Platz & Altstadt

Potsdamer Platz

Potsdamer Platz
Potsdamer Platz, 10785 Berlin, Deutschland
Inhalt

Kaum ein Ort symbolisiert den radikalen Wandel Berlins nach dem Fall der Mauer so eindrücklich wie der Potsdamer Platz. Noch in den 1980er Jahren war das Areal eine brachliegende Ödfläche direkt im Grenzstreifen zwischen Ost- und West-Berlin, dabei zählte der Platz in den 1920er Jahren zu den verkehrsreichsten Plätzen Europas. Heute prägen gläserne Hochhäuser, das Sony Center mit seinem markanten Zeltdach und internationale Konzernzentralen das Bild – entstanden in einem der größten Bauprojekte Europas der 1990er Jahre. Für Besucher Berlins ist der Potsdamer Platz damit ein Ort, an dem sich die wechselhafte Geschichte der Stadt von der Kaiserzeit über die Teilung bis zur Wiedervereinigung besonders konzentriert nachvollziehen lässt, eingerahmt von moderner Architektur internationaler Stararchitekten wie Renzo Piano und Helmut Jahn. Besonders beeindruckend ist dabei der Kontrast zwischen den nüchternen Betonflächen, die einst die geteilte Stadt symbolisierten, und der heutigen gläsernen Hochhauskulisse, die Berlin seit den 1990er Jahren international als moderne Metropole positioniert.

Geschichte des Potsdamer Platzes

Seinen Namen erhielt der Potsdamer Platz von dem 1838 errichteten Potsdamer Bahnhof, dem ersten Fernbahnhof Berlins, der die Stadt mit Potsdam und später mit dem gesamten Deutschen Reich verband. Bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich der Platz zu einem der verkehrsreichsten Knotenpunkte Europas; 1924 wurde hier die erste automatische Verkehrsampel Deutschlands installiert, um dem Durcheinander aus Straßenbahnen, Droschken und den ersten Automobilen zu begegnen. In den 1920er Jahren umgaben den Platz bekannte Adressen wie das Hotel Esplanade und das Kaufhaus Wertheim, während Cafés und Varietés das pulsierende Nachtleben der Weimarer Republik widerspiegelten. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Areal durch Bombenangriffe fast vollständig zerstört, und nach 1945 verlief die Grenze zwischen den Besatzungssektoren mitten durch den Platz. Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde der Potsdamer Platz endgültig zur Todeszone zwischen Ost und West, die Trümmerflächen blieben über fast drei Jahrzehnte weitgehend unbebaut. Nach dem Mauerfall 1989 beschlossen Investoren wie Daimler-Benz und Sony, auf dem freigewordenen Areal große Unternehmenszentralen zu errichten; zwischen 1993 und 1998 entstand unter Beteiligung von Architekten wie Renzo Piano, Hans Kollhoff und Helmut Jahn eines der größten Bauprojekte Europas der Nachwendezeit. Das gesamte Daimler-Quartier südlich des Platzes, unter anderem mit dem von Renzo Piano entworfenen Debis-Haus, wurde 1998 fertiggestellt und bildete zusammen mit dem Sony Center den Kern des neuen Stadtviertels. Ein Teil des Geländes, das sogenannte Lenné-Dreieck, war bis zur Wiedervereinigung völkerrechtlich ein Streitpunkt zwischen Ost- und West-Berlin, da es zwar geografisch im Westen lag, aber formal zum Ostteil der Stadt gehörte.

