Platz & Altstadt

Marienplatz

Marienplatz
Marienplatz, 80331 München
Inhalt

Der Marienplatz ist seit der Gründung Münchens 1158 durch Heinrich den Löwen das geografische und gesellschaftliche Zentrum der Stadt. Ursprünglich als Schranne, also Getreide- und Marktplatz, angelegt, erhielt er seinen heutigen Namen erst 1854 - zu Ehren der Mariensäule, die bereits seit über 200 Jahren in seiner Mitte stand. Bis heute laufen hier die wichtigsten Straßen der Altstadt zusammen, und kaum ein Münchenbesuch beginnt nicht genau an dieser Stelle.

Geschichte des Marienplatz

Schon im Mittelalter diente der Platz als Austragungsort für Ritterturniere, Hinrichtungen und Märkte - eine Nutzung, die sich bis ins 19. Jahrhundert hielt, als der Getreidemarkt schließlich zum Schrannenplatz nahe dem Viktualienmarkt verlegt wurde. Die Mariensäule in der Platzmitte wurde 1638 von Kurfürst Maximilian I. errichtet. Anlass war das Gelübde, das der Kurfürst während der schwedischen Bedrohung im Dreißigjährigen Krieg abgelegt hatte: Als die protestantischen Schweden 1632 vor den Toren Münchens standen, blieb die Stadt von einer Belagerung verschont. Zum Dank ließ Maximilian die vergoldete Mariensäule errichten, die heute als eines der ältesten erhaltenen Monumente dieser Art in Europa gilt. 1639 wurden an ihrem Sockel vier kämpfende Putten ergänzt, die die Bedrohungen Krieg, Pest, Hunger und Häresie als besiegte Fabelwesen darstellen.

Das Neue Rathaus und sein Glockenspiel

Das heutige Bild des Platzes wird maßgeblich vom Neuen Rathaus geprägt, einem neugotischen Prachtbau, der zwischen 1867 und 1908 nach Plänen von Georg von Hauberrisser errichtet wurde - inspiriert von flämischen Rathäusern des Mittelalters. Die reich verzierte, rund 100 Meter lange Fassade mit ihrem 85 Meter hohen Hauptturm ersetzte eine Reihe älterer Bürgerhäuser, die dem Neubau weichen mussten. Weltberühmt ist das Glockenspiel im Rathausturm, das seit 1908 mit 43 Glocken und 32 lebensgroßen Figuren zweimal täglich zwei historische Szenen nachspielt: den Schäfflertanz, der an das Ende einer Pestepidemie im Jahr 1517 erinnert, sowie ein Ritterturnier zur Hochzeit Herzog Wilhelms V. mit Renata von Lothringen im Jahr 1568. Am Ende der Vorführung kräht ein goldener Hahn. Auf der Ostseite des Platzes steht zudem das Alte Rathaus, dessen Kern auf das 14. Jahrhundert zurückgeht und das nach schweren Kriegsschäden originalgetreu wiederaufgebaut wurde.

Tipps für den Besuch & Anreise

Der Marienplatz ist mit der gleichnamigen U-Bahn- und S-Bahn-Station direkt angebunden und damit der unkomplizierteste Ausgangspunkt für einen Rundgang durch die Altstadt. Für einen weiten Blick über die Dächer Münchens lohnt sich der Aufstieg auf den Turm des Alten Peter gleich südlich des Platzes. Die genauen Vorführzeiten des Glockenspiels und etwaige saisonale Änderungen sollten vorab auf der offiziellen Website der Stadt München geprüft werden, da sie sich gelegentlich ändern. Rund um den Platz reihen sich zahlreiche Cafés mit Blick auf das Rathaus, die sich besonders zur Glockenspielzeit füllen.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Marienplatz

Nur wenige Schritte westlich erhebt sich die Frauenkirche mit ihren charakteristischen Zwiebeltürmen, während südlich des Platzes der Viktualienmarkt mit seinen Ständen für frische Lebensmittel und einem traditionsreichen Biergarten lockt. Richtung Osten führt die Fußgängerzone zum Isartor, eines der erhaltenen mittelalterlichen Stadttore, und Richtung Westen zieht sich die belebte Kaufingerstraße bis zum Karlsplatz (Stachus) mit dem historischen Karlstor. Auch das Hofbräuhaus ist von hier in wenigen Gehminuten zu erreichen.

Der Marienplatz im Jahreslauf

Über das ganze Jahr hinweg ist der Marienplatz Schauplatz des öffentlichen Lebens Münchens. Besonders bekannt ist der traditionsreiche Christkindlmarkt, der jedes Jahr in der Adventszeit den Platz und den angrenzenden Rindermarkt in ein Lichtermeer aus Holzständen, Glühwein und Kunsthandwerk verwandelt und zu den ältesten Weihnachtsmärkten Deutschlands zählt. Auch bei anderen Anlässen - etwa wenn der FC Bayern München einen Meistertitel feiert oder zu Silvester - versammeln sich traditionell tausende Menschen auf dem Platz. Diese Doppelrolle als historischer Verwaltungssitz und lebendiger Versammlungsort macht den Marienplatz bis heute zum eigentlichen Mittelpunkt der Stadt, weit über seine touristische Bedeutung hinaus.

Der Fischbrunnen am Marienplatz

Am Rand des Platzes, nahe dem Neuen Rathaus, steht der historische Fischbrunnen, dessen heutige Gestalt auf eine Nachkriegsrekonstruktion zurückgeht, deren Ursprung jedoch bis ins Mittelalter reicht, als hier tatsächlich Fisch verkauft wurde. Bekannt ist der Brunnen vor allem für einen alten Münchner Fastnachtsbrauch: Traditionell sprangen Metzgergesellen am Aschermittwoch in das Brunnenbecken, um symbolisch die Fastenzeit einzuläuten - ein Ritual, das bis heute in abgewandelter Form von Zünften und Vereinen gepflegt wird und dem Platz eine zusätzliche folkloristische Note verleiht.

Der Rathausbalkon als Bühne großer Momente

Der Balkon des Neuen Rathauses hat sich über die Jahrzehnte zu einer informellen, aber fest etablierten Bühne für die größten Freudenfeste der Stadt entwickelt. Wenn der FC Bayern München einen Meistertitel oder Pokalsieg feiert, versammeln sich traditionell zehntausende Fans auf dem Marienplatz, während Mannschaft und Vereinsführung vom Rathausbalkon aus den Jubel entgegennehmen. Im Inneren des Rathauses tagt zudem bis heute der Münchner Stadtrat, sodass das Gebäude neben seiner historischen und touristischen Bedeutung auch ganz praktisch das politische Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt geblieben ist.

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