Burg Spich
Burg Spich in Troisdorf ist ein historisches Herrenhaus mit tiefen Wurzeln in der rheinischen Adelsgeschichte. Das denkmalgeschützte Gebäude an der Hauptstraße im Ortsteil Spich verkörpert die jahrhundertealte Siedlungsgeschichte der Region und erinnert an die Zeiten, als freie Adelsgüter das Landschaftsbild prägten. Besucher, die das Rhein-Sieg-Gebiet erkunden, finden hier einen authentischen Einblick in die feudale Vergangenheit, ohne dass große Touristenmassen den Charakter des Ortes stören. Die Lage inmitten des lebendigen Stadtteils Spich mit seinen Fachwerkhäusern, der Nähe zur Wahner Heide und der guten Anbindung an Köln und Bonn macht Burg Spich zu einem lohnenden Halt für Geschichtsinteressierte und Spaziergänger. Der Name leitet sich von einem stehenden Gewässer, einem Altarms des Rheins, ab und verweist auf die frühe Trockenlegung des sumpfigen Geländes. Wer die ruhige Atmosphäre und die baulichen Zeugnisse des 19. Jahrhunderts schätzt, wird an diesem Ort fündig und kann die Verbindung zwischen Adelssitz und Dorfentwicklung hautnah nachvollziehen.
Geschichte von Burg Spich
Die Geschichte von Burg Spich reicht bis ins hohe Mittelalter zurück. Der freiadelige Hof wurde 1297 erstmals urkundlich erwähnt, als in einer Urkunde der Abtei Michaelsberg eine Mechthild de Spico genannt wird. Eine weitere Urkunde über das Haus selbst stammt aus dem Jahr 1389. Der Name Spich bezeichnete ursprünglich ein stehendes Wasser, etwa einen Altarms des Rheins, und deutet auf die sumpfige Umgebung hin, die erst nach Trockenlegung besiedelt werden konnte. Bodenfunde belegen, dass Menschen bereits um 3500 vor Christus in diesem Gebiet lebten.
Im 16. Jahrhundert gehörte das Gut für rund 150 Jahre der Familie von Hannf. Danach wechselten die Besitzer mehrfach. 1686 gelangte es an Johann Baptist de Gramaye, Chorbischof des Kölner Stiftes Sankt Gereon. 1705 ging es an das Kloster Heisterbach und später an den Amtsverwalter de Warth von Blankenberg. Dessen Schwiegersohn Carl Gottfried Mappius, Amtsverwalter und Postmeister, richtete im Haus eine Poststation der kaiserlichen Reichspost der Thurn und Taxis ein. Diese bediente die Strecken Düsseldorf–Mannheim und Köln–Frankfurt, bis die Station 1761 nach Siegburg verlegt wurde. Eine Tochter von Mappius heiratete in die Familie auf Haus Broich ein und verband so die beiden prägenden Adelssitze Spichs.
Die ursprünglichen Gebäude des Hofes sind nicht erhalten. Das heutige Herrenhaus entstand 1866 an der Hauptstraße und steht zusammen mit einem Gewölbekeller im Vorgarten und einem Heiligenhäuschen unter Denkmalschutz. Die Siedlungsgeschichte Spichs war eng mit den beiden Adelshäusern Haus Spich und Haus Broich verknüpft, die erstmals im 12. Jahrhundert erwähnt wurden. Unruhige Jahrhunderte mit Eheschließungen, Pfändungen und Gerichtsstreitigkeiten prägten den Besitz. Im Truchsessischen Krieg 1588 brannte das Dorf nieder. Eine Hochzeit 1630 schützte Spich vor weiterer Verwüstung durch schwedische Truppen. 1815 nahm eine Alaunhütte den Betrieb auf und leitete die industrielle Entwicklung ein. 1826 zerstörte ein Brand acht Häuser an Burgstraße und Brückenstraße. 1927 wurde Spich nach Sieglar und 1969 nach Troisdorf eingemeindet. Heute erinnert Burg Spich als sichtbares Zeugnis an diese lange Geschichte.
Highlights von Burg Spich
Das herausragende Merkmal von Burg Spich ist das 1866 erbaute Herrenhaus an der Hauptstraße 183. Es vermittelt einen Eindruck von der repräsentativen Wohnkultur des 19. Jahrhunderts und steht als Baudenkmal unter Schutz. Vor dem Gebäude befindet sich ein Gewölbekeller, der ebenfalls denkmalgeschützt ist und auf ältere Nutzungsschichten hinweist. Daneben erhebt sich ein Heiligenhäuschen, das die religiöse Prägung der Region widerspiegelt und ebenfalls unter Denkmalschutz steht.