Highlights am Potsdamer Platz

Das architektonische Herzstück ist das Sony Center, 2000 nach Plänen von Helmut Jahn fertiggestellt, dessen zeltartiges Glas-Stahl-Dach einen zentralen Platz überspannt und nachts in wechselnden Farben illuminiert wird. Hier befindet sich auch ein erhaltenes Fragment des historischen Hotel Esplanade, dessen Kaisersaal 1996 auf Schienen um 75 Meter verschoben wurde, um Platz für den Neubau zu schaffen – eine der aufwendigsten Gebäudeversetzungen Europas. Die Deutsche Kinemathek direkt am Platz widmet sich der Geschichte des deutschen Films und zeigt unter anderem Kostüme und Requisiten aus Marlene-Dietrich-Produktionen. Alljährlich im Februar verwandelt sich der Potsdamer Platz zum Zentrum der Berlinale, eines der bedeutendsten Filmfestivals der Welt, wenn der rote Teppich vor dem Berlinale Palast ausgerollt wird. In unmittelbarer Nähe erinnert ein noch original erhaltenes Stück der Berliner Mauer zusammen mit Informationstafeln an die Teilung der Stadt. Das Panorama-Punkt-Hochhaus am Kollhoff-Tower bietet mit dem schnellsten Aufzug Europas in nur 20 Sekunden Zugang zu einer Aussichtsplattform in 100 Metern Höhe. Shoppingfreunde finden in den Potsdamer Platz Arkaden auf drei Ebenen rund 140 Geschäfte, während das Musical Theater am Potsdamer Platz internationale Produktionen wie "Stomp" oder "Blue Man Group" beherbergt hat. Die Mischung aus Konzernarchitektur, Kultur und Unterhaltung macht den Platz zu einem der meistbesuchten Orte der Hauptstadt. Wer es etwas ruhiger mag, findet in der Spielbank Berlin direkt im Marlene-Dietrich-Platz eines der größten Casinos Deutschlands, während das Legoland Discovery Centre in den Potsdamer Platz Arkaden vor allem bei Familien mit kleinen Kindern beliebt ist. Zahlreiche internationale Hotelketten, darunter das Ritz-Carlton und das Grand Hyatt, unterstreichen den Anspruch des Viertels als gehobene Businessdestination.

Öffnungszeiten, Eintritt & Anreise zum Potsdamer Platz

Der Potsdamer Platz selbst ist ein öffentlicher, frei zugänglicher Bereich ohne feste Öffnungszeiten oder Eintrittsgebühren. Die Potsdamer Platz Arkaden haben in der Regel montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr geöffnet, Restaurants und Kinos oft bis Mitternacht. Der Panoramapunkt am Kollhoff-Tower öffnet üblicherweise täglich zwischen 10 und 20 Uhr, der Eintritt liegt bei etwa 8 bis 9 Euro für Erwachsene. Die Deutsche Kinemathek ist meist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, mittwochs bis 20 Uhr, montags geschlossen; der Eintritt bewegt sich im Bereich von 8 bis 10 Euro. Der Potsdamer Platz ist einer der am besten angebundenen Orte Berlins: Die gleichnamige Station wird von den S-Bahn-Linien S1, S2 und S25, der U-Bahn-Linie U2 sowie mehreren Regionalbahn- und Buslinien bedient, zudem liegt die Station auch an der Nord-Süd-Fernbahnlinie. Vom Hauptbahnhof ist der Platz in rund sieben Minuten mit der S-Bahn erreichbar. Zu Fuß liegt der Brandenburger Tor-Bereich etwa 15 Gehminuten entfernt. Parkhäuser sind in den Arkaden und im Beisheim Center vorhanden, jedoch wird aufgrund der Innenstadtlage und der Umweltzone die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln empfohlen.

Sehenswürdigkeiten in der Nähe des Potsdamer Platzes

Nur einen kurzen Spaziergang entfernt liegt das Brandenburger Tor, eines der bekanntesten Symbole Berlins, ebenso wie das Denkmal für die ermordeten Juden Europas direkt daneben. Der Tiergarten, Berlins größter innerstädtischer Park, schließt sich nördlich an und bietet Platz für ausgedehnte Spaziergänge bis zur Siegessäule. Südöstlich erreicht man in wenigen Minuten den Gendarmenmarkt mit dem Konzerthaus Berlin, dem Deutschen Dom und dem Französischen Dom. Auch die Topographie des Terrors, eine Gedenkstätte zur Geschichte der NS-Verfolgung, liegt nur wenige Gehminuten südlich des Potsdamer Platzes an der ehemaligen Gestapo-Zentrale. Für kulturell interessierte Besucher lohnt sich zudem der kurze Weg zur Gemäldegalerie und zur Neuen Nationalgalerie am Kulturforum. Auch die Philharmonie Berlin mit dem weltberühmten Berliner Philharmonischen Orchester liegt nur wenige Gehminuten vom Kulturforum entfernt und lässt sich gut mit einem Besuch des Potsdamer Platzes verbinden. Wer noch etwas mehr Zeit einplant, kann von hier aus zu Fuß auch den Potsdamer Platz umgebenden Großen Tiergarten in Richtung Schloss Bellevue erkunden, dem Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten.

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