt und die Kirche zu weit mehr macht als einem reinen Besichtigungsziel.
Wo übernachten in München, Deutschland
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