Die unmittelbare Umgebung verstärkt den historischen Charakter. Nur wenige Schritte entfernt steht das Renaissance-Herrenhaus von Haus Broich aus dem Jahr 1620 an der Burgstraße. Es wurde vom Ehepaar Wolffen-Vercken errichtet und zeigt an der Giebelseite das Allianzwappen. Das Gebäude liegt am Rand einer Parkanlage, die direkt an das Naturschutzgebiet Wahner Heide grenzt. Die Kombination beider Adelssitze macht deutlich, wie eng die Geschichte von Burg Spich mit der Dorfentwicklung verwoben ist.
Weitere Highlights in direkter Nähe sind die Fachwerkhäuser Haus Heep und Et Hüsje. Haus Heep, bereits 1755 als nichtadeliger Gutshof belegt, diente später als Wirtshaus und Chausseegeld-Erhebungsstelle. Nach einem Brand 1999 wurde es mit Hilfe des Heimat- und Geschichtsvereins originalgetreu wiederaufgebaut. Et Hüsje gegenüber ist ein kleines, ebenfalls denkmalgeschütztes Fachwerkhaus. Der Bleimopsplatz mit dem Moggelbrunnen erinnert an die frühere Tradition des Bleikugel-Sammelns auf dem Truppenübungsplatz Wahner Heide. Der Spicher Hohlstein, ein etwa 26 Millionen Jahre alter Quarzitblock, gilt als Naturdenkmal und ist von Sagen umwoben. Die neugotische Kirche St. Mariä Himmelfahrt von 1860 rundet das Ensemble ab. Diese Elemente zusammen ergeben ein dichtes historisches und kulturelles Gefüge, das Burg Spich zu einem zentralen Orientierungspunkt macht.
Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise nach Burg Spich
Burg Spich ist als denkmalgeschütztes Herrenhaus privat genutzt und verfügt über keine regulären öffentlichen Öffnungszeiten für Innenbesichtigungen. Das Äußere des Gebäudes an der Hauptstraße 183 kann jederzeit von der Straße aus betrachtet werden. Historische Führungen und Spaziergänge, die von der Tourist-Information Burg Wissem organisiert werden, führen regelmäßig am Haus vorbei und bieten Hintergrundinformationen. Solche Touren starten oft am Bleimopsplatz oder vor der Gaststätte Sängerstuben und dauern etwa zwei Stunden. Eine Anmeldung ist erforderlich, die Teilnahme ist in der Regel kostenfrei.
Eintritt wird nicht erhoben, da es sich um eine Außenbesichtigung handelt. Für aktuelle Informationen zu Führungen empfiehlt sich die Kontaktaufnahme mit der Tourist-Information Burg Wissem unter der Telefonnummer 02241 900-456 oder per E-Mail an [email protected].
Die Anreise ist unkompliziert. Mit dem Auto erreicht man Spich über die Bundesstraße 8 oder die Autobahn A 59, Anschlussstelle Spich. Parkplätze sind am Spicher Platz oder in der Nähe des S-Bahnhofs vorhanden. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt man mit der S-Bahn bis Troisdorf-Spich oder mit dem Bus der Linie 507 bis zur Haltestelle Kreissparkasse. Von dort sind es nur wenige Gehminuten zur Hauptstraße. Der Flughafen Köln/Bonn und der ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn liegen in kurzer Entfernung und sind gut angebunden. Die zentrale Lage im Rhein-Sieg-Kreis macht Burg Spich zu einem leicht erreichbaren Ziel für Tagesausflüge aus Köln oder Bonn.
Sehenswürdigkeiten in der Nähe von Burg Spich
In unmittelbarer Nähe von Burg Spich liegt Haus Broich mit seinem Renaissance-Herrenhaus von 1620. Der Spicher Hohlstein, ein markanter Quarzitblock, ist ein beliebtes Fotomotiv und Wanderziel. Der Bleimopsplatz mit dem Moggelbrunnen erzählt von der lokalen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Die Kirche St. Mariä Himmelfahrt und das Bürgerhaus Spich in der Waldstraße ergänzen das kulturelle Angebot.
Etwas weiter entfernt beginnt die Wahner Heide, eines der größten und artenreichsten Naturschutzgebiete Nordrhein-Westfalens. Sie lädt zu ausgedehnten Spaziergängen und Radtouren ein. Burg Wissem in Troisdorf mit dem Bilderbuchmuseum ist in wenigen Minuten erreichbar und bietet kulturelle Highlights. Der Rotter See und die Siegaue erweitern die Möglichkeiten für Naturliebhaber. So lässt sich ein Besuch von Burg Spich hervorragend mit weiteren Entdeckungen in der Region verbinden.
Wo übernachten in Troisdorf, Deutschland
Vergleichen Sie aktuelle Hotelpreise und finden Sie die passende Unterkunft